Gebetsanliegen des Hl. Vaters im Januar 2010

Januar 2009

Wir beten für die jungen Menschen, dass sie die modernen Mittel der Sozialen Kommunikation sinnvoll nutzen zur persönlichen Entfaltung und für ihren Dienst an der Gesellschaft.

Eine Szene aus der U-Bahn: Mir gegenüber sitzt ein junger Mann. Er hat den Kopfhörer angelegt. Trotzdem ist die scharfe Musik, die aus dem MP3-Player dringt, auch für mich noch zu hören. Er ist ganz in die rhythmische Musik versunken, wippt leicht mit dem Fuß den Takt dazu, für die Außenwelt ist er kaum noch ansprechbar. 

Oder ein anderes Bild: Ein Jugendlicher geht über die Straße. Er gestikuliert heftig, führt ein lebhaftes Gespräch. Doch mit wem spricht er eigentlich? Ich sehe niemand. Bis ich näher komme und das Handy bemerke. 


Rasanter Fortschritt

Ich bin noch in einer Zeit geboren, wo es in unserem Dorf kaum ein Telefon gab, geschweige denn ein Handy. Wo kaum jemand ein Magnetophonband besaß (nicht mit Audiokassetten, sondern mit Tonbändern!), und von der MP3-Technologie auch die Wissenschaftler noch nichts ahnten. 

Auf kaum einem Gebiet ist der technische Fortschritt so atemberaubend wie auf dem der Medien. Wenn wir unsere Zeit das Zeitalter der Globalisierung nennen, ist damit auch, wenn nicht gar zuerst, die globale Kommunikation gemeint. Sie ist durch die neuen, elektronischen Medien wie das World Wide Web, E-mail und andere Medien möglich geworden. 

Es sind die Jugendlichen, die für diese neuen Medien einen geschärften Sinn, ein lebhaftes Interesse haben. Ich glaube, viele haben die Erfahrung gemacht: wenn wir mit unserem PC oder Internet wieder einmal nicht mehr weiter wissen, brauchen wir nur unsere Kinder oder Enkel zu fragen. Sie sind die Experten, nicht wir. In unserer Kommunität leben Gott sei Dank eine Reihe junger Inder, Filipinos und Chinesen, die ein stupendes Wissen und Können auf diesem Feld haben. Wie haben sie es erworben? Kaum durch theoretisches Studium - sie haben dafür einfach ein ganz anderes Gefühl als wir Älteren. 


Surfen kann süchtig machen

Diesen Vorsprung der Jugend sollten wir zunächst einmal dankbar zugeben, bevor wir anfangen, der Jugend weise Ratschläge für den Gebrauch der Medien zu erteilen. Gewiss, das Surfen im Internet oder gewisse Computerspiele können gerade die Jugendlichen so faszinieren, dass sie zur Sucht werden. Die Gefahr ist hier, dass die sozialen Kontakte darüber vernachlässigt werden, dass der Kontakt zur lebendigen Natur dabei zu kurz kommt. Eine Sucht nach Abwechslung greift um sich, die kurzen, schnellen Schnitte der Videoclips fördern ein schnelles Sehen und Reagieren, alles muss voll Spannung und Action sein. Da hat man keine Geduld mehr für die stillen und leisen Dinge, die nicht an der Oberfläche liegen. Ein lebenslanges Sich-Einlassen auf das Evangelium, wie es der christliche Glaube fordert, wird dadurch sehr erschwert. 

In diesem Monat beten wir also für die Jugendlichen, dass sie sich nicht zum Sklaven der Medien machen lassen, sondern das Gute vom Schlechten zu unterscheiden lernen. „Prüft alles, das Gute behaltet" (1 Thess 5,21). Dass sie von Gewaltvideos nicht zur Gewalt, von Sexvideos nicht zur „Innenweltverschmutzung" verführt werden. 

Und dass die Kirche lernt, den Jugendlichen in ihrer Sprache und Denkweise die Frohe Botschaft von Jesus Christus zu verkündigen, auch durch die neuen Medien. 


Ein Kurienkardinal macht Witze

Zum Schluss eine kleine Geschichte, die ich aus dem Mund eines Kurienkardinals gehört habe. Eine neue Schule sollte gebaut werden. „In dieser Schule soll ein strenger Geist herrschen", sagte der künftige Direktor. „Die Jugend soll nicht durch die Medien verdorben werden." Und er fügte hinzu: „Ich habe ein ganz einfaches Motto: Die Schüler sollen erst einmal sehen lernen, sie sollen hören lernen, und sie sollen das Lernen lernen." „Das ist doch großartig", sagte sein Stellvertreter. „Schreiben wir doch einfach an die Wand der neuen Schule: Ich sehe, ich höre, ich lerne." „Ja, das ist eine super Idee", meinte der Direktor. „Aber schreiben wir es in der Sprache der Gebildeten, auf Latein!". Und so stand dann an der Wand der neuen Schule, als Vorbild für alle Schüler: VIDEO, AUDIO, DISCO.

Karl Neumann SVD in die Anregung Januar 2010