Missionsgebetsmeinung April 2011

April 2011

Für die Missionare, dass sie durch die Verkündigung des Evangeliums und das Lebenszeugnis Christus zu allen bringen, die ihn noch nicht kennen.

P. Herbert Becker SVD, Chile

In dieser Missionsgebetsmeinung lesen wir von dem klassischen, durch Jahrhunderte praktizierten und auch ausprobierten Missionsmodell der Kirche: Der Missionar, - die Verkündigung durch Wort und Leben, - die „Anderen“, d.h. diejenigen, die Christus nicht kennen. Die Missionsarbeit geht in eine Richtung, ausgehend vom Missionar zu den Nichtchristen. Sicherlich muss dieses Modell heute mit der rückläufigen Bewegung ergänzt und erklärt werden, d.h. auch von den „Anderen“ hin zum Missionar, zu den Menschen, die ernsthaft an Christus glauben. Heute wird Mission dialogisch verstanden und gelebt. Darauf kommen wir noch zurück.

Aber halten wir zunächst einmal die Tatsache fest, dass hier ausdrücklich von Christus geredet wird: davon, „Christus zu allen zu bringen“. Das ist großartig und auch mutig, denn heute wird meistens von „Gott“ gesprochen. Sicherlich ist Christus Gott, aber er ist der menschgewordene Gott, nicht Gott schlichthin. Und das bedeutet viel, nicht mehr und nicht weniger als das Rückgrat des Christentums. Sicherlich ist es heute oft oder manchmal vorzuziehen, von Gott oder einem Höchsten Wesen zu reden, aus pastoralen Gründen, mit Rücksicht auf den Gesprächspartner, oder weil heute bei manchen Leuten die christlichen Grundlagen fehlen. Dabei sollten wir aber nicht aus dem Auge verlieren, dass das Neue und Faszinierende unseres Glaubens nicht einfach die Existenz Gottes ist, sondern seine konkrete, menschgewordene Nähe zu uns, die sich Jesus Christus nennt. Deshalb ist es zu begrüßen, dass hier klar von Christus die Rede ist. Vielleicht sollten wir in unserem Sprechen, auf ganz bescheidene Art, mehr christlich und nicht nur „deistisch“ sprechen.

Wie schon gesagt, heute verstehen wir Mission als Dialog. Der wiederum bedeutet, auf den Anderen zuzugehen, auf ihn hinzuhorchen, ihn zu verstehen und gegenseitig voneinander zu lernen, sozusagen gemeinsam einen Schritt weiterzugehen in der Suche nach dem Antlitz Gottes. Dabei ist aber festzuhalten, dass es nicht um ein bloßes Wortspiel geht oder um ein Geplauder, eine Redeübung oder Informationspraktikum. Es ist ein Dialog, der das Leben einbindet. Jeder Gläubige bringt seine tiefsten Überzeugungen mit, in der Hoffnung, dass der Geist Gottes unvermutete neue Wege aufbrechen kann, die zu Gemeinschaft, Verständnis und Liebe führen können. Wenn also die Missionare - Laien, Priester und Ordensleute - das Evangelium verkünden, d.h. mit Leben und Wort dem Andersgläubigen es sozusagen ausbreiten oder darlegen, mit Ehrfurcht vor der Würde eines jeden Menschen, ohne jede Art von Manipulierung, ohne Allüren einer verkappten Welteroberung für den persönlichen Glauben, so tun sie es auch mit dem respektvollen Wunsch: Ich will für dich das Beste und ich bin überzeugt, dass Jesus dazu einen bedeutenden Beitrag leisten kann, eben die Erlösung, die er uns verspricht. Dialog setzt Toleranz voraus. Toleranz ist aber nicht gleichbedeutend mit Indifferenz oder Gleichgültigkeit. Im Gegenteil, Respekt und Toleranz vor der Überzeugung des Anderen setzen die persönliche Ortsbestimmung voraus. Und noch einen Schritt weiter: Nur wer von Überzeugungen lebt, kann sinnvoll in einen Dialog mit anderen eintreten; nur wer Heimat hat, kann sich auf den Weg zu Anderen aufmachen. Kurz in einen Satz gefasst können wir sagen, dass missionarischer Dialog bedeutet: Ich bin dir gegenüber offen, ich will von dir lernen und erkenne das Gute und Positive deiner Glaubenshaltung an. Aber es heißt nicht: Es ist mir egal, was du glaubst.

In der Missionsgebetsmeinung werden uns die beiden Hauptstränge echter Mission vor Augen gehalten: das ausdrückliche Wort, wo es angebracht ist, und das stille Wort, das Zeugnis des eigenen Lebens. Ohne Zweifel sind die stille Verkündigung, Leben und Praxis, die täglichen Haltungen und Einsätze, wirkungsvoller als das bloße Wort, als Predigt oder Katechese. Jesus sprach zu den Menschen und er handelte, lebte und wirkte zu ihrem Heil. Er provozierte die erstaunte Frage: Wer ist er? Es wäre ein sehr guter Kommentar über einen jeden Christen: Wer ist er? Warum tut er das? Warum ist er vielleicht so verschieden?

Nach der Unabhängigkeit des heutigen Kongo von Belgien wird von einem ehemaligen Kolonialherren erzählt, dass er sich mitten im Urwald mit einer kleinen Ordensgemeinschaft von italienischen Schwestern traf. Diese jungen Frauen wohnten unter den indigenen Völkern, inmitten einer großen Armut. Sie halfen, wo sie konnten. Der Belgier sagte ganz erstaunt und fast entrüstet: “Aber, liebe Schwestern, wie halten sie das aus hier? Sie sind jung und könnten eine bessere Zukunft haben.“ Und eine Schwester zeigte auf das Allerheiligste in der Kirche und sagte: “Er hat uns gelehrt, jeden Menschen zu lieben und ihm zu helfen.“ Welch ein Zeugnis!