Die Martyrer-Kapelle von Wewak

16.05.2006

Wewak/ Papua Neuguinea - Im Stil eines traditionellen Geisterhauses errichtet mit prachtvollen Schnitzereien und farbenfrohen Masken

Seit den Anfängen vor fast einhundert Jahren hat die Kirche von Wewak an der Nordküste von Papua-Neuguinea Katechisten und andere Helfer, die zum Dienst in der Kirche bereit waren, ausgebildet, um die Missionare in ihrer seelsorglichen Tätigkeit zu unterstützen. Die Katechisten lebten in den weit verstreuten und oft unzugänglich gelegenen Dörfern, lehrten die Kinder Lesen, Schreiben und Rechnen, leiteten Gottesdienste und Gebetsversammlungen, bereiteten Kinder und Erwachsene auf den Empfang der Sakramente vor und mussten sich oft lange Zeit allein um ihre Gemeinden kümmern, bis ihr Missionar wieder einmal vorbeikommen konnte.

Die Kirche war noch jung damals, sie war arm und hatte viel zu wenig Personal. Die Katechistenschule wanderte im Lauf der Jahre von einem Ort zum anderen. Wo immer es einen Missionar oder zwei gab, die neben ihren unzähligen anderen Verpflichtungen Zeit erübrigen konnten, um Unterricht zu geben, wurden ein paar Hütten gebaut - und fertig war die Schule. Zwei Weltkriege richteten furchtbare Zerstörungen in der Mission an, doch sobald sie vorbei waren, begann sofort wieder die Ausbildung von Katechisten.

Als Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts Papua-Neuguinea sich auf die Unabhängigkeit vorbereitete, konnte endlich auch ein anderer lang gehegter Plan verwirklicht werden, nämlich die Errichtung eines dauerhaften Ausbildungszentrums für die Katechisten der Diözese am Stadtrand von Wewak. Das Pastoralzentrum von Tangugo wurde 1976 eröffnet. Klassenzimmer, eine Kantine, ein Wohnheim, Häuser für das Personal, alles schön und solide gebaut - eine prächtige Lage auf trockengelegtem Sumpfgelände.

Allerdings reichte am Ende das Geld nicht mehr, um auch noch eine Kapelle zu bauen, daher wurden fast 20 Jahre lang Gebete und Gottesdienste in einem der Klassenräume abgehalten. Eine ganze Reihe von aufeinander folgenden Direktoren machte Pläne, legte hier ein paar Kina zurück und sparte dort ein paar ein - bis schließlich am 17. März 1993 eine einfache, aber ansprechend gestaltete Kapelle eingeweiht werden konnte, auf den Tag genau 50 Jahre, nachdem der erste Bischof von Wewak, Msgr. Josef Lörks SVD, zusammen mit 39 Steyler Patres, Brüder und Schwestern auf dem japanischen Zerstörer Akikaze ermordet worden war. Außer dieser Gruppe kamen im Krieg noch weitere 10 Steyler aus der Wewak-Mission ums Leben. Dem Andenken dieser Martyrer war die neue Kapelle gewidmet, gleichzeitig wurde bei der Einweihungszeremonie all der Katechisten gedacht, die - meist für wenig Lohn und Dank - mit ihnen zusammengearbeitet hatten, um in unserer Diözese Wewak die Kirche aufzubauen.

Die Kapelle von Tangugo ist sechseckig, an drei Seiten offen und mit Holzschindeln gedeckt. Die Pfosten, die die offene Dachkonstruktion tragen, sind prachtvoll geschnitzt und stellen Mythen aus der Sepik-Region dar. Eine farbenprächtige Leiste mit Masken, wie sie sich in den traditionellen „Geisterhäusern" des Maprik-Gebiets finden, schließt die Wand des Altarraumes ab - sollen sie vielleicht eine Abteilung der himmlischen Chöre vor dem Thron Gottes darstellen? -, während der Tabernakel in einem kleinen "Geisterhaus" wohnt, dessen Giebel mit Reihen lächelnder Engel geschmückt ist. Die Abendmahlsdarstellung am Altar und das Marienbild sind im Stil der kunstvoll geschnitzten "Storyboards" (Bildtafeln) gestaltet, für die die Kambot vom Keram, einem wichtigen Nebenfluss des Sepik, weit über die Grenzen von Neuguinea hinaus berühmt sind. Das Bibelpult ist eine Schnitzerei der Kangenaman, der Ambo ist in Form einer traditionellen Handtrommel, "kundu", gestaltet.

Umgeben ist die Kapelle von einem Kreuzweg, dessen Stationen wiederum im "Storyboard"-Stil geschnitzt sind, und über dem Ganzen schwebt eine Gestalt, die in der einheimischen Tradition einen weiblichen Schutzgeist darstellt, aber jetzt interpretiert wird als Maria, Königin des Sepik.

 

Dieser Artikel ist entnommen aus "Steyler Missions-Chronik 2006", Seite 39-41, Steyler Verlag, Nettetal ISBN 3-8050-0529-6

Geoffrey Brumm SVD