Allgemeine Gebetsmeinung - April 2006

01.04.2006

Wir beten, dass die individuellen, sozialen und politischen Rechte der Frauen in allen Staaten geachtet werden.

Traurige, ja erschütternde Zahlen, hinter denen das Schicksal von vielen Frauen steht

Nach dem Weltbevölkerungsbericht 2000 des UN-Welt-Bevölkerungsfonds (UNFPA) wird mindestens jede dritte Frau in ihrem Leben geschlagen, zum Sexualverkehr gezwungen oder in einer anderen Weise missbraucht. Über 60 Millionen Mädchen werden aufgrund von selektiver Abtreibung, Kindesmord oder Tod durch Vernachlässigung in der Bevölkerungsstatistik übersehen, und zwei Millionen Mädchen im Alter zwischen fünf und 15 Jahren werden jährlich zur Prostitution gezwungen. Hinzu kommen andere Formen von Gewalt gegen Frauen, darunter der weltweite Handel mit Frauen und Mädchen, häusliche Gewalt und schädliche traditionelle Praktiken wie die weibliche Genitalverstümmelung. (www.unfpa.org) Die Aufzählung könnte noch weitergeführt und konkretisiert werden mit Erfahrungen, die Mädchen und Frauen machen, aber aus Angst vor erneuter Gewalt verschweigen bzw. nicht zur Anzeige bringen.

Aus dem eigenen Land wissen wir, dass Deutschland in der letzten Zeit immer mehr zum Transitland für Menschenhandel geworden ist, hinter dem oft die sexuelle, aber auch jede andere Form von Ausbeutung der Frauen aus allen Teilen der Welt steht. Es bleibt zu hoffen, dass die auch von Deutschland unterzeichneten, internationalen Abmachungen und Regelungen zu Gunsten der Frauen dann auch konkrete positive Folgen zeigen - auch hier bei uns. Auf eine wohl traurige Tatsache, die mit der von vielen mit Spannung erwarteten Fußballweltmeisterschaft in Deutschland zusammenhängt, sei hingewiesen: Nach Befürchtungen von Frauenorganisationen werden zu diesem Anlass auch Tausende von "Hostessen" oder wie immer sie genannt werden, "legal" nach Deutschland kommen, um dann hier in dunklen Kanälen der Prostitution zu verschwinden. Mit welchen Versprechungen wohl diese Frauen angeworben werden und unter welchem familiären Druck sie stehen, kann man sich vorstellen.


Die sehr unterschiedliche Lage der Rechte der Frau in aller Welt

Bei vielen Menschenrechtsverletzungen ist zu beobachten, dass sie mit verschiedenen Diskriminierungsformen verknüpft sind - etwa wenn zur Benachteiligung aufgrund des Geschlechts eine weitere Diskriminierung wegen der Zugehörigkeit zu einer ethnischen oder gesellschaftlichen Minderheit hinzukommt. Hier gilt es noch einen weiten und mühsamen Weg zurückzulegen, damit dies überwunden wird und die Frauen von ihrer Menschenwürde her den Männern gleichgestellt werden.


Die besondere Zuwendung und Sorge Jesu für die Frauen

Schon Jesus selbst hat sich für die Würde der Frau eingesetzt und sich sehr deutlich gegen jedwede Diskriminierung gewandt, obwohl er auf der anderen Seite bestimmte soziale und gesellschaftliche Gegebenheiten - die uns vielleicht heute 'frauenfeindlich' erscheinen - wenigstens zunächst akzeptierte; vgl. etwa in Mk 15,41 die Frauen, die Jesus nachgefolgt waren und ihm gedient hatten. Er hat stets Gebräuche und Gesetze hinterfragt und sich auch nicht davon abschrecken lassen, wenn diese als "Gesetz Gottes", also von höchster Autorität angesehen wurden. Der Evangelist Lukas zeigt Jesus als den Heiland der Verlorenen, der sozial Entrechteten, der Frauen, der Zöllner und Sünder und bringt uns damit Jesus als die erfahrbare Menschenliebe Gottes deutlich vor Augen. Nicht nur die Zwölf waren mit Jesus unterwegs und wurden Zeugen seiner Verkündigung, sondern auch stets Frauen, die ihn begleiteten (Lk 8,2). Bei der Begegnung Jesu mit der Samariterin (Joh 4) drücken die Jünger dann ihre Verwunderung über das Verhalten Jesu aus: - dass er mit einer Frau sprach, aber keiner sagte: Was willst du?, oder: Was redest du mit ihr?  

Schließlich sind Frauen die ersten Zeugen der Auferstehung Jesu selbst, was sicherlich kein Zufall ist. Vielleicht soll damit noch einmal - neben der Berufung der Apostel und Jünger als Männer - die Gleichwertigkeit und Würde der Frau als Mensch, als Glaubende unterstrichen werden.

 

Die Frauen selber ergreifen die Initiative

Es ist deshalb erstaunenswert und begrüßenswert, dass überall auf der Welt - natürlich mit unterschiedlichem Erfolg - Frauen ihr Schicksal deutlich mehr selbst in die Hand nehmen, ihre individuellen, sozialen und politischen Rechte einklagen und sich für deren Durchsetzung einsetzen. Sie wollen und können es nicht länger den (herrschenden) Männern überlassen, dies für sie zu tun. Dass es dabei dann auch zu überzogenen Aktionen, zu einem nicht förderlichen Feminismus kommt, ist verständlich, spricht aber keinesfalls gegen diese neuere Entwicklung. Anfanghaft und zögerlich, aber doch auch bis in die höchsten internationalen Gremien und Institutionen gehen sie bewusst und zielstrebig ihren Weg. Von kirchlicher Seite tut man sich da in vielen Bereichen doch noch schwer - z. B. aus einer bestimmten Angst heraus, die Frauen könnten bald auch alle hierarchischen Ämter für sich reklamieren... Schauen wir in das kirchliche Leben, so müssen wir zugeben, dass ohne die Frauen vieles nicht möglich wäre; dass sie es sind, die mit Phantasie und Geduld, mit Ausdauer und Liebe kirchliches Leben gestalten.  

Auf Weltebene hin bezogen, muss noch viel geschehen und verdienen die Frauen die unbedingte Unterstützung der Männer zur Durchsetzung ihrer legitimen Rechte - denn "als Mann und Frau erschuf er sie, er segnete sie und nannte sie Mensch an dem Tag, da sie erschaffen wurden" (Gen 5,2). 

Beten wir darum, dass sich dieser Schöpfungswille Gottes immer mehr durchsetze und die Frauen überall auf der Welt zu ihren Rechten kommen.

 

Heinz Schneider SVD, Kommentar zur Allgemeinen Gebetsmeinung April 2006 aus der Zeitschrift "Die Anregung", Ausgabe 2/2006, Steyler Verlag, Nettetal

Heinz Schneider SVD