Schweizer Provinz beschliesst Fusion

26.03.2015

Das Provinzkapitel der Schweizer Steyler Missionare sagt Ja zum gemeinsamen Weg mit der österreichischen Provinz. Geplanter Start: 1. Mai 2016.

Zufriedene Gesichter am 23. März in der Marienburg in Thal. Die 17 Kapitulare haben mit 13 Ja-Stimmen (vier Enthaltungen) der Fusion der beiden Provinzen zugestimmt. Für Pater Stephan Dähler, Provinzial der Steyler Missionare in der Schweiz, ist es ein historischer, wichtiger Entscheid. „Die Fusion wird nicht alle Probleme lösen, sie wird uns aber mit Sicherheit neue Perspektiven eröffnen.“ Ähnlich sieht es der österreichische Provinzial Pater Josef Denkmayr, der am Kapitel als Gast mit dabei war. „Wir haben mit der Schweiz nicht fusioniert, weil wir müssen, sondern weil wir es eine sinnvolle Idee, ein zukunftsträchtiges Projekt finden.“ Das Kapitel in Österreich gab für den gemeinsamen Weg bereits am 11. Februar grünes Licht.


Klein, aber fein: Das Kapitel der Steyler Missionare in der Schweiz     Bilder Xaver Schorno 
Klein, aber fein: Das Kapitel der Steyler Missionare in der Schweiz Bilder Xaver Schorno

Eckdaten als Richtschnur 

Nachdem das Thema „Fusion“ bereits an der diesjährigen Provinzversammlung im Januar ausgiebig diskutiert und in einer Konsultativabstimmung deutlich befürwortet worden war (siehe Bericht auf unserer Homepage vom 8. Januar), hielt sich die Diskussionsbereitschaft in Grenzen. Gesprochen wurde vor allem über die sogenannten Eckdaten, die von Pater Albin Strassmann in einem Antrag formuliert worden sind. Sie sollen den beiden Provinzräten als Richtschnur bei den Vorbereitungen zur Fusion dienen, aber auch dem neuen Rat Leitplanken setzen. Die wichtigsten Punkte des von den Kapitularen mit 16 Ja-Stimmen (1 Enthaltung) befürworteten Antrages waren: Selbständigkeit, Subsidiarität, Finanzen und Strukturen. 

Betont wurde immer wieder, dass man auch Vertrauen in den neuen Rat setzen müsse. Man könne nicht alle Details schon vor der Fusion lösen. Dazu brauche es Entwicklungszeit. Breite Zustimmung fand das Votum von Bruder Franz Schurtenberger: „Wir müssen lernen, in grösseren Einheiten zu denken.“ Zum Stichwort „Verlustängste“ meinte Pater Josef Denkmayr: „Etwas, das heute in den zwei Provinzen funktioniert, wird auch nicht einfach über Bord geworfen. Wir wären ja dumm…!“ Die persönliche Anwesenheit von Pater Josef erleichterte vieles. Verschiedene offene Fragen, Sorgen und Ängste konnten von ihm direkt beantwortet, geklärt oder mindestens relativiert werden.

Pater Stephan Dähler (links) und Pater Josef Denkmayr: Zwei Provinziale im Fusionsfieber  
Pater Stephan Dähler (links) und Pater Josef Denkmayr: Zwei Provinziale im Fusionsfieber

Generalat hat das letzte Wort

Einigkeit herrschte auch in Bezug auf das favorisierte Minoriten-Modell. Dieses sieht eine gemeinsame, ordensrechtlich verbindliche Leitung für die beiden Provinzen vor. Die zwei Provinzen selber unterstehen - wie bisher - dem jeweiligen staatlichen Recht. Eine gewisse Selbständigkeit bleibt also erhalten. Dieses Modell ermögliche, so Pater Stephan, die Grenzen und Möglichkeiten des Zusammenwachsens kontinuierlich zu klären. Bevor die beiden Provinzen mit der Fusionsarbeit beginnen können, muss das Generalat in Rom die Vereinigung noch definitiv absegnen. 

Zwei weitere Anträge von Pater Albin hiessen die Kapitulare ebenfalls gut: Die Erhaltung und Selbständigkeit des Verlages in der Schweiz sowie den Wunsch nach einer spirituelle Begleitung des Fusionsprozesses. 


Neuer Wahlmodus

Die vom Provinzrat beantragte Änderung des Schweizer Wahlmodus erhielt einhellige Zustimmung. Bisher wählte die Schweizer Provinz nach Wahlmodus I-B: Direktwahl mit Kandidatenliste (ist aufgrund der neuen Grösse der Verwaltungseinheit mit über 120 Patres und Brüdern künftig nicht mehr möglich). Neu wird, die Zustimmung des Generalates vorausgesetzt, Wahlmodus III-A (wie bereits in Österreich) gelten: Provinzobere und ihre Räte werden vom Generalsuperior auf der Basis der unterzeichneten Informativvoten der Mitbrüder ernannt. 

„Nichteintreten“ beschloss das Kapitel beim Antrag der Gemeinschaft des Foyers St. Arnold in Rosny-sous-Bois nahe bei Paris (gehört zur Schweizer Provinz). Der Präses, Pater Richard Konieczny, gab zu Beginn der Diskussion bekannt, dass der vorliegende Antrag inzwischen überholt sei. In einem kürzlichen internen Treffen habe man sich darauf geeinigt, die Position „Paris“ zu stärken und Spezialausbildungen im Bereich der SVD-Dimensionen in den Vordergrund zu stellen. Die Errichtung einer neuen Gemeinschaft in Frankreich zu prüfen und voranzutreiben, wie im Antrag formuliert, habe im Moment keine Priorität mehr.

Ausser den erwähnten sechs Anträgen lagen dem Provinzkapitel zehn Abteilungsberichte schriftlich vor. Im Zusammenhang mit diesen Berichten kam es zu einer grundsätzlichen Diskussion zum Thema „Leitbild und Prioritäten“. Fazit des Provinzials: „Auch wenn das Thema im Moment nicht zuoberst auf der Prioritätenliste steht, wir müssen dranbleiben, unsere Aufgaben zweifellos noch konkreter ausformulieren, für alle fassbar machen.“ Eine Aufgabe, die erfahrungsgemäss nur in kleinen Schritten zu bewältigen sei. Pater Stephan bat um Geduld.

Gemeinsames Mittagessen mit den Steyler Missionsschwestern 
Gemeinsames Mittagessen mit den Steyler Missionsschwestern
"Das Kapitel" ist für die Steyler Missionare auch ein Festtag 
"Das Kapitel" ist für die Steyler Missionare auch ein Festtag
 

Alp Surnegn ist verkauft 

Unter „Varia“ konnte der Provinzial den definitiven Verkauf der Alp Surnegn bekanntgeben. Verkaufspreis: 412 000 Franken. Der Käufer will die Alp weiterhin für soziale Zwecke nutzen.

Neben den 17 Kapitularen nahmen weitere zehn Patres und Brüder sowie Schwester Nicola Kaiser, Leiterin der Steyler Missionarinnen in der Schweiz, am Kapitel teil. Als Gast geladen war Felix Bischofberger, Präsident des Vereins der Freunde der Steyler Missionare. Er orientierte kurz über den Neustart des Vereins. Dieser sei über Erwarten gut gelungen. Die Mitglieder hielten den Steylern auch finanziell die Treue. Und: Für die Reise nach Steyl im Juni hätten sich 38 Leute angemeldet. Das letzte Gästewort hatte Pater Josef Denkmayr. Er zeigte sich beeindruckt von der „ehrlichen und offenen Auseinandersetzung“ rund um das Thema „Fusion“. „Es war eine Entscheidung für etwas Gemeinsames, für eine wohlwollende Zusammenarbeit. Es war kein Müssen.“

Eine gemeinsame Eucharistiefeier, geleitet von Pater Stephan Dähler und musikalisch umrahmt von der legendären Hausmusikband um Pater Albert Nampara, sowie ein feines Mittagessen - zusammen mit den Steyler Missionsschwestern - gaben dem Provinzkapitel Kitt und rundeten es optimal ab.


Xaver Schorno