Harmonisch und berührend

25.07.2012

Steinhausen / Schweiz - Am 15. Juli ging das vierwöchige Generalkapitel der Steyler Missionare in Nemi bei Rom zu Ende. Ein Rückblick mit Pater Hans Weibel, Provinzial der Steyler Missionare in der Schweiz.

Pater Weibel, was hat Sie am 17. Generalkapitel am meisten beeindruckt?

Pater Hans Weibel: Der rund einstündige Papstbesuch war natürlich ein Höhepunkt. Schon Tage vorher war die Spannung gross – kommt er, kommt er nicht? Er kam. Es gab zwar das Protokoll, gleichzeitig zeigte sich Papst Benedikt XVI aber von einer sehr persönlichen Seite. Ich denke da vor allem an die vom Augenblick geprägte Ansprache sowie den spontanen Spaziergang im Park des Hauses mit unseren Oberen. Ebenfalls beeindruckt und berührt hat mich der erste Auftritt unseres neu gewählten Generalsuperiors Pater Heinz Kulüke. Als er sich nach der Wahl vor seinen Mitbrüdern niederkniete und um ihr Gebet und ihre Unterstützung bat, schlug das Herz merklich stärker. Es war ein sehr emotionales und harmonisches Generalkapitel.

 

Ein wichtiges Thema war die Interkulturalität. Hat sich dieser Weg, den die Steyler Missionare in den letzten Jahren gegangen sind, bewährt?

Absolut! Die an den beiden letzten Kapiteln von 2006 und 2000 erarbeitete Theorie ist inzwischen in der Praxis angelangt. Viele Wünsche sind in Erfüllung gegangen. Es ist zur Selbstverständlichkeit geworden, dass die Gemeinschaften der Steyler Missionare multikulturell zusammengesetzt sind. In der Schweiz zum Beispiel leben und arbeiten Missionare aus Indonesien, den Philippinen und aus Benin eng mit ihren Schweizer Mitbrüdern zusammen. Diese positive Entwicklung zeigte sich auch in Nemi. Die Diskussionen im Plenum, aber auch in den Kleingruppen waren geprägt von gegenseitigem Respekt und Wohlwollen.

 

Welches waren die weiteren Schwerpunkte?

Die Wahlen. Ein Prozess, der eine gute Woche dauerte. Dann die Ausarbeitung des Aktionsplanes, der die Richtlinien für die nächsten sechs Jahre vorgibt. Die verschiedenen Geschäftsberichte des Generalats, ein Tag mit  Laienmitarbeitern sowie das sogenannte Familientreffen mit der Leitung der Steyler Missionsschwestern rundeten das straffe Arbeitsprogramm ab.

 

Können Sie schon etwas zum Aktionsplan sagen?

Wenig, er wird momentan übersetzt und liegt im September vor. Die 52 Provinzen entscheiden dann in ihren Gemeinschaften, wo sie die Prioritäten setzen wollen.

 

Die Wahlen waren im Vorfeld des Kapitels mit viel Spannung erwartet worden. Gab es Überraschungen?

Nein. Pater Heinz Kulüke, ein deutscher Mitbruder, der in den letzten Jahren mit viel Engagement auf den Philippinen tätig war, wurde bereits im Vorfeld als möglicher Kandidat gehandelt. Er bringt alle Voraussetzung für dieses Amt mit – nämlich: Tiefer Glaube und echte Spiritualität, Führungsqualitäten, Teamfähigkeit, interkulturelle Erfahrung, Kommunikationsbewusstsein und Leidenschaft für das Wort. Das gilt auch für die drei bestätigten und die drei neu gewählten Räte.

 

Und hier kommt auch die Schweiz ins Spiel…   

Richtig. Mit Pater Paulus Budi Kleden aus Indonesien ist ein Mitbruder in den Rat gewählt worden, der seine ersten Priesterjahre im Missionshaus Maria Hilf in Steinhausen verbracht hat. Von 1993 bis 1996 arbeitete er als Kaplan im aargauischen Auw.

 

In Nemi nahmen erstmals auch Laien am Generalkapitel teil. Eine Alibiübung oder mehr?

Bestimmt keine Alibiübung. Die  Zusammenarbeit mit Laien hat in unserer Ordensgemeinschaft Tradition. Sie geht auf die Zeit unseres Gründers zurück, war also schon Ende des 19. Jahrhunderts ein Thema. Es ist für uns uneingeschränkt wichtig, mit Laien auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten. Sie sollen in unsere Gemeinschaft integriert sein, nicht am Rande oder in einer Parallelorganisation mitlaufen. Dies wurde am Generalkapitel ausdrücklich betont. Übrigens, in der Schweiz sind Laien seit 2011 auch in der Provinzversammlung zugelassen.

 

Die Kirche steckt immer noch in der Missbrauchs-Krise. War das auch ein Diskussionspunkt?

Ja, und ein schwieriger dazu. Die Kapitulare waren sich einig: Anschuldigungen von Steyler Missionaren wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern müssen sofort abgeklärt werden. Das Problem aufzuschieben, einen beschuldigten Mitbruder in seine Heimat- oder in eine andere Provinz zu versetzen, ist inakzeptabel. Alle relevanten Sachverhalte sind zusammenzutragen und an die Oberen der betreffenden Provinzen weiterzuleiten. Korrekte Verfahren müssen eingehalten werden gemäss den Gesetzen des Landes, in welchem die vermutete Straftat begangen wurde.

 

Die Steyler Missionare haben im Moment 6015 Mitglieder. Vor allem im westlichen Europa ist der Nachwuchsmangel gross. Wie sieht es auf den anderen Kontinenten aus?

Die Zahl 6000 blieb in den letzten zehn Jahren stabil. Die rückläufige Anzahl Mitglieder in Europa wird durch die zahlreichen Neueintritte in Afrika kompensiert. In Lateinamerika und Asien stagnieren die Mitgliederzahlen.

 

Wenn wir schon bei den Zahlen sind. Auch in Nemi gab es eine statistische Auswertung…Können Sie unseren Leserinnen und Lesern einige Zahlen nennen?

Ich versuche es. Rund 150 Teilnehmer standen in den vergangenen vier Wochen im ordenseigenen Bildungshaus Ad Gentes im Einsatz. Davon waren 118 wahlberechtigt. Die grössten Delegationen stellten Indien mit 21, Indonesien mit 13 und die Philippinen mit 12 Teilnehmern. Der älteste Kapitular war 83, der jüngste 38 Jahre alt. Das Durchschnittsalter betrug 53, 3 Jahre. Die ganze Organisation lag in den Händen von 19 Mitbrüdern.

 

Sie schauen optimistisch in die Zukunft…?

Ja. Definitiv. Das Generalkapitel hat mir viel Hoffnung und Zuversicht mitgegeben.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

Xaver Schorno
Gruppenbild mit Papst Benedikt XVI    Bilder José Carlos Irisarri 
Gruppenbild mit Papst Benedikt XVI Bilder José Carlos Irisarri
 
Die Delegation der Europa-Zone...Pater Hans Weibel (dritte Reihe, zweiter von links) 
Die Delegation der Europa-Zone...Pater Hans Weibel (dritte Reihe, zweiter von links)
Pater Hans Weibel (rechts) überreicht im Namen der Europa-Zone dem scheidenden Vizegeneralsuperior Pater Konrad Keler (links) einen Blumenstrauss 
Pater Hans Weibel (rechts) überreicht im Namen der Europa-Zone dem scheidenden Vizegeneralsuperior Pater Konrad Keler (links) einen Blumenstrauss
Die Laienvertreterin Leticia Meneses aus Mexiko hat das Wort 
Die Laienvertreterin Leticia Meneses aus Mexiko hat das Wort
Pater Heinz Kulüke, Generalsuperior 
Pater Heinz Kulüke, Generalsuperior
Emotionen 
Emotionen
Interkulturalität 1 
Interkulturalität 1
Interkulturalität 2 
Interkulturalität 2
Wahl in den Generalrat - Gratulation und Beifall für Pater Paulus Budi Kleden (in der Mitte) 
Wahl in den Generalrat - Gratulation und Beifall für Pater Paulus Budi Kleden (in der Mitte)
Der optimistische Blick in die Zukunft 
Der optimistische Blick in die Zukunft
Verdienter Ausgang 
Verdienter Ausgang
Die Chefs (v.l.n.r.): Pater Antonio Pernia (2000-2012), Pater Heinz Kulüke (2012-), Pater Heinrich Barlage (1988-2000). Im Hintergrund Pater Arnold Janssen, der Gründer der Steyler Missionare  
Die Chefs (v.l.n.r.): Pater Antonio Pernia (2000-2012), Pater Heinz Kulüke (2012-), Pater Heinrich Barlage (1988-2000). Im Hintergrund Pater Arnold Janssen, der Gründer der Steyler Missionare