Allgemeine Gebetsmeinung für den Monat Februar 2011

Februar 2011

Wir beten für die christlichen Familien: Gott unser Vater, mach, dass unsere Familien in ihrem Beitrag für das Wohl der Gesellschaft mehr geachtet und anerkannt werden.

P. Dr. Paul Klein SVD

Kommentar:

Nach den Umfrageergebnissen der letzten Wochen lebt fast jedes 5. Kind ohne Familie. Der Anteil der Alleinerziehenden ist in Deutschland auf 19 % gestiegen. Partnerschaft auf Zeit mit „Lebensabschnittsgefährten“ sind im Trend, sodass die lebenslange Gemeinsamkeit in der Ehe langsam zur Ausnahme zu werden droht. Dabei sind die Kinder immer die Opfer...

Das Auseinanderbrechen der Familien, die immer mehr zurückgehende Hochschätzung der Werte der Familie, bereitet der Kirche große Sorgen.

Es waren in den letzten Jahrzehnten vor allem die Päpste Johannes Paul II und Benedikt XVI, die mit warnendem Finger auf diese Tatsache hingewiesen und in unzähligen Ansprachen und Schreiben versucht haben, die Aufmerksamkeit der Katholiken auf die „Neu-Evangelisierung“ von Ehe und Familie zu lenken.
Worte wie die von Johannes Paul II: „die Familie ist das Herz der Neu-
Evangelisierung“, oder „die Zukunft der Kirche hängt von der Erneuerung
der christlichen Familie jetzt ab“, wollen uns aufrütteln und zur Tat
aufrufen.

Auch unser jetziger Papst, Benedikt XVI, bläst in das gleiche Horn und
fordert uns bei jeder Gelegenheit auf, der Familie wieder den gleichen
Stellenwert zu geben, den sie in der Vergangenheit hatte: der Ort der
menschlichen Gesellschaft, wo Gott in besonderer Weise mit Seiner Liebe
gegenwärtig ist, und wo die Menschen sich in der Gemeinschaft von
Vater, Mutter und Kind zuhause fühlen.

Das ist übrigens auch der Sinn des Festes der Heiligen Familie, das alljährlich gleich nach Weihnachten gefeiert wird. Es geht bei ihm nicht darum, Nostalgie aus Kindheitstagen – mit dem „lieben Jesulein und Ochs und Esel in kalter Krippe und Stall“ – von Jahr zu Jahr wieder neu aufleben zu lassen, sondern um das „Wunder der Liebe“ des Gottsohnes, der sich vor 2000 Jahren entschlossen hatte, für einige Zeit die göttliche Familie mit einer irdischen Familie zu tauschen und allen Menschen das endgültige Heil anzukündigen. Die Frommen im Volk Israel haben schon immer daran geglaubt, dass die menschliche Familie göttlichen Ursprungs ist; seit dem Paradiesgarten sozusagen eine bleibende „göttliche Institution“. Aber erst den Frommen des Neuen Bundes wurde offenbart, dass die menschliche Familie – jede Familie (gläubig oder nicht) – sich dadurch auszeichnet, dass Gott mit seiner Liebe („Gott ist Liebe“, 1Joh 4,16) gegenwärtig ist! Ja, wir können auch zu Recht sagen (und es ist gleichzeitig ein Trost, der Hoffnung spendet), dass wir mit und durch unsere eigene Familie zur Teilnahme an der „göttlichen Familie“ (Gott Vater, Gott Sohn und Gott Heiliger Geist) berufen sind.

Von daher ergibt sich für die Familie eine Würde, die mit rein menschlichen Kategorien und Wissenschaften nur unbefriedigend ausgedrückt werden kann. Andererseits ist die Familie als „Ort der Gotteserfahrung und Gottesbegegnung“ entscheidend für das Gelingen der Schaffung einer gerechten Gesellschaft und für das bleibende Wohl eines Volkes. Deshalb auch der dringliche Appell des Papstes in der Gebetsmeinung für den Februar 2011: „Wir beten für die christlichen Familien: Gott unser Vater, mach, dass unsere Familien in ihrem Beitrag für das Wohl der Gesellschaft mehr geachtet und anerkannt werden!“ Oder wie es P. Martin Neuhauser SVD in der „Anregung“ (letzte Nummer im Jahr 2010, S. 444) gut ausgedrückt hat: „Allmächtiger und guter Gott, schenke unserer Gesellschaft den Sinn für den Wert der Familie und mache alle bereit, gute Rahmenbedingungen für die Entfaltung der Familien zu erstellen!“