Allgemeine Gebetsmeinung April 2011

April 2011

Für die Jugend, dass sie durch eine überzeugende Verkündigung der Botschaft des Evangeliums Lebenssinn und Hoffnung findet.

P. Karl Neumann SVD

Ich will die folgende Geschichte nicht ausführlich erzählen, weil Sie sie vielleicht schon kennen: Da liest ein Referent ein Zitat vor, in dem der Schreiber sich über die Jugend von heute beschwert. Sie sei unreligiös, aufsässig, von lockerer Sexualmoral usw. Jeder hat den Eindruck, da werde genau die Jugend der heutigen Zeit geschildert. – Bis der Referent den Verfasser dieses Zitats nennt. Es ist Sokrates, der griechische Philosoph. Er beschreibt die Jugend von Athen, aus dem fünften Jahrhundert vor Christus.

Soll das heißen: Regt euch nicht auf über die heutige Jugend, sie war schon immer so?
Gewiss gab es zu allen Zeiten den Konflikt zwischen den Generationen, und jede neue Jugendgeneration erscheint den Älteren als unmoralisch oder ungehorsam, weil sie das Wertesystem der Älteren in Frage stellt. Und doch gibt es Unterschiede. Es tritt heute immer mehr eine Entfremdung zwischen Jugend und Kirche, Jugend und Glaube ein, die vorher in diesem Ausmaß nicht da war. Die Religionssoziologie kann das wissenschaftlich exakt feststellen. Es genügt aber schon ein Blick in einen normalen Sonntagsgottesdienst, um zu sehen: die Jugend fehlt.

Die Jugend fehlt. Warum?
Woran liegt das? Das ist die große Frage, die man sich schon seit Jahrzehnten stellt. Liegt es an der Sexualmoral der katholischen Kirche, die viele Jugendliche nicht akzeptieren? Vor einigen Jahrzehnten war das der Grund, den viele Jugendliche für ihre Entfremdung von der Kirche angaben. Doch das ist heute nicht mehr so. Die jungen Leute leben zwar schon vor der Hochzeit zusammen, lassen sich aber von der Kirche deshalb kein schlechtes Gewissen machen und sehen darin keinen Grund zum Austritt.

Warum fehlt also die Jugend in der Kirche? Eine andere Auskunft sagt: Die Predigt ist zu langweilig. Die Verkündiger in der Kirche würden die Sprache einer vergangenen Zeit reden, die bei der Jugend nicht mehr ankomme. Die Sprache der Predigt sei abstrakt und habe mit dem Leben der Menschen nichts mehr zu tun. Und Karl Rahner sagt: „Der Priester von heute ist einer, der nach einer neuen Sprache sucht“.

Der Prediger ist kein DJ
Nun heißt das nicht unbedingt: die Sprache der Jugendlichen nachzuahmen. Nicht jene Prediger, die am coolsten auftreten, sind die überzeugendsten, - die mit schmissigen Worten um sich werfen und den Disk Jockey der nächsten Disko nachahmen. Nein, da hat unsere Gebetsmeinung schon recht. Sie spricht von einer „überzeugenden Verkündigung“. Überzeugen kann man nur, wenn man die Botschaft selber lebt – oder wenigstens ehrlich zu leben versucht.

Heute ist das erste Problem nicht mehr, eine zeitgemäße Sprache zu finden. Wo das Ohr taub ist, nutzt auch die beste Sprache nichts. Heute muss es zuerst einmal darum gehen, das Ohr zu öffnen. Das heißt, ein Fundament des Glaubens zu legen. Die Jugendlichen erfahren zu lassen, wie der Glaube ihnen „Lebenssinn und Hoffnung“ (Gebetsmeinung) geben kann. Für diese Umwandlung der ganzen Existenz braucht es unseren ganzen Einsatz – und unser Gebet.