Gebetsanliegen des Hl. Vaters Januar 2010

Februar 2010

Wir beten für alle Frauen und Männer in Wissenschaft und Kultur, dass sie durch die ernsthafte Suche nach der Wahrheit den Weg zu dem einen wahren Gott finden.

Ich habe vor einiger Zeit die „Bekenntnisse" des hl. Augustinus wieder gelesen, dieses Heiligen und Denkers, der „durch die ernsthafte Suche nach der Wahrheit den Weg zu dem einen wahren Gott" gefunden hat. Was mir wieder neu in die Augen fiel, war der philosophische Charakter des ganzen Werkes. Nicht nur der letzten vier Bücher, die sich manchmal in philosophische Betrachtungen zu verlieren scheinen. Sondern auch der ersten neun, in denen Augustinus vor Gott sein Leben ausbreitet. Was er am Anfang des Werkes vom unruhigen Herzen des Menschen schreibt, welches erst in Gott Ruhe findet, das gilt zuerst und vor allem für sein eigenes Herz und sein eigenes Leben. Es ist, nachdem er die erste Zeit seiner wilden Ausschweifungen überwunden hatte, eine philosophische Suche nach Gott. Besser gesagt, nach dem rechten Gottesbegriff. Denn auch das neuplatonische und das manichäische Denken, durch die sein Weg führte, kannten ja einen Gott. Metaphysische Spekulationen waren im Denken der Zeit gang und gäbe. Die Auseinandersetzungen des Augustinus mit seinen Gegnern in den „Bekenntnissen" können diesen gemeinsamen Boden voraussetzen.

Gottesglaube nach dem „ Ende der Metaphysik"
Wie anders ist das heute, nach dem „Ende der Metaphysik". Es beginnt schon bei der „Suche nach der Wahrheit". Sucht die Wissenschaft „die Wahrheit"? Viele Wissenschaftler werden das heute weit von sich weisen. Sie werden mit der skeptischen Pilatusfrage antworten: „Was ist Wahrheit?" „Die Wahrheit" - das hat heute einen ideologischen Klang. „Prawda - Wahrheit", so nannte sich die offizielle Zeitung des Sowjetkommunismus, die voller Lügen war. Die Wissenschaftler sind heute bescheidener geworden. Sie suchen Fakten, Zahlen, Beweise, vielleicht Wahrheiten, aber nicht die Wahrheit.
Und doch gibt es auch unter den modernen Wissenschaftlern Gottsucher. Die Naturwissenschaft kann zwar gemäß ihrer Methode Gott nicht in ihren Daten und Fakten finden, aber sie kann die Spuren Gottes in der Schöpfung entdecken. Und der Wissenschaftler als Mensch kann von diesen Spuren auf den schließen, der jene Spur seiner Schöpfung eingeprägt hat, auf Gott. Dies lehrt schon das Buch der Weisheit (13,1-9) und im Anschluss daran der Römerbrief (1,19-21). „Seit Erschaffung der Welt wird seine unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen, seine ewige Macht und Gottheit" (Röm 1,20).

Max Plancks und Albert Einsteins Glaube
So waren viele der bekannten Naturforscher religiöse Menschen, z. B. Max Planck und Albert Einstein. Max Planck ist der Überzeugung, „dass ein an Weisheit uns himmelhoch überlegenes Wesen, welches jede Falte in unserem Gehirn und jede Regung unseres Herzens durchschauen kann", existiert. Albert Einstein spricht zwar oft über Religion und Gott, antwortet aber auf die Frage: „Was glauben Sie, Herr Einstein?": „Ich glaube an Spinozas Gott, der sich in der gesetzlichen Harmonie des Seienden offenbart. Nicht an einen Gott, der sich mit dem Schicksal und den Handlungen der Menschen abgibt." Es ist also falsch, überall dort, wo Naturwissenschaftler (und andere Wissenschaftler) von Gott sprechen, gleich an den christlichen Gott zu denken und sie so zu vereinnahmen. Die Tendenz zum Pantheismus, die sich hier bei Einstein zeigt, ist bei heutigen Naturwissenschaftlern nicht selten anzutreffen, etwa bei dem Nobelpreisträger Hans Peter Dürr.

„Gott. Eine kleine Geschichte des Größten."
„Den Weg zu dem einen wahren Gott zu finden", das ist heute schwerer geworden, nicht nur für die Menschen in Wissenschaft und Kultur, sondern für jeden. Weil bei den Zeitgenossen der Eindruck entsteht, dass der Glaube auf dem Rückzug ist, langsam, aber unaufhaltsam.
Da ist es gut, auf ein Buch des Psychiaters und Theologen Manfred Lütz aufmerksam zu werden, das sich „Gott. Eine kleine Geschichte des Größten" nennt. Es wurde kürzlich vom „Spiegel" vorgestellt, wobei Friedrich März (CDU) die christliche und Gregor Gysi (Die Linke) die atheistische Seite vertrat. Nach Lütz ist der Diskurs über Gott seit Jahrzehnten in diesem Land verpönt, aber er wird jetzt, vielleicht auch im Zusammenhang mit dem strengen Gottglauben der Muslime, wieder salonfähig. Lütz, der ein praktizierender Katholik ist, beginnt seine „kleine Geschichte des Größten" klugerweise mit einer Geschichte der Gegenseite: des Atheismus. Im Durchgang durch dessen Geschichte zeigt er, auf wie schwachen Füßen die Argumente für den Atheismus stehen - nicht nur beim sogenannten „wissenschaftlichen Atheismus" der marxistischen Ideologie.
Lütz glaubt, dass es dringend an der Zeit ist, Gott neu zu entdecken. Bitten wir ihn darum, denn ohne seine Hilfe und Gnade kann ihn niemand entdecken.

Karl Neumann SVD in die Anregung Februar 2010