Mit einem Kuss ins Unbekannte aufbrechen

22.05.2013

St. Gabriel, Maria Enzersdorf / Österreich - Beim 30. Pfingstfest der Jugend in St. Gabriel wurden fünf junge Frauen als Missionarinnen auf Zeit (MaZ) in Projekte der Steyler Missionsschwestern entsandt.

„Brecht mit einem Kuss in eine neue und unbekannte Welt auf!“ Diesen Wunsch gab Pater Severin Korsin beim Abschlussgottesdienst des 30. St. Gabrieler Pfingstfestes allen Anwesenden und besonders fünf jungen Frauen mit auf den Weg, die als Missionarinnen auf Zeit in drei Kontinente aufbrechen werden. Julia Moosbrugger aus Wolfurt (Vorarlberg) geht nach Aulia (Indien), Patrizia DeNardin aus St. Gallen (Schweiz) nach Ibarra (Ekuador), Katrin Reichmann aus Feldbach (Steiermark) nach Atakpamé (Togo), Katharina Mayrhofer aus Wien nach Resistencia (Argentinien) und Veronika Stadlbacher aus Eibesthal (Niederösterreich) nach Posadas (Argentinien). In kreativer Weise drückten sie in der Feier aus, mit welchen Haltungen sie auf Einsatz gehen. Wörter wie „Toleranz“, „Mut“ und „Offenheit“ erhielten die Erlaubnis mitzukommen und wurden zeichenhaft an eine Weltkarte am Altar geheftet. „Besserwisserei“ und „Vorurteile“ wurden zurückgewiesen, die Zettel wurden zerknüllt. Die fünf jungen Frauen bekamen ein Sendungskreuz überreicht und beteten, unterstützt von vielen jungen Erwachsenen, die schon vor ihnen einen solchen Einsatz gemacht hatten, um die Führung durch Gottes Geist.


Im Rahmen des Gottesdienstes wurde auch Alois Bischofberger bedankt, der die letzten Jahre den Freiwilligendienst „Missionar auf Zeit“ der Steyler Missionare koordiniert hat. Er selbst war MaZ in Brasilien gewesen und konnte so seine persönliche Erfahrung sowie viel Engagement und Kompetenz in die Begleitung der MaZ einbringen. Im Laufe des Jahres wird er die Verantwortung an P. Severin Korsin übergeben.

Eine andere Form von Übergabe fand am Ende des Pfingstfestes im Garten des Missionshauses statt. Auf einer Leinwand hatten die 120 Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Festes ein „Danke für 30 Jahre Pfingstfest in St. Gabriel“ in vielen bunten Farben und Symbolen gestaltet. „Danke für die Offenheit der Gemeinschaft, für die Gastfreundschaft, für den Raum für die Jugend!“ Mit diesen Worten übergab Resi Lengheimer, Mitglied des Kernteams des Weltdorfs St. Gabriel, das originelle Gemälde an einen sichtbar gerührten P. Rektor Elmar Pitterle. Dieser sicherte von Seiten der Steyler Missionare weitere Unterstützung für die Jugendarbeit zu.

Das Pfingstfest 2013 wurde durch vielfältige Unterstützungen ermöglicht. Fast 30 ehrenamtliche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen leiteten Workshops, bereiteten die Liturgie vor und kümmerten sich um Essen, Trinken und Sauberkeit. Für Letzteres war extra der Provinzial der Schweizer Provinz der Steyler Missionare, Pater Stephan Dähler, angereist. Das Aufstellen und Wegräumen der Tische und Bänke für das Gartenfest besorgte erstmals die Pfadfindergruppe Südstadt, die zusätzlich auch beim Ausschank half. Für die Tontechnik bei den Eucharistiefeiern in der Kirche sorgte Herr Ludwig Marvan aus Münchendorf. Auch ohne den Einsatz vieler Mitbrüder und Angestellte des Missionshauses wäre das Fest nicht möglich gewesen. Ihnen allen wurde vom Weltdorfpfarrer Pater Franz Helm herzlich gedankt.

Franz Helm moderierte am Sonntagabend das ausgelassene Gartenfest, nachdem er zuvor den Festgottesdienst geleitete hatte. Der Gottesdienst begann damit, dass der Altarraum der Kirche mit Baustellensicherheitsmarkierungen abgesperrt war. So begann die Feier im Langschiff in den Kirchenbänken. „Wir lassen uns nicht aussperren von den Baustellen in der Kirche und in der Welt!“ Mit dieser Überzeugung rissen der Zelebrant und die ganze Gottesdienstgemeinde die Absperrung nieder und räumten die Hindernisse aus dem Weg. In seiner Predigt wies der Weltdorfpfarrer auf das tragende Fundament des Lebens hin: von Gott geliebt zu sein. In diesem Bewusstsein könne jeder und jede eine Säule sein für die Welt, die Gott erträumte, als er den Kosmos schuf. Mit seinen persönlichen Begabungen sei jeder Mensch berufen, am Reich Gottes mit zu bauen. „Fürchtet euch nicht“, stand auf dem T-Shirt des Zelebranten, das er über der Albe trug. Die Säulen, die wir selber sind, können sich verbinden. Miteinander bilden wir das Tor zur einer anderen Welt, die möglich ist. Im Anschluss an die Predigt schritten alle durch dieses Tor und nahmen im Altarraum Platz.

Zum Schluss der Messe erinnerte Franz Helm daran, dass zu Beginn der Pfingstfeste vor 30 Jahren manche Steyler Missionare mit Skepsis und Unsicherheit reagierten. Auch heute gibt es Unsicherheit: Wie wird die Zukunft des Pfingstfestes sein, inmitten vieler Umstrukturierungen in St. Gabriel? Wird es dafür noch genug Raum und Ressourcen geben? Letztlich gehe es immer neu um einen Aufbruch, der mit Gefahren verbunden sei, aber auch mit einer Verheißung, die Gott schenkt. Entscheidend ist, stets neu Schritte zu setzen, die aufbrechen lassen in die Zukunft hinein, die Gott verheißen hat.

Franz Helm SVD