Missionsgebetsanliegen des Hl. Vaters März 2010

März 2010

Wir beten für die Christen in Afrika, dass sie für alle Teile des Kontinents zu einem Zeichen der Versöhnung und der Gerechtigkeit werden.

Einführung
Die Missionsgebetsmeinung des Papstes greift das Thema der afrikanischen Sondersynode der Bischöfe auf, die vom 4. bis 25. Oktober 2009 in Rom stattfand und unter dem Leitwort stand: „Die Kirche in Afrika im Dienst der Versöhnung, der Gerechtigkeit und des Friedens, (denn) `Ihr seid das Salz der Erde... ihr seid das Licht der Welt'." (Mt 5,13.14). Damit wird gleichsam das innerste Geheimnis der Kirche genannt, das nach der Kirchenkonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils darin besteht, „gleichsam das Sakrament, d.h. Zeichen und Werkzeug für die innerste Vereinigung mit Gott wie für die Vereinigung der ganzen Menschheit unter sich zu sein" (LG 1).

Versöhnung in Afrika
Vereinigung der Menschen mit Gott und unter sich kann es nur geben, wenn sie auf dem Grund der Gerechtigkeit aufgebaut ist. Diese setzt eine lange und tiefgreifende Versöhnungsarbeit zwischen den einzelnen und den großen und kleineren Bevölkerungsgruppen voraus, besonders in einem Kontinent, der zerrissen und tief verwundet ist durch die lange Geschichte von Ausbeutung und Sklaverei während der Kolonial-Herrschaft, sowie, verknüpft damit, unzähligen blutigen Kriegen, Konflikten und Stammesfehden. Es genügt nicht, politische und soziale Verträge auf der Ebene der Regierenden herzustellen. Es müssen die Bedingungen für Gerechtigkeit und Versöhnung und vor allem Versöhnungsbereitschaft in den Herzen geschaffen werden. Dazu braucht es vor allem eine Spiritualität der Versöhnung, mehr als eine Strategie der Versöhnung.

Versöhnung ist Gottes Werk
Versöhnung ist vor allem Gottes Werk, die die menschliche Anstrengung übersteigt. Gott allein kann alles wieder ins rechte Gleichgewicht bringen. Die Kirche, wir, sind nur Ausführende der Tat Gottes: „Gesandte um Christi willen" (2 Kor 5,20). Rein menschlich gesprochen denken wir, dass Versöhnung geschehen kann, wenn der Täter seine Tat bereut, sein Opfer um Vergebung bittet und wenn dieses ihm das, was ihm angetan wurde, vergibt - dann geschieht Versöhnung.

Wenn wir in die Bibel schauen, sehen wir, dass in Wirklichkeit Gott beim Opfer beginnt. Gott heilt den Menschen, der Opfer von Unrecht und Gewalt, Menschenhandel und Vertreibung geworden ist, indem er seine menschliche Würde wieder herstellt. Dann kann es geschehen, dass der Geschädigte den ersten Schritt tut und sich dem Täter nähert. Diese Geste kann dazu führen, dass auch der Täter dazu kommt, schrittweise seine Schuld einzusehen. Wenn jemand vom Trauma erlittenen Unrechts geheilt wird und der Täter Vergebung seiner Schuld erlangt, bedeutet das nicht, dass sie in den Zustand vor dem Konflikt zurückgehen. Das würde das angerichtete Unrecht verharmlosen. Es bedeutet vielmehr, dass sowohl der Täter als auch das Opfer sozusagen in einen neuen Zustand, eine neue Situation versetzt werden, die vorher so nicht bestand.

Versöhnung im Alten Bund
Schon im Alten Israel wird von Versöhnung berichtet, bei der der erste Sachritt vom Opfer ausgeht. Die meisten von uns kennen gewiss die Geschichte von Jakob, der seinen Bruder Esau um sein Erstgeburtsrecht und den Segen betrügt (Gen 27), worauf er in das Land seines Onkels Laban fliehen musste, um sein Leben zu retten. Als er nach vielen Jahren mit Frauen und Kindern in seine Heimat zurückkehren wollte, wusste er nicht, in welcher Verfassung er seinen Bruder, dem er das Unrecht angetan hatte, antreffen würde.

Als er dann am Morgen über den Grenzfluss gelangt und seinem Bruder begegnet, ereignet sich eine Szene von außergewöhnlichem Wohlwollen. „Esau rennt ihm entgegen, umarmt ihn, er küsst ihn und beide weinen" (Gen 33,4). Esau überfällt seinen lange verloren geglaubten Bruder nicht als Feind, der ihm das Recht und den Segen des Erstgeborenen gestohlen hatte. Er weint vielmehr vor Freude und trägt seinem Bruder das vergangene Unrecht nicht nach. Jakob ist sich seiner Schuld Esau gegenüber wohl bewusst und versucht demutsvoll, sie wieder gutzumachen. Doch es war Esau, der die Versöhnung einleitete.

Diese Erzählung zeigt klar, dass Versöhnung bei dem beginnt, dem zuvor Unrecht geschehen ist. Die heutige Bibelwissenschaft hat auch klargestellt, dass es sich bei den beiden Brüdern in Wirklichkeit um ganze Stämme oder Nationen handelt. Das macht es für die zu leistende Versöhnungsarbeit der Kirche in Afrika umso bedeutungsvoller.

Versöhnung nach dem Evangelium
Wenn wir in die Bergpredigt schauen, sehen wir, dass unmittelbar auf die Absage an die Vergeltung das Gebot der Feindesliebe folgt: „Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen... damit ihr Kinder eures Vaters im Himmel werdet..." (Mt 5,43-48). Dieses Verhalten erfordert eine außergewöhnlich selbstlose Art des Umgangs mit Menschen, die uns beleidigt haben. Der Grund dafür ist, das wir Kinder Gottes genannt werden, der allen Menschen Sonne und Regen schenkt, der gut ist zu allen, auch zu denen, die böse sind oder ihm nicht danken.

Der hl. Paulus schreibt an die Korinther. „Wenn jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung" (2 Kor 5,17). Menschen, die in Christus sind, d.h. Christen, sind nicht mehr die Menschen, die sie vorher waren, voller Ärger und Hass, Neigung zu Gewalt und Rache. Sie sind bereit zu Verzeihung und Versöhnung. Im Anschluss sagt Paulus, warum sie nun dazu fähig sind: „Das alles kommt von Gott" (V 18).

Abschluss
Daraus wird klar, auf welche Weise die Kirche Instrument der Versöhnung werden kann, sowohl in Afrika als auch hier bei uns. Der Handelnde ist Gott, der durch die Kirche als Werkzeug und Instrument wirkt. Die Glieder der Kirche sind diese lebendigen Werkzeuge Gottes, die sich als neue Menschen in seine Hand geben, damit Er durch sie Versöhnung bewirken kann. - Möchte ich dieses Instrument in der Hand Gottes sein?

Franziska Carolina Rehbein SSpS in die Anregung 2/2010