Die Bildhauerin Yrsa von Leistner (91) verstorben

12.04.2008

Deutschland - Sie hat die erste Porträtbüste von Bundeskanzler Konrad Adenauer nach 1945 geschaffen.

Die erste Porträtbüste von Konrad Adenauer nach 1945 hat eine Frau geschaffen: Yrsa von Leistner. Die adelige Dame wurde 1917 in München geboren und hat sich schon früh der bildenden Kunst gewidmet. Sie starb jetzt 91-jährig am 12. April 2008 im Siegburger Krankenhaus.

 

Frau Yrsa von Leistner war den Steyler Missionaren bis zu ihrem Tod sehr verbunden. Sie lebte auch in einem Haus auf dem Grundstück des Steyler Missionare in Sankt Augustin, bis sie in ein Pflegeheim übersiedeln musste. Jetzt findet sie auf eigenen Wunsch ihre letzte Ruhestätte auf dem Friedhof des Missionspriesterseminars St. Augustin (Requiem am 17.04., 14 Uhr, anschließend Beerdigung). 

Yrsa von Leistner wurde 1917 in München als Tochter eines Kirchenbaumeisters und einer dänischen Klassischen Sängerin geboren. Bis 1934 war sie mit den Eltern im Ausland, vor allem in Mexiko und den USA. Schon mit 16 Jahren konnte sie in München in die Kunstakademie eintreten. Mit 18 Jahren war sie Meisterschülerin in der Akademie. Nach Studienabschluss kam sie nach Berlin. Mit 21 Jahren schuf sie die monumentale Bronzeplastik "Der Kriegsblinde" von 3,20 Meter. Erstes bedeutendes Portrait wurde das Bildnis des Chirurgen Professor Dr. med. Ferdinand Sauerbruch, das sie mit 23 Jahren schuf. Das Kriegsgeschehen und die Bombennächte in Berlin beeinflussen das weitere Schaffen. Sie befasste sich mit religiösen Themen über Leid, Liebe und Vergebung.

1955 übersiedelte sie nach Bonn. Ihr erstes Atelier dort lag an einer Straße sozusagen am Weg des Regierungschefs in das Kanzleramt, dem Palais Schaumburg. So geschah es nicht selten, dass Adenauer die Bildhauerin in ihrem Atelier besuchte. "Er klopfte an und war einfach da." Das Portrait Konrad Adenauer (1955/1956) entsteht. Es folgen Bildnisse von Päpsten sowie sakrale Werke für den Freiraum.

Zeitgeschichtliche Werke wie "Heimkehrer mit Mutter" oder das von Adenauer in Auftrag gegebene 2,5 Meter Relief "Heimkehr" finden öffentliche Aufmerksamkeit. In den 60er Jahren entstehen Portraitbüsten von Bundespräsident Heinrich Lübke, Diplomaten und anderen Personen des öffentlichen und nichtöffentlichen Lebens. Sie schuf auch Potraitbüsten von Arnold Janssen und Josef Freinademetz.


Yrsa von Leistner
"Heimatlos" - lebensgroß, Marmor 19531969 begegnet sie dem Kunst-Verleger J.F.Bodenstein. Dieser fördert das Interesse der Künstlerin an den Weltreligionen, berichtet von seinen Treffen mit Mutter Teresa in Indien, dem XIV. Dalai Lama von Tibet. Bodenstein stellt Verbindungen her. So beginnt für die 50-jährige Künstlerin von 1970 bis 1981 ein besonders erfolgreiches Schaffensjahrzehnt. 1970 wird die Skulptur "Weltzeitalter" in Rom enthüllt. 1971 übergibt die Bildhauerin das Reliefs "Jüdische Passion" an Papst Paul VI. im Vatikan. 1979 beendet sie die 3,5 Meter hohe Pronzeplastik für Japan "Madonna von Nagasaki". 1981 zieht sie sich langsam zurück und widmet sich mehr der Malerei. 1986 veröffentlicht sie noch ihre Lebens-Erinnerungen und 1992 wird in Berlin die Grossplastik "Der Hüter" aufgestellt. Zu ihrem 80. Geburtstag arrangiert das Museum Europäische Kunst - Schloss Nörvenich - unter dem Patronat der Europäischen Kultur Stiftung eine Ausstellung über ihre Werke.  

Die Bildhauerin und Malerin Yrsa von Leistner ist eine bedeutende Künstlerin des 20. Jahrhunderts, die sich vor allem religiöser Themen widmet. Ihre, oft monumalen, Werke finden sich in Museen, Sammlungen und auf öffentlichen Plätzen in Europa sowie anderen Kontinenten. Ihr Gesamtwerk ist eine Mahnung zur Vergebung und Versöhnung, es spiegelt zugleich Glaube, Hoffnung und Liebe wider als Forderung und Auftrag für jeden Menschen - gleich welcher Nation und Herkunft.

Bruno Rehm SVD