Moses war auch ein Fluchthelfer

27.04.2014

Maria Enzersdorf / Österreich - Die fünfte "Romaria - Wallfahrt in Solidarität mit Flüchtlingen" richtet einen Appell an Ministerien und Medienvertreter, Fluchthelfer nicht zu kriminalisieren.

Am 26. April 2014 fand die fünfte Romaria – Wallfahrt in Solidarität mit Flüchtlingen statt. Diese besondere Wallfahrt ist inspiriert von der „Romaria da Terra“ in Brasilien, bei der Landbesetzungen das Ziel von Wallfahrten sind. Einerseits geht es darum, die Gegenwart Gottes dort zu entdecken, wo Menschen nach Leben und Zukunft suchen. Andererseits wird ein öffentlichkeitswirksames Zeichen der Solidarität mit Flüchtlingen gesetzt. Nicht zuletzt sollen dadurch auch politische Kräfte gestärkt und vernetzt werden, die sich für die Rechte von Menschen auf der Flucht einsetzen.


Aufgrund der aktuell unterbrochenen Gerichtsverhandlungen in Wiener Neustadt gegen sogenannte „Schlepper“, unter ihnen vier „Votivkirchen-Flüchtlinge“, wurde besonders auf das Thema der Fluchthilfe hingewiesen. Michael Genner von „Asyl in Not“ sprach im Sozialzentrum Zirkelweg der Pfarre Schwechat über die Kriminalisierung von Fluchthilfe, die in krassem Gegensatz dazu steht, dass Flüchtlinge kompetente Hilfe brauchen. Statt auf Unterstützung in der Not treffen sie auf grenzsichernde Abwehrmaßnahmen. Um diese zu überwinden, sind sie auf sogenannte "Schlepper" angewiesen. Bei der "Romaria" wurden daher Unterschriften für einen Appell gesammelt, der das Innenministerium, das Justizministerium und die Medien zu einem differenzierten Umgang mit der Thematik der Fluchthilfe aufruft und sich für die Solidarität mit Menschen in Not stark macht.


Die Fußwallfahrt startete um 8:15 bei der Pfarrkirche Schwechat. Sie führte bei strömendem Regen vom Flüchtlingsheim „Zirkelweg“ der Pfarre Schwechat über die Wohngemeinschaft Abraham des Don Bosco Flüchtlingswerks in Inzersdorf-Neustift zum Haus St. Gabriel der Caritas Flüchtlingshilfe in Maria Enzersdorf. Auf den fast 24 km Fußmarsch und während der zahlreichen Stationen und Pausen boten sich den 70 wetterfesten TeilnehmerInnen viele Gelegenheiten, mit solidarischen Menschen und Vertretern von Institutionen, die im Flüchtlingsbereich arbeiten, ins Gespräch zu kommen. Auch Flüchtlinge, die manchmal schon jahrelang auf einen behördlichen Bescheid für ihr Ansuchen um Asyl warten, gingen mit. So kam es zur Begegnung mit direkt Betroffenen. Besonders bewegend war eine Station, bei der das konkreten Schicksal eines Schubhäftlings geschildert wurde, sowie die Station am Islamischen Friedhof, wo Ramadan Demir vom Islamischen Jugendrat daran erinnerte, dass sowohl Moses, als auch Jesus und Mohammed Flüchtlingsschicksale erlitten. Mose war sogar ein Fluchthelfer. Ohne ihn hätte es die Geschichte der Befreiung des Volkes Israel aus der Sklaverei in Ägypten nicht gegeben.


Bei der Mittagsrast im Pfarrsaal in Inzersdorf-Neustift schilderte der Salesianer Pater Alois Shagy Kindheitserinnerungen an seine Vertreibung aus der Slowakei, nach dem Zweiten Weltkrieg. So wie er haben manche ÖsterreicherInnen ein ähnliches Schicksal erfahren wie die Flüchtlinge, die heute aus Afrika oder Asien nach Europa kommen. Bei einer weiteren Station, einem „Opfergedenken“, wurde der vielen toten Flüchtlinge an den EU-Außengrenzen gedacht. Schnittblumen symbolisierten diese Menschen, die von ihrem Heimatland und vom Leben abgeschnitten wurden. Über die Opfer beim Schiffsunglück „Costa Concordia“ war wochenlang in den Medien zu lesen. Hunderte tote Flüchtlinge waren keine Nachricht wert.


Die Wallfahrt endete um 19:30 mit einem Politischen Abendgebet in der Hl. Geist Kirche des Missionshauses St. Gabriel in Maria Enzersdorf, dem der Wiener Weihbischof Franz Scharl und der Evangelische Superintendent für Niederösterreich Paul Weiland vorstanden. Die TeilnehmerInnen meditierten über den Boden, der sie trägt, und über das Schicksal von Menschen, die durch Vertreibung oder Flucht den Boden unter den Füßen verlieren. Superintendent Weiland erinnerte in seiner Predigt daran, dass die Option für die Armen eine wesentliche Dimension des Christseins und ein Imperativ für ein solidarisches Handeln Flüchtlingen gegenüber ist. Eine Kriminalisierung von Fluchthilfe sei entschieden abzulehnen. Die TeilnehmerInnen der Romaria beteten anschließend darum, dass konkret gelebte Solidarität mit Flüchtlingen dazu führen möge, dass diese Menschen wieder den lebensnotwendigen Boden unter die Füße bekommen. Ein Säckchen Blumenerde, das alle mit auf den Heimweg mit bekamen, soll daran erinnern, dass ein persönlicher Beitrag dazu gefragt ist.


Die "Romaria – Wallfahrt in Solidarität mit Flüchtlingen" wird vom Don Bosco Flüchtlingswerk Austria, der Pfarre Schwechat und dem Weltdorf St. Gabriel der Steyler Missionare veranstaltet und von vielen Organisationen wie Ordensgemeinschaften, NGOs und kirchlichen und gesellschaftlichen Bewegungen unterstützt. Voraussichtlich wird die nächste „Romaria“ am Samstag den 25. April 2015 stattfinden. Jetzt schon eine herzliche Einladung dazu!

Franz Helm SVD