Seelsorgerin im Wendelinusheim

27.04.2021

Sandra Kuhn im Dienst der Altenpastoral

Mein Name ist Sandra Kuhn. Ich stamme aus dem schönen Saarland, bin verheiratet und habe zwei erwachsene Kinder. Seit April 2018 bin ich als Beauftragte zur pastoralen Mitarbeit im Wendelinusheim tätig. Zuvor habe ich in einem Seniorenhaus in der Altenpflege gearbeitet. Für mich war es schon immer ein großes Anliegen, Zeit für den Menschen zu haben, was leider im Pflegeberuf oft zu kurz kommt. 2016/17 habe ich am Projekt des Bistums Trier „Mitarbeiter der Seelsorge in Einrichtungen der Altenhilfe“ teilgenommen. Darum war ich sehr angetan, als Pater Schneider bei meinem Einstellungsgespräch erwähnte, dass man den Mitbrüdern, die ihr Leben lang für andere da waren, nun im Alter etwas Gutes tun wolle.

Füreinander zur Quelle werden
Füreinander zur Quelle werden
Seelsorgerin im Dienst
Seelsorgerin im Dienst
 

Der Leitspruch meiner Ausbildung lautet: „Effata – Öffne dich“ (Mk 7,34). Als ich diese Worte aus dem Markusevangelium auswählte, ahnte ich noch nicht, dass diese prägenden Worte mich zukünftig im Arbeitsalltag so konkret begleiten würden.
Das Konzept der Seelsorge und spirituellen Begleitung im Wendelinusheim hat das Ziel, aus dem Miteinander der Bewohner ein Füreinander im Sinne gegenseitiger Weggefährtschaft, getragen von Achtung und Zuwendung, zu machen: „Miteinander leben - Miteinander beten - Gemeinsam im Glauben reifen.“

Um dies umzusetzen, muss man die Bedürfnisse, Anliegen und Sorgen der betagten Patres und Brüder mit Aufmerksamkeit wahrnehmen. So entstand in den letzten drei Jahren ein Miteinander und Füreinander, das auf Vertrauen und „Begegnung auf Augenhöhe“ gegründet ist.

Gemeinsam mit den Bewohnern habe ich eine Bibelgruppe, eine Gebetsgruppe und eine Gesprächsrunde ins Leben gerufen, in der jeder einfach mal sagen kann, was er so auf dem Herzen hat. Für die Bewohner, die demenziell verändert sind, entwickle ich eine spezielle Gebetsart, in der ihre Sinneswahrnehmung im Vordergrund steht, ganz im Sinne der SVD-Konstitution (414): „Krankheit und Alter dürfen uns nicht daran hindern, unser Leben weiterhin als missionarischen Dienst zu sehen und die Aufgabe wahrzunehmen, die wir im Volke Gottes noch zu erfüllen haben“. In diesem Lebensabschnitt ist das Gebet dann die missionarische Aufgabe.

Gemeinschaft erleben
Gemeinschaft erleben
Bibel teilen
Bibel teilen
 

Nicht zu vergessen sind auch die schönen Thementage, durch die die Patres und Brüder noch einmal eine Reise in die Vergangenheit ihrer Missionsarbeit erleben dürfen. Dabei werden Filme gezeigt oder kleine Vorträge von Mitbrüdern über ihre Mission gehalten.

Auch das Kirchenjahr prägt meine Arbeit: thematische Andachten und Rosenkränze nehmen einen festen Platz ein. Liturgische Feste und Rituale sind wie ein roter Faden und werden von Symbolen auf den Stationen des Wendelinusheimes widergespiegelt.

Die Einzelbegleitung (das Seelsorgegespräch) ist mir ein großes Anliegen. Es nimmt immer mehr Raum und Bedeutung in meiner Arbeit ein und ist gegründet auf einfachem Zuhören und auf Regelmäßigkeit. So entsteht Vertrauen und die Bewohner signalisieren mir, was sie bewegt, belastet oder auch, was sie sich wünschen.

Mein Aufgabenbereich wächst von Tag zu Tag stetig an, hinzu kamen beispielsweise die Betreuung der neuen Bewohner, damit diese sich beim Einzug in ihrem neuen Zuhause wohlfühlen können und die Organisation der Hausführung, die von Pater Preun und Pater Schlake durchgeführt wird.

Erntedankfest
Erntedankfest
Salz der Erde
Salz der Erde
 

Ich überbringe im Namen des gesamten Teams des Wendelinusheimes persönliche Glückwünsche an Geburtstagen und Namenstagen und bereite gemeinsam mit einem Mitbruder die Glückwünsche und Geschenke für die Jubilare bei Ordens - und Priesterjubiläen vor.

Bei all dem wird mir immer wieder bewusst, dass meine Arbeit auf ein Miteinander und Füreinander gebaut ist und nur dadurch Früchte trägt. Besonders in der schweren Zeit der Coronapandemie wurde mir deutlich, wie wichtig es doch ist, füreinander da zu sein, sich zuzuhören und gemeinsam im Vertrauen auf Gott zu bauen, dessen Nähe wir besonders in menschlichen Begegnungen spüren.

Dafür bin ich dankbar und freue mich, mir jeden Tag aufs Neue den Leitspruch meiner Ausbildung „Effata - öffne dich“ in Erinnerung zu rufen und offen und achtsam durch schöne und auch schwere Tage miteinander zu gehen.

Letztlich orientiert sich meine Arbeit auch daran, die Patres und Brüder zu unterstützen, ihrer Berufung als Ordensleute und Missionare auch im Alter und in Krankheit treu zu bleiben, gemäß den Konstitutionen: 307,1 In rechter Weise älter zu werden, will gelernt sein. Dazu gehört auch, Arbeiten und Aufgaben zu übernehmen, die dem Alter und den Fähigkeiten angepasst sind. 307,2 Jede Provinz oder mehrere Provinzen zusammen erstellen ein Programm für die alten und für die pflegebedürftigen Mitbrüder.

Zum Schluss möchte ich noch eine kleine Geschichte aus meinem Arbeitsalltag erzählen: Ein ehrenamtlicher Mitarbeiter sagte mal zu mir: “ Weißt du Sandra, wer diesen Geist der Steyler und des Missionshauses einmal gespürt hat, der kommt davon nicht mehr los“. Genau das kann ich auch von mir sagen und bin offen, mich von diesem „Guten Geist des Hauses“ führen und leiten zu lassen.

Text und Fotos: Sandra Kuhn