Gebetsanliegen des Hl. Vaters im Mai 2010

Mai 2010

Wir beten, dass die internationale Staatengemeinschaft dem Menschenhandel von Millionen Frauen und Kindern ein baldiges Ende setzt.

Menschenhandel ein weltweites Phänomen
Auf dem weltweiten Menschenhandelsmarkt werden Millionen Frauen und Kinder ihrer Menschenwürde beraubt. Sie werden zur Prostitution gezwungen und müssen als moderne Sklavinnen und Sklaven in der Landwirtschaft, in Haushalten, in Fabriken, Minen und Manufakturen unter unmenschlichen und ausbeuterischen Bedingungen schuften und ihr Dasein fristen. Genauere Zahlen sind schwer auszumachen. Aber nach den Auskünften von Menschenrechtsorganisationen und mit der ganzen Problematik befassten Fachleuten hat sich das Volumen des Menschenhandels in den letzten zwanzig Jahren auch im Gefolge der allgemeinen Globalisierung vervierfacht. Der Menschenhandel gehört neben dem Drogen- und Waffenhandel zu den größten kriminellen Geschäftsbereichen. Nach einer Dokumentation der „Roland Berger Stiftung" wurden laut UN Angaben in den letzten dreißig Jahren allein in Asien an die dreißig Millionen Frauen und Kinder Opfer von Menschenhändlern. Diese Stiftung schätzt auch, dass gegenwärtig jedes Jahr weltweit allein zwei bis drei Millionen Frauen und Kinder in die Prostitution verkauft werden.

Südostasien Zentrum für Menschenhandel
Im Vergleich mit der Gesamtzahl der Betroffenen wird deutlich, dass der asiatisch-pazifische Raum das Zentrum des Menschenhandels bildet. Millionen einheimischer Frauen und Kinder verkaufen sich hier nicht nur an die dortigen Freier, sondern auch an die weltweit 35 Millionen Sextouristen, darunter viele Triebtäter und Pädophile, die die Zwangslage von Frauen und sogar Kleinkindern ausnutzen. Kambodscha, Laos, Thailand und Vietnam sind ganz besonders davon betroffen. Die neu gebauten Autobahnen in Laos dienen dort auch dem Transport der „Ware Mensch" zu den Zielmärkten des internationalen Frauen- und Kinderhandels. Dazu zählt neben Vietnam vor allem Thailand, wo die Sexindustrie mit 27 Milliarden Dollar rund 14 Prozent zum Bruttosozialprodukt des Landes beiträgt.

Menschenhandel im Westen
Aber auch im Westen gibt es, wenn auch in etwas anderer Form Menschenhandel. Die Organisation „Anti-Slavery-Intemational" kann mit zahlreichen Beispielen das Schicksal von sogenannten Hausangestellten - zumeist Mädchen oder Frauen - belegen, die mit ihren Arbeitgebern in westliche Hauptstädte ziehen und dort ein Leben voller Missbrauch, Ausbeutung, Gewalt, körperlicher wie psychischer Folter und ohne oder fast ohne Bezahlung fristen. Sie haben zumeist keinerlei Kontakt zur Außenwelt, keinerlei Möglichkeit über ihre Arbeitsbedingungen zu verhandeln und sind ihren Arbeitgebern vollkommen ausgeliefert. Wenn es ihnen gelingt zu entkommen, fallen sie sofort in die Kategorie „Illegale Einwanderer", denn ihre Aufenthaltsgenehmigung ist von ihrem Verbleib bei jenem Arbeitgeber abhängig, mit dem sie eingereist sind (Vgl.. www.gazette.de /Archiv/Gazette-Mai 2002/Sklaverei.html).

Bekämpfung von Menschenhandel
Seit Jahren haben Regierungen, Nichtregierungsorganisationen und mehr private Organisationen erste Maßnahmen zur Bekämpfung von Menschenhandel und Sklaverei eingeleitet. Die UN hat schon länger verschiedenste Initiativen zur Bekämpfung und Überwindung des Menschenhandels und der Sklaverei ergriffen. Einer der Höhepunkte der weltweiten Bewusstmachung dieses ganzen Problems war der 2008 von der UN abgehaltene „World Congress III Against Sexual Exploitation of Children and Adolescents". Mehrere Länder, darunter auch Vietnam haben ihre entsprechenden Gesetze verschärft und Überwachungsinstitutionen geschaffen. Aber das reicht bei weitem nicht. Es wurden nur wenige Tausend Ermittlungsverfahren gegen mutmaßliche Täter eingeleitet. Angesichts der riesigen Zahl von Opfern und weiter steigender Zahlen, sind das alles keine guten Ergebnisse. In ihrer Dokumentation nennt die „Roland Berger Stiftung" sechs Hebel zur Bekämpfung von Menschenhandel und Sklaverei. „Dazu gehört, den Wohlstand weltweit zu steigern und gerechter zu verteilen, massiv in Bildung zu investieren sowie mit rechtsverbindlichen Standards und deren internationaler Überwachung gegen Täter vorzugehen. Um den Druck auf die Verantwortlichen zu steigern, gilt es, eine kritische Öffentlichkeit zu schaffen und zu mobilisieren. Last not least braucht es Institutionen, die die Opfer beim Ausstieg aus ihrer Zwangslage unterstützen, ihre seelischen und körperlichen Wunden therapieren und ihnen langfristige Perspektiven zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft bieten, vor allem seriöse Verdienstmöglichkeiten." Damit diese Hebel weiter bewegt werden, ist noch viel Energie nötig. Möge Gott, der Liebhaber des Lebens, diese Energie nie versiegen lassen.

Franz-Josef Janicki SVD in die Anregung 3/ 2010