Missionarische Gebetsmeinung - Juli 2005

01.07.2005

- Wir beten für alle Getauften: Lass sie ihre Berufung erkennen und die Gesellschaft im Licht des Evangeliums verändern.

Die Missionsgebetsmeinung vom Juli dieses Jahres richtet sich an alle Getauften, so dass die Grenzen von Heimat und Mission, von alten und neuen Kirchen, von Westen und Osten, von Nord- und Südgefälle, von Industrie- und Entwicklungsländern miteinander verschwimmen. Alle Getauften, wo immer sie sich befinden, sind angesprochen. Wo immer Getaufte leben, ist Missionsland, sind sie von Gott Beauftragte, von Jesus Gesandte, vom Geist Angetriebene.

Das II. Vatikanische Konzil hat bestätigt, was seit der ersten Begegnung des auferstandenen Jesu sich abzeichnete und dann ein Grundzug seiner Kirche wurde: Wessen Herz vom Glauben durchdrungen und von der Liebe ergriffen wurde, dessen Mund kann nicht anders als auch darüber sprechen zu wollen. Maria Magdalena war die erste aus dem Kreis der Jünger und Jüngerinnen Jesu, die zwei Tage nach der ungerechten Hinrichtung Jesu offizielle Zeugin seiner Auferstehung wurde und von ihm selber den Auftrag erhielt, das, was sie am leeren Grab erlebte, auch den übrigen Jüngern zu berichten: "Geh hin und erzähle den Jüngern, dass ich die Macht des Todes überwunden habe… und lebe!" (Joh 20,17). Maria Magdalena als Missionarin, erste Botschafterin von der Auferstehung, Vorbild aller Glaubenden. Das Konzil sagt fast 2000 Jahre später: "Die Kirche ist ihrem Wesen nach missionarisch." Deshalb ist auch "das Werk der Evangelisation eine Grundpflicht des Gottesvolkes" (Ad Gentes 2 und 35).

Ein Christ, der weiß, auf wessen Namen er getauft ist, in seiner täglichen Umgebung aber über dieses Wissen schweigt und nicht versucht, durch sein Zeugnis in Wort und Tat seine nichtchristliche Umgebung zumindest nachdenklich zu machen, ist eigentlich ein Widerspruch in sich. Natürlich verlangt das christliche Zeugnis von der Auferstehung eines Gekreuzigten eine Portion Mut, im öffentlichen und im privaten Leben. Das war schon immer so: bereits zur Zeit der "alten Griechen und Römer", wo das Wort "martyrium" - Zeugnis geben - bereits identisch war mit der Bereitschaft, sein Leben um Christi willen auf gewaltsame Weise zu verlieren. Es ist heute so - in einer globalisierten, säkularisierten Welt - und wird auch in Zukunft so bleiben, bis Jesus wiederkommt und sich klar und unmissverständlich für alle zum Sinn und Ziel der Geschichte erklärt.


Mit dem Reden ist es nicht getan

Allerdings will sich die Missionsgebetsmeinung vom Juli 2005 mit dem mutigen Zeugnisgeben noch nicht zufriedengeben. Warum nicht? Mit dem Reden ist es nicht getan. Sonst hätte sich Jesus nach dem Verkünden seiner Botschaft auch einfach zurückziehen und zum Vater im Himmel zurückkehren können. Jesus wollte mehr! Er kam in die Welt, um sie zu verändern und neu zu machen. Die Auferstehung ist erst der Anfang. Der Geist, den er an Pfingsten auf alle, die an ihn glauben, ausgegossen hat, wird aktiv als Hoffnungsträger in den Jüngern und Jüngerinnen Jesu tätig sein, damit das Wort Jesu von "einer neuen Erde und einem neuen Himmel" nicht nur Rhetorik und ein schöner Traum bleibt, sondern in einer noch nicht definierten Zukunft (Eschatologie) schließlich Wirklichkeit wird.


Begeistert und begeisternd

Deshalb werden wir ja im Monat Juli aufgefordert, in einer Welt mit so viel Unglauben und Gleichgültigkeit unsere christliche Verantwortung ernstzunehmen und unseren "Möglichkeiten entsprechend die Gesellschaft im Lichte des Evangeliums zu verändern"! Mit anderen Worten: Wir sollen, soweit es machbar ist entsprechend unserem Alter, Geschlecht, Begabung, Status, - und last not least - entsprechend den Charismen, die einem jedem von uns von Gott geschenkt worden sind, in unserem eigenen Milieu das Osterlicht von der Auferstehung immer wieder neu entfachen und zum Leuchten bringen, damit es von möglichst vielen Menschen wahrgenommen wird. Nur durch das be-"geist"-erte Zeugnis in Wort und Tat kann unsere Welt immer heller und unsere Gesellschaft immer humaner, gerechter und liebenswürdiger werden. Nur so kann die religiöse Lebensqualität auf der ganzen Erde, d.h. für alle, Christen und Nichtchristen, gesteigert werden.


Dieser Beitrag ist entnommen aus der Zeitschrift "DIE ANREGUNG" Ausgabe 4/2005

Paul Klein SVD