Pioniere eines neuen Missionsverständnisses

31.01.2021

Der Januar 2021 war der Monat unserer Heiligen. Am 15.01. gedachten wir unseres Gründers des Heiligen Arnold Janssen, am 29.01. des Heiligen Josef Freinademetz.

Arnold und Josef bei ihrer Heiligsprechung im Jahr 2003 in Steyl

In den vergangenen Tagen vermittelte uns das Internet einen Eindruck von der Vielfalt der Heiligenfeiern in der weltweiten SVD. Beim Blick auf Arnold Janssen wurde aus verschiedenen Perspektiven auf die Anfänge des Steyler Missionswerkes geschaut und auf seinen unermüdlichen Einsatz.

Ich habe mich über einen Artikel in der Kirchenzeitung der Evangelischen Kirche Mitteldeutschlands „Glaube und Heimat“ vom 17. Januar 2021 gefreut. „Pionier eines neuen Missionsverständnisses“ lautet der Titel des Beitrags von Christian Feldmann. „Eigensinnig, fromm und unpraktisch: Arnold Janssen gründete die Steyler Mission und veränderte die Missionarsausbildung nachhaltig“, lesen wir dort. Arnold Janssen, ein bescheidener, aber hochbegabter Priester aus Goch am Niederrhein, der mit seinen bisherigen Tätigkeiten ziemlich unzufrieden war und sich lieber der Wiederannäherung der getrennten Christen widmen und vor allem etwas für die Verbreitung des Evangeliums in Afrika, Asien und Südamerika tun wollte. Er gründete eine Zeitschrift – den Kleinen Herz-Jesu-Boten – wodurch er auch in den Lesern schlummernde Missionsberufe wecken wollte. Allerdings war er sich von Anfang an im Klaren darüber, dass das „Wecken“ von Missionsberufen allein nicht reichte. Eine qualifizierte Spezialausbildung war Voraussetzung für jede Missionsarbeit. Das hielten selbst einige seiner ersten Gefährten für übertrieben: fromme Missionare brauchte man, keine Gelehrten!

Der weitblickende Arnold Janssen wusste die Medien zu nutzen und hatte hohen Respekt vor dem Engagement und Talent von Laien. Steyler Missionare erwarben sich großes Ansehen als Völkerkundler, Sprachwissenschaftler und Sinologen.

Weil man die Frohe Botschaft seiner Ansicht nach nur mit gründlichen Kenntnissen anderer Kulturen, Sprachen und Religionen verkünden konnte, förderte Janssen entsprechende Studien mit Leidenschaft – damals ein Novum unter den missionierenden Orden. Auch der Einsatz von Missionskräften in international zusammengesetzten Teams war ungewöhnlich. „Bevor man von Entwicklungshilfe sprach“, gab der spätere Generalsuperior Heinrich Heekeren zu bedenken, „sah Arnold darauf, dass seine Leute diese in Schulen, Krankenhäusern, Werkstätten und anderen sozialen Projekten leisteten. Er sorgte dabei für kompetente Schwestern und Brüder.“ Inkulturation des Evangeliums in einer fremden Umwelt und interreligiösen Dialog hat Janssen damals schon ganz selbstverständlich und ohne große Programmreden praktiziert.

Wenn wir also in diesem Januar wieder unseren Gründer gefeiert haben, dann haben wir auf sein Herzensanliegen, die weltweite Mission der Kirche geschaut. Auch wenn er selbst Europa nie verlassen hat, ist er doch nur in dieser weltweiten Perspektive zu verstehen – als einer, dem daran gelegen war, Grenzen zu überwinden und Menschen zusammen zu bringen. Und dem widmen wir uns mit verschiedenen Apostolaten auch in unserer deutschen Provinz.

Pater Martin Üffing SVD, Provinzial

Arnoldustag in den Steyler Niederlassungen

Rosen

Missionshaus Sankt Michael in Steyl
In Steyl haben am Festtag Arnold Janssens die Rosen gesprochen - für die Menschen, die gerne an der Feier teilgenommen hätten. Sie haben ihre Gebete zu Hause gesprochen, aber in Verbundenheit mit der Steyler Kommunität, die beim Gottesdienst an seinem Grab alle ins Gebet eingeschlossen hat. In Verbundenheit miteinander und füreinander. Im Gedenken an das Frohe und Freundliche, das in anderen Jahren das Haus erfüllte und hoffentlich bald wieder erfüllen wird.

Vortrag

Missionshaus Sankt Wendel
Eine unbekannte Seite an Arnold Janssen, sein „Herzschlag“. In St. Wendel lenkte P. Josef Alt in seinem Vortrag zum Fest den Blick auf Arnold Janssen als Mensch und als Oberen und zitierte dabei P. Nikolaus Blum aus dessen Tagebuch: „Man sah nur die Härten und nicht das Herz von Arnold Janssen“. Die schwierige Aufgabe, die Herzen der Mitbrüder zu gewinnen und sie dennoch zu führen, bleibt bis heute eine Herausforderung. Denn: „Wer das Herz hat, hat den ganzen Menschen“.

 
Krypta in Sankt Augustin

Missionspriesterseminar Sankt Augustin
In Sankt Augustin wird der 15. Januar als Fest der Begegnung mit Personen aus Politik und Gesellschaft gefeiert, aber in diesem Jahr blieben die Steyler unter sich. Pater Rektor hob in seiner Predigt eine spirituelle Dimension Janssens hervor, die tröstlich ist: “Gott wirkt Heil trotz der Schwachheit und Unzulänglichkeit seiner Diener“. Daran schloss er den Wunsch an: “Mögen wir angesichts der großen Herausforderungen unserer Zeit eine „Spiritualität des Kleinwerdens“ entwickeln, durch Sein Wort, das uns leben lässt”.

Gemeinschaft in Dresden

Selige Märtyrer vom Münchner Platz - Dresden
Wir haben in Dresden den Arnoldustag schön gefeiert. Pater Slawomir Rakus sagte in seier Predigt: „Die Spiritualität des Heiligen Arnold Janssen ist immer noch zeitgemäß. Ein Beweis dafür sind die vielen jungen Menschen, die seine Spiritualität nachleben möchten. Dafür danken wir Gott, dass wir auch auf dem Weg sind, auf dem unser Gründer vor uns gegangen ist“. Die Spiritualität des Heiligen Arnold wird durch die SVD-Gemeinschaft seit 30 Jahren in Dresden gelebt. Das ist schon was Besonderes.