Missionsgebetsmeinung Mai 2011

Mai 2011

Dass der Herr der Kirche in China Ausdauer bei der Treue zum Evangelium und beim Wachstum in der Einheit schenke.

P. Herbert Becker SVD, Chile

Wir beten für die Kirche in China, Land geprägt vom Konfuzianismus, Buddhismus und Daoismus, und seit kurzem die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Erde. Für diese Kirche wird etwas Konkretes und Besonderes erbeten, nämlich Treue zum Evangelium und Wachstum in der Einheit. Dieses soll der „Herr der Kirche“ ermöglichen und inspirieren. Der ist ein eigenartiger Herr. Mit „Herr, Herrschaft, herrschen“ hat er wenig zu tun. Bedienstete hat er nicht. Er selbst dient. Er wäscht die Füße seiner Leute, er zieht sich den Kittel an, er bückt sich, er macht sich klein und er trichtert seinen Gefolgsleuten ein: „Wenn einer der Erste sein will, so sei er von allen der Letzte und der Diener aller“(Mk 9,36). Er soll sich bücken, von oben heruntergehen, den Thron verlassen, sich vor der Würde des Anderen neigen. Der heilige Paulus sagt es auf seine Weise:“Wir sind nicht Herren eures Glaubens, sondern Diener eurer Freude“(2 Kor 1,24). Also zu einem solchen Herrn rufen wir für die Kirche in China.

Wie wir alle wissen, lebt die Kirche in China eine ganz einmalige Situation. Die katholische Kirche ist gespalten. Auf der einen Seite die in die Universalkirche integrierte und zu Rom treue, auch Untergrundkirche genannte, und auf der anderen Seite die von der Regierung abhängige und ihr hörige sog. Nationalkirche. Das Regime in China will nicht die Einmischung fremder Einflusssphären dulden, und für dieses ist Rom eine ausländische Macht. Andererseits ist für den Vatikan die Verbindung mit der Weltkirche und eben auch mit Rom ein wesentliches Zeichen ihrer Einheit und Katholizität. Diese beiden unterschiedlichen Gesichtspunkte kommen besonders am sensiblen Thema der Bischofsernennungen und Weihen zum Vorschein.

Vor wenigen Jahren schien es, dass eine Art „Tauwetter“ die hart gefrorenen Fronten etwas auflockern könnte. Die Anwesenheit eines päpstlichen Legaten, Gespräche zwischen der Nationalregierung und Rom, Anerkennung von Bischofsernennungen und Weihen durch jede der beiden Seiten ließen die Hoffnung einer Annäherung aufwachen. Z.Zt. hat es den Eindruck, dass die Standpunkte sich wieder verhärten. Dazu trug vor allem die von Rom als „illegitim“ bezeichnete Bischofsweihe in Chengde, Provinz Hebei, bei. Außerdem wurden dazu acht vom Papst anerkannte Bischöfe nach Chengde unter teilweiser Gewaltanwendung beordert. In einer Verlautbarung des Presseamtes des Heiligen Stuhles vom 24.11.2010 heißt es, dass der Heilige Vater die oben genannte Bischofsweihe bedauert, dass der Druck von Seiten chinesischer Regierungs- und Sicherheitsbehörden eine schwerwiegende Verletzung der Religions- und Gewissensfreiheit darstellt, dass diese Bischofsweihe sich nicht zum Wohl der Katholiken auswirken wird, und dass sich die Behörden entschlossen haben einseitig vorzugehen, zum Schaden für das Klima von Respekt, das zwischen dem Heiligen Stuhl und der chinesischen Nationalkirche mühsam geschaffen worden war. Und vieles spricht dafür, dass „die kommunistische Regierung nie ihren entscheidenden Einfluss auf die Führungskräfte der Kirche aus der Hand geben wird“(1).

In unserer Missionsgebetsmeinung beten wir um „Ausdauer bei der Treue zum Evangelium“. Ausdauer wird wohl nötig sein, um in beharrlichem Dialog Wege für gegenseitige Achtung, Menschenwürde und Gewissensfreiheit zum Wohl der Christen in China zu finden. Es gibt ja auch die Geistgabe der Stärke und Ausdauer, die von oben unterstützt wird. Vielleicht ist die gegenwärtige Situation der Kirche in China auch eine Gelegenheit, um in der Treue zu Jesus und seiner Kirche zu wachsen. 

Wir beten auch um Ausdauer beim Wachsen in der Einheit. Z.Zt. besteht diese Einheit nicht, aber sie ist das Ziel. Und zu diesem Ziel kann die Kirche, und ganz speziell die katholische Kirche in China, nur durch einen langen Prozess gelangen. Natürlich darf die angestrebte Einheit nicht Verrat an der Sache bedeuten, d.h. Schwächung des Glaubens an Christus und an die von ihm ausdrücklich gewollte Einheit seiner Jünger, die im Petrusamt ihren Fels hat.

Diese beiden Pole gilt es in Einklang zu bringen mit der Hilfe des Geistes Gottes, der trennende Wände niederreißen und Menschen verschiedener Sprachen zu Gemeinschaft führen kann: Treue zur gesamten Kirche und nicht nachlassendes Bestreben nach Einheit. Dass damit die chinesischen Katholiken auch gute Staatsbürger bleiben, ist ein aus der Geschichte erlerntes Faktum.

Die Lage unserer Mitbrüder und Mitschwestern in China ist besorgniserregend, so wie auch in einigen anderen Ländern. Nicht umsonst hat Benedikt XVI. eine China-Kommission und einen speziellen Gebetstag für die Kirche in China eingeführt, den 24. Mai jedes Jahres.

Man schätzt die Anzahl der Katholiken in der Volksrepublik China auf 12 bis 14 Millionen. Es ist ein Zeichen begründeter Hoffnung und Freude, dass in der Osternacht 2010 über 3.000 Erwachsene getauft wurden. Die Kirche in diesem riesengroßen Land rechnet mit unserem Interesse, unserem Gebet, und unserer Hilfe.

 

1)       Die Daten dieses Artikels, so auch dieses Zitat und einige Gedanken sind entnommen: China heute, 2010/1 – 2010/2 – 2010/4, China-Zenrum e.V., Arnold-Janssen-Str. 22, Sankt Augustin