Der Lebensbeweis

31.10.2009

Papua Neuguinea - Missionare erleben in ihrer Arbeit (auch) viel Heiteres, Überraschendes und Tröstliches. In eine solche Situation verwickelt war kürzlich der Schweizer Steyler Missionar Bruder Tony Hollenstein in Papua-Neuguinea.

"Schuld" war die schweizerische Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV). Bruder Tony Hollenstein musste der Versicherung zum zweiten Mal beweisen, dass er noch lebt. Gefragt war also ein schriftlicher Lebensbeweis. Wie beim ersten Mal ging der 70-Jährige ins Gerichtshaus, um die verlangten Papiere abstempeln zu lassen. "Wir sind nicht zuständig", sagten ihm zwei Angestellte und schickten ihn weiter zur Geburtsregistratur. Hier empfing ihn ein sehr freundlicher, älterer Herr, der gleich anmerkte, dass er zwar seinen 65. Geburtstag gefeiert habe aber trotzdem immer noch im Amt sei. Er führte Tony Hollenstein in ein vornehmes Büro.  

"Ich finde es sehr lustig, dass ich einer Schweizer Behörde beweisen muss, dass Sie noch am Leben sind", sagte der Beamte. Und - etwas ungläubig: "Sind Sie wirklich Schweizer Bürger?" Immerhin, so der Mann, lebe und arbeite er ja schon über 40 Jahre in Papua-Neuguinea. Obwohl vom "Ja" des St. Gallers nicht ganz überzeugt, war er letztlich bereit, Stempel und Unterschrift unter die Bestätigung zu setzen. Sozusagen als Zugabe gab's für den Schweizer unter dem Motto "Gesegnet seiest du als Mann Gottes und Tempel des heiligen Geistes" noch eine kleine Predigt. Und nicht genug: Bei der Verabschiedung überreichte der "spezielle" Beamte dem Steyler Missionar zusätzlich eine Spende von umgerechnet zehn Franken. Viel Geld in Papua-Neuguinea. Tony Hollenstein hatte einen frommen Mann getroffen. Sein Kommentar: "So etwas ist nur 'im Land des total Unerwarteten' möglich. Eigentlich hätte ich ja eine Gebühr bezahlen müssen."

Xaver Schorno