Das Steyler „Arnold-Janssen-Sekretariat“

22.02.2021

Auf den Spuren der Steyler Gründungsgeneration und Spiritualität

Das Arnold-Janssen-Sekretariat (AJS) ist eine Einrichtung mit Sitz in Steyl, die sich mit dem Leben und der Spiritualität Arnold Janssens und der Gründergeneration der Steyler Ordensgemeinschaften beschäftigt. Das AJS gibt es schon sehr lange. Seine ursprüngliche Aufgabe war es, Arnold Janssen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen, um den Prozess seiner Seligsprechung und später Heiligsprechung zu fördern.

Renate Breuer
Renate Breuer
Pater Jürgen Ommerborn SVD
Pater Jürgen Ommerborn SVD
 

Pater Ommerborn, Sie leiten seit 2003 das Arnold-Janssen-Sekretariat und beschäftigen sich mit den historischen Quellen des Ordens. Worum geht es dabei?
Als ich im Jahr 2003 nach Steyl kam, machte ich es mir zur Aufgabe, die Entwicklung des Steyler Missionswerkes unter der Leitung Arnold Janssens von 1875 bis zu seinem Tod 1909 zu studieren. Mit „Steyler Missionswerk“ meine ich nicht nur die Geschichte der Gemeinschaft des Göttlichen Wortes (SVD), sondern auch die Missions- und Anbetungsschwestern.

Auf welche Materialien greifen Sie bei Ihrer Arbeit zurück?
Die Briefe Arnold Janssens, die Pater Josef Alt mit wertvollen Fußnoten veröffentlicht hatte, waren und sind meine wichtigste Quelle. Ferner studierte ich den 1874 von Arnold Janssen herausgegebenen „Kleinen Herz-Jesu-Boten“, später „Steyler Missionsboten“, die Arnold Janssen Biografien von Hermann Fischer, Fritz Bornemann und Josef Alt, sowie die Chroniken der Missions- und Anbetungsschwestern. Bei all meinen Studien interessiert mich die Entwicklung des gesamten Missionswerkes.

Wie sind Sie vorgegangen und welche Erkenntnisse haben Sie gewonnen?
Ich habe alle meine Quellen chronologisch eingeordnet. P. Alt veröffentlichte die Briefe nach China, Südamerika, Neuguinea und Australien und in die USA. Ich habe dann gesehen, wohin er an einem bestimmten Tag geschrieben hat und die Briefe dementsprechend dann abgetippt. Genau so habe ich die anderen Quellen behandelt und sie in die Chronologie der Briefe eingearbeitet, so dass ich jetzt die Geschichte des Steyler Missionswerkes in chronologischer Anordnung habe. Auf diese Weise habe ich Arnold Janssen und seine Gründungen recht gut kennengelernt.

Wie hat sich das Missionsverständnis des Hl. Arnold Janssen entwickelt?
Arnold Janssen hat sein Missionsverständnis über die Jahre erweitert. Ein Beispiel dazu: Bei der Gründung des Missionshauses 1875 in Steyl dachte er an die „Heidenmission“ – wenn auch nicht ausschließlich. Bei der Grundsteinlegung von St. Gabriel am 26. April 1889 machte er deutlich, dass das Missionshaus St. Gabriel nicht nur der Mission unter den nicht-christlichen Völkern dienen solle, sondern auch der österreichischen Bevölkerung. „Ich bin der Meinung, dass Wien eines der ersten und wichtigsten Missionsgebiete ist, welche die katholische Kirche gegenwärtig hat,“ schrieb er 1902 nach Brasilien. Dazu passt dann die Übernahme des katholischen Lehrerseminars in Wien im Dezember 1903. Diese begründete er mit den Worten: „Von der Heranbildung guter Lehrer wird die geistige Wiedergeburt Österreichs in sehr beträchtlichem Maße abhängen.“ An diesen Aussagen erkennen wir, wie sich sein Missionsverständnis erweitert hat. Es ging ihm nicht nur um die Bekehrung der nicht-christlichen Völker wie zum Beispiel China, Togo, Papua-Neuguinea, sondern auch um die Stärkung des Glaubens in Europa, Lateinamerika, USA und Philippinen.

Gibt es weitere Beispiele dafür, dass Arnold Janssen auch die Heimat schon damals als Mission betrachtet hat?
In die Zeit zwischen der Gründung von Steyl und St. Gabriel fiel in Steyl der Beginn des Exerzitien-Apostolates für Priester und Laien. Von 1877 bis 1909 nahmen an die 60 000 Männer und Frauen im Missionshaus St. Michael sowie im Schwesternkloster der Dienerinnen des Heiligen Geistes an Exerzitien teil. Dann begann 1878 mit dem Erscheinen der Familienzeitschrift Stadt Gottes, gefolgt vom Michaelskalender 1880, das sehr erfolgreiche Presseapostolat hinzu, das christlichen Geist in das Leben der Gesellschaft bringen sollte. Daran kann man erkennen, dass Arnold Janssen die missionarische Bewusstseinsbildung und Missionsanimation in der Heimat wichtig war, es war eine Art Mission der Heimat.

Was würde Arnold Janssen uns heute sagen?
Diese Frage wird mir oft gestellt und ich halte viele Vorträge zu der Frage, welche Sicht Arnold Janssen auf aktuelle Themen hätte. Er würde sagen „Bleib nie bei einem Punkt stehen. Erkenne die Zeichen der Zeit und antworte darauf.“ Seine Stärke war, nichts abzustreichen, sondern auszudehnen. Er antwortete auf Herausforderungen, die an ihn herangetragen wurden. 

Was macht Ihnen Freude bei der Arbeit?
Ich bekomme viel Zuspruch von Mitbrüdern und Schwestern aus der ganzen Welt, unter anderem für den Newsletter, den ich in Deutsch und Englisch veröffentliche. Im Dezember hatte ich eine Online-Veranstaltung mit 162 SVD-Laienpartnern weltweit in drei Zeitzonen. Ich bin sehr froh, dass es diese technischen Möglichkeiten heute gibt. Es hat mich überrascht und beeindruckt, was unsere Laienpartner so auf die Beine stellen. 

Wie ist Ihr Ausblick für das Arnold-Janssen-Sekretariat?
Die Spiritualität hat sich entwickelt, die SVD hat sich entwickelt. Mein Traum ist, dass es ein Steyler Institut für die Gründungsgeschichte und Spiritualität gäbe. Die Frage: „Wie ist die unmittelbar auf Arnold Janssen folgende Generation ihm treu geblieben?“ interessiert mich sehr. Denn Pater Blum, Theresa Messner, die erste Generaloberin der Missionsschwestern und Mutter Michaele von den Klausurschwestern haben Arnold Janssen nicht sklavisch kopiert. Sie haben getan, was zu tun war und sind ihm dabei kreativ treu geblieben. Das gilt auch für uns, ihm schöpferisch treu zu bleiben.

Das Interview mit Pater Jürgen Ommerborn SVD führte Renate Breuer.