Bischof Josef Lörks und Gefährten (Die Märtyrer vom 17. März 1943).

18.03.2013

Sankt Augustin / Deutschland - Die Ermordung der Neuguinea-Missionare vor genau 70 Jahren auf dem japanischen Zerstörer Akikaze.

Es handelt sich hier um die Blutzeugen aus dem Pazifikkrieg (1941-1945). Betroffen waren in ungeahntem Ausmaß alle christlichen Missionen in dem Teil der Südsee, der näher hin als Melanesien bezeichnet wird. Gerade die damaligen Britischen Salomoninseln und das australische Treuhandgebiet von Neuguinea wurden zum Kriegsschauplatz zwischen den alliierten Streitkräften und dem japanischen Militär, das zuvor diese Länder erobert hatte. Kurz vor der japanischen Besetzung des australischen Mandatsgebietes Neuguinea war den Steyler Missionaren und Missionsschwestern von australischer Seite angeboten worden, mit nach Australien zu gehen, um dort in Sicherheit zu sein. Die Ordensoberen besprachen dieses Angebot mit ihren Mitbrüdern bzw. Mitschwestern. Die eindeutige und freie Entscheidung der Missionare lautete, man wolle auf keinen Fall die einheimischen Christen im Stich lassen, um das eigene Leben in Sicherheit zu bringen. Im Vertrauen auf Gottes Beistand und in Hingabe an seinen heiligen Willen wolle man alle Gefahren in Kauf nehmen. Man war sich also durchaus der Gefährdung bewußt, schätzte aber die beschlossene Hingabe an die Mission und die Treue zur Herde der Getauften und Katechumenen im Missions-land höher ein als die eigene Sicherheit. (vgl. (P. Steffen, 2010)
Am 15. März 1943 wurden insgesamt 62 Personen aus neun verschiedenen Nationalitäten, darunter 34 Männer, 25 Frauen und drei Kinder, von den Inseln Kairiru (an der Nordküste Neuguineas, heute East Sepik-Provinz) aus dem den Steyler Missionaren anvertrauten Vikariat Zentral-Neuguinea und Lorengau (im Bismarck-Archipel) aus dem den Hiltruper Herz-Jesu Missionaren anvertrauten Vikariat Neu-Britannien auf das Kriegsschiff Akikaze gebracht und dort in die Mannschaftsquartiere eingesperrt. Die japanischen Militärs erklärten, man transportiere die Angehörigen fremder Staaten in ein Internierungslager.
Am 17. März 1943 lief das Kriegsschiff in den Hafen von Kavieng, an der Nordwestspitze New-Irelands in der Bismarcksee gelegen, ein. Ein Zeuge erinnerte sich, dass die Maschinen zwar stillgelegt, jedoch keine Anker geworfen wurden. Ein Leutnant namens Kai gab an, dass sich ein Boot vom Ufer näherte und sofort wieder zurückkehrte. Kurz darauf verließ das Schiff den Hafen, fuhr durch eine Wasserstraße und nahm geraden Kurs auf Rabaul.
Mitten auf offener See errichteten die Japaner in grösster Betriebsamkeit auf Deck einen Galgen. Dann folgte die Inszenierung eines unvergleichlichen Verbrechens: "... Am Ende des Ganges, unter der Brücke des Achterdecks, musste der erste Missionar wieder stehen bleiben. Hier wurden ihm alle seine religiösen Kleider abgenommen u. ins Meer geworfen, nur die Unterkleidung wurde ihm gelassen. Dann wurden ihm beide Handgelenke vor der Brust zusammengebunden, und darauf wurde das Opfer mit verbundenen Augen zur Hinrichtungsplattform geführt, die nur ein paar Schritt entfernt war." (Wiltgen) Mittels eines Hakens, der am Ende des Seils befestigt war, wurde der Priester an den Händen am Galgen hochgezogen. Ein Soldat exekutierte ihn mit einem Gewehr. Der erste Missionar war niemand anderer als Bischof Joseph Lörks. Alle drei Minuten wiederholte sich das barbarische Schauspiel. Jetzt verrichteten Feuerstöße aus Maschinengewehren ihr blutiges Geschäft. Die Leichen der Hingerichteten wurden ins Meer geworfen. Die Soldaten verschonten auch die Kinder nicht. Sie wurden in das Meer gestoßen. Unter den 62 Getöteten waren 21 Steyler Missionare: ein Bischof, sechs Priester, 14 Brüder und 18 Steyler Missionsschwestern. Drei von ihnen kamen aus Österreich, zwei aus den Niederlanden, drei aus den Vereinigten Staaten und 21 aus Deutschland. Unter den getöteten Steyler Missionaren befand sich auch deren Regionaloberer Franz Winzenhörlein (*1876), ein gebürtiger Mainfranke aus Estenfeld im Bistum Würzburg, der schon seit 1910 in Neuguinea wirkte. Der jüngste Missionar in dieser Gruppe war der 31-jährige P. Johannes Romanski (*1911) aus Plauten, Ostpreußen im Bistum Ermland. Die älteste Steyler Missionsschwester in der Gruppe war Schwester Perpetua, Maria Marg. Hanfeld, geb. am 6. Juli 1879 in Schüttorf in der Diözese Osnabrück. Sie kam schon 1908 nach Neuguinea. Die jüngste dagegen – Schwester Monica, Katharina Suhrkamp (* 5.12.1913) aus Borghorst/Steinfurt in Westfalen - war gerade einmal 29 J. alt und erst sechs Monate in Neuguinea.

Insgesamt wurden auf der Akikaze 62 Zivilisten ermordet. 42 von ihnen wurden in Kairiru und 20 in Lorengau auf Manus an Bord genommen. In Lorengau wurden katholische Missionare aus der Herz-Jesu Mission und der deutsche evangelisch-lutherische Liebenzeller Mission an Bord genommen. P. Karl Borchardt MSC (* 1887) hatte 1913, gleich nach seiner Ankunft in Neuguinea, die Missionsarbeit auf Manus begonnen. Zudem befand sich der Gründer der Liebenzeller Mission auf den Admiralitätsinseln, deren größte Manus ist, Friedrich Döpke aus Kirchdornberg bei Detmold mit seiner Frau Marie auf der Akikaze. Seit Juli 1914 wirkte F. Döpke auf Manus. Von den auf der Akikaze erschossenen Zivilisten stammte einer aus Australien, einer aus Ungarn, 1 aus Neuguinea, 3 aus Österreich, 3 aus den USA, vier aus China, 4 aus Indien bzw. Burma, 6 aus Holland, u. 39 aus Deutschland.

Paul B. Steffen, SVD