Allgemeine Gebetsmeinung - August 2005

01.08.2005

- Wir beten für die jungen Menschen: dass der Weltjugendtag ihre Sehnsucht nach Christus weckt und die Begegnung mit ihm wegweisend wird.

Während ich diese Zeilen schreibe, ist Papst Johannes Paul II. noch nicht beigesetzt. Heute und in den nächsten Tagen versammeln sich Hunderttausende auf dem Petersplatz, um ihn noch einmal zu sehen und am 8. April 2005 an der Beisetzung teilzunehmen. Dieser Papst hat die Jugend geliebt, und sie dankt es ihm.

Am vergangenen Freitagabend auf dem Petersplatz. 70.000 Menschen haben sich spontan versammelt, um dem sterbenden Papst nahe zu sein, um für ihn zu beten. Darunter erstaunlich viele junge Menschen. Der Fernsehreporter ist verblüfft. "Wie kommt es", fragt er, "dass es gerade junge Leute sind, die hier die ganze Nacht aushalten, um dem sterbenden Papst nahe zu sein? Gerade bei Jugendlichen hat dieser Papst eigentlich doch die schlechtesten Karten. Sie sind kirchenfern. Die rigide Sexualmoral dieses Papstes muss sie doch abstoßen."

Ja, so sollte man denken. Doch der Journalist bekommt zur Antwort: Der Papst ist gerade für Jugendliche eine Art Vaterfigur. Man akzeptiert vielleicht nicht alles, was er sagt. Aber dieser Papst ist anders als unsere Politiker. Er sagt, was er denkt, und er tut, was er sagt. Das imponiert den Jugendlichen. Menschen mit solch authentischer Ausstrahlung erleben sie selten. Und vor allem: sie spüren, dass dieser Papst die Jugend liebt. Er braucht sie als Verbündete, als Gefährten für seine Vision einer besseren Zukunft.

Und wirklich: Der Papst scheint auf seinem Sterbebett die Präsenz der Jugendlichen draußen vor seinem Fenster gespürt zu haben. Der Vatikansprecher tritt vor die Presse und sagt, mit letzter Kraft habe der Papst noch folgende Worte gehaucht: "Ich habe nach euch gesucht. Nun seid ihr zu mir gekommen. Ich danke euch." Die Jugendlichen habe er dabei im Blick gehabt.

Ich möchte diese seine letzten Worte so deuten: "Ich habe nach euch gesucht. Ich habe die Weltjugendtage ins Leben gerufen. Ich wäre noch in meiner Krankheit nach Köln gereist, um nach euch zu suchen. Doch nun kann ich es nicht mehr. Da ist es meine große Freude, dass ihr nun zu mir kommt, wo ich nicht mehr zu euch kommen kann. Ich danke euch."
Die Idee zu den Weltjugendtagen kam dem Papst im Heiligen Jahr der Erlösung 1983/84. Damals war es noch als einmaliges Treffen geplant. Doch jenes Treffen am Palmsonntag 1984 war gleich ein so unerwarteter Erfolg (Hunderttausende strömten in Rom zusammen), dass Papst Johannes Paul II. beschloss, die Weltjugendtage zu einer ständigen Einrichtung zu machen. Sie fanden auf Weltebene alle zwei bis drei Jahre statt. Die letzten in Paris (1997), Rom (im Heiligen Jahr 2000), und Toronto (2002). Doch noch nie hat ein Weltjugendtag in Deutschland oder einem deutschsprachigen Land stattgefunden. Mit dem XX. Treffen in Köln kommt ein Weltjugendtag zum ersten Mal nach Deutschland.

Der verstorbene Papst hat noch selbst das Leitwort für dieses große Treffen der Jugend ausgesucht: "Wir sind gekommen, um IHN anzubeten". Das ist das Wort der Weisen aus dem Morgenland (Mt 2,2). Papst Johannes Paul II. hat es so gedeutet, als er am Ende des letzten Weltjugendtreffens in Kanada das nächste Treffen ankündigte: "In der beeindruckenden Kathedrale von Köln werden die heiligen Drei Könige verehrt, die Weisen aus dem Morgenland, die sich vom Stern leiten ließen, der sie zu Christus führte. Euer Pilgerweg nach Köln beginnt heute. Christus erwartet euch dort zur Feier des XX. Weltjugendtags."

Und so werden sie denn kommen. Jugendliche aus 120 Ländern der Erde erwartet man. Viele Hunderttausende werden es sein. Damit es trotz der großen Zahl nicht zum bloßen Massentreffen wird, hat man dem Treffen in Köln "Tage der Begegnung" vom 11. bis 15. August in den einzelnen deutschen Diözesen vorausgeschickt. Die Jugendlichen werden nach Möglichkeit in Familien wohnen und engen Kontakt mit den Kirchengemeinden haben. Wie das mit der Sprache gehen wird? Darüber machen sich die Jugendlichen am wenigsten Gedanken. Die Erfahrung zeigt: es hat noch immer geklappt. Der Pfingstgeist ist dabei, die Sprachenverwirrung von Babel zu überwinden.

Die zentralen Veranstaltungen in Köln und Umgebung beginnen am 16. und enden am 21. August. Am Donnerstag, den 18. August, kommt der Initiator und Einladende des Weltjugendtags nach Deutschland: Mit einer großen Feier in der Kölner City wird der Papst willkommen geheißen. Freitag ist der Tag des Kreuzwegs - die jungen Pilger gedenken des Leidens Jesu Christi. Am Samstag machen sich alle Teilnehmer auf zum Marienfeld (ehemaliger Tagebau Frechen), dem Gelände für die großen Abschlussveranstaltungen. In den Abendstunden wird gemeinsam mit dem Papst die Vigil gefeiert. Die Jugendlichen übernachten dort, um am Sonntagmorgen (21. August) im Abschlussgottesdienst wieder Abschied zu nehmen von Köln und dem XX. Weltjugendtag. Wenige Minuten vor Ende des großen Ereignisses wird der Papst die Jugendlichen in die Welt aussenden und eine neue Einladung aussprechen: "Welcome to..."

Die große Frage: Wird der neue Papst nach Köln kommen? Der Generalsekretär des Weltjugendtags: "Es ist unvorstellbar, dass der neue Papst die Chance nicht wahrnimmt, die Jugendlichen aus aller Welt beim Weltjugendtag zu treffen."

Der Weltjugendtag soll ein Fest des Glaubens werden. Wir beten mit dem Heiligen Vater, dass die vielen Jugendlichen, die nach Deutschland kommen, bei uns eine Stärkung ihres Glaubens erleben. Und mehr noch, dass wir in Deutschland und in Köln uns von der Lebendigkeit und dem Glauben der jungen Menschen aus aller Welt inspirieren lassen. Damit sie und wir gemeinsam sagen können: "Wir sind gekommen, um IHN anzubeten."


Dieser Beitrag ist entnommen aus der Zeitschrift "DIE ANREGUNG" Ausgabe 4/2005

Karl Neumann SVD