Missionsgebetsanliegen des Hl. Vaters im Mai 2010

Mai 2010

Wir beten für alle Bischöfe und Priester, Ordenleute und engagierte Laien, dass sie ihre Gemeinden zu missionarischer Mitverantwortung anleiten.

In einer Gemeinde wurde ein Besuch von zwei Missionarinnen angekündigt. Es sollten zwei Schwestern kommen: eine aus Deutschland, die in Mexiko gearbeitet hat, und eine indonesische Schwester, die im deutschsprachigen Raum lebt und arbeitet. Beide wollten über ihre missionarischen Erfahrungen berichten, sei es in Mexiko oder in Westeuropa. Auf diese Weise wollten sie in jener Gemeinde auf verschiedene Formen des missionarischen Einsatzes aufmerksam machen, das missionarische Bewusstsein bilden und die Begeisterung für die Verkündigung der Frohen Botschaft wecken.

Die erste Frage, welche die Missionarinnen an die versammelte Gemeinde gestellt haben, lautete: „Woran denken Sie, wenn Sie das Wort `Mission' hören?". „An Geldspenden!", antworteten die meisten. Andere Zuhörer assoziierten Mission mit sozialem Engagement. Missionarisches Interesse, geschweige denn Begeisterung, war nicht zu spüren. Vielmehr war der Tenor dieser Versammlung vorsichtig und sogar distanziert. „Wenn jemand über seine missionarischen Erfahrungen sprechen möchte, der will gewiss auch Geld sammeln" - dachten die meisten wohl. Dass die Schwestern dies nicht beabsichtigt hatten, wunderte die Menschen.

Durch diese Erfahrung wurde mir klar, dass Mission in Europa einseitig verstanden wird, nämlich als finanzielle Unterstützung der ärmeren Länder oder im besten Fall als soziales Engagement. Dieses einseitige Missionsverständnis ist nicht zuletzt durch Erfahrungen entstanden, die Menschen in ihren Gemeinden durch Jahrzehnte gemacht haben. Da ich selber in Polen aufgewachsen bin, habe ich in den ersten Jahren meines Aufenthaltes im deutschsprachigen Raum oft über die Häufigkeit der Spendenaufrufe für Menschen und Projekte in anderen Ländern gestaunt. Gleichzeitig bewunderte ich und bewundere immer noch die enorme Spendenbereitschaft der Menschen in Deutschland.

Ebenso ist der soziale Aspekt der Mission im Bewusstsein der Kirche und der Bevölkerung präsent. Das bestätigt zum Beispiel die Tatsache, dass viele junge Menschen an einem MaZ-Projekt (Missionar/in auf Zeit) Interesse haben. Sie wollen durch ihr Engagement einen Beitrag leisten gegen die Armut und Ausgrenzung in der heutigen Welt.

Allerdings stellt sich für mich die Frage: Erschöpft sich darin unser Missionsverständnis? Kann man sich von einem solchen Verständnis begeistern lassen?

Jesus sagte vor seiner Rückkehr zum Vater: „Geht in die ganze Welt und macht alle Menschen zu meinen Jüngern" (vgl. Mt 28,19). Hier wird die Mission im Sinne des Evangeliums definiert. Es geht darum, allen Völkern das Evangelium zu verkünden. Jesus selbst und sein heilbringendes Wirken ist das Evangelium - die frohe Botschaft. Das ist der Inhalt der missionarischen Verkündigung, und letztendlich resultiert Begeisterung für Mission aus einer Begeisterung für Jesus Christus.

Hier erinnere ich mich an die Worte der Apostel, als man ihnen verbieten wollte, von Jesus zu erzählen. Sie antworteten: „Unmöglich können wir schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben" (Apg 4,20). Das ist meines Erachtens eine Aussage, aus der missionarische Begeisterung spricht.

Nach einer missionarischen Begeisterung im Sinne der Apostel halte ich heute Ausschau. Ist eine solche Leidenschaft für Christus in unseren Breiten eingeschlafen? Ich vermisse heute die Leidenschaft für Jesus Christus. Diese in den Menschen zu wecken, ist unter anderem die Aufgabe und Verantwortung der Priester, Ordensleute und der im Apostolat engagierten Laien. Auf diese Menschen lenkt der Papst im Mai seine Aufmerksamkeit, indem er mit dem ganzen Volk für sie beten möchte. Sie sind Jesus aus Leidenschaft nachgefolgt. Alle verbindet die Begeisterung für Jesus Christus und seine heilbringende Botschaft. Aber sie brauchen unser Gebet, dass sie selbst immer tiefer in die Gottesfreundschaft hineinwachsen. Gerade heutzutage stehen sie vor vielen Herausforderungen. Denn viele Kirchen werden geschlossen, Pfarrgemeinden fusionieren zu großen Seelsorgeeinheiten. Diese Umstrukturierungen werden oft schmerzhaft erlebt. Menschen, die heute im pastoralen Dienst stehen, werden nicht selten dadurch selbst überfordert und leider auch frustriert. Doch es ist notwendig, dass sie die erste Liebe und die Leidenschaft für Jesus Christus in sich wieder neu entfachen. Nur so können sie glaubwürdige Zeugen des Evangeliums sein und die missionarische Begeisterung in den ihnen anvertrauten Menschen wecken.

Gerade heute, wo vieles zusammenbricht, ist es notwendig, Priester, Ordensleute und engagierte Laien im Gebet zu unterstützen. Denn nur wenn sie selbst missionarische Begeisterung ausstrahlen, können sie andere anstecken.

Jolanta Golkowska SSpS in die Anregung 3/ 2010