Gebetsmeinung des Papstes - August 2018

August 2018

Wir beten zu Gott, unserem Vater, dass bei Entscheidungen in Wirtschaft und Politik der Wert der Familie erkannt und geschützt wird.

Wertschätzung wird oft mit Anerkennung verwechselt. Anerkennung hat etwas mit erbrachter Leistung zu tun, während Wertschätzung in erster Linie eine Herzens- und Geisteshaltung ist. So betrachtet beten wir in der aktuellen Gebetsmeinung auch darum, dass die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft erfahren, sich erinnern oder neu lernen, dass sie selbst wertvoll sind und eine Geisteshaltung entwickeln, die sie befähigt, anderen – im Besonderen Familien – mit Wertschätzung zu begegnen, anders formuliert: den ihnen innewohnenden Wert anzuerkennen und zu würdigen.

Wie könnten denn solche politischen und ökonomischen Entscheidungen aussehen, die die Familie würdigen?

Eine kurze Umfrage bei den mir bekannten Familien hat Folgendes ergeben: Die nicht-berufstätigen Frauen wünschen sich mehrheitlich keine so starke finanzielle Benachteiligung, wenn sie sich ganz ihrer Familie widmen. Und sie wünschen sich deutlich weniger Hürden, wenn sie nach 10 Jahren oder mehr zurück in die Berufswelt gehen wollen. Die berufstätigen Mütter wünschen sich Entlastung, mehr Unterstützung und deutlich mehr Verständnis und Flexibilität beim Arbeitgeber, wenn ihre Kinder krank sind oder sie anderen familiären Verpflichtungen nachgehen wollen.

Die Männer wünschen sich mehrheitlich Befreiung von Lasten, die der Familie inzwischen aufgebürdet werden. Und sie möchten Zeit mit ihrer Familie verbringen sowie echte und anwesende Väter sein.

Über eines haben alle geklagt: mangelnde Wertschätzung.

Interessant finde ich, dass das alles nicht neu ist, aber offensichtlich bis heute nicht oder viel zu wenig umgesetzt wurde. Keiner von den Befragten wünschte sich mehr Lob, sondern schlicht keine Nachteile für ihr Leben als Familie und – Wertschätzung für das, was Familien leisten.

Die Wertschätzung von etwas oder jemandem beginnt im Innern der Menschen. Wussten sie, dass Menschen mit hoher Selbstachtung eher dazu neigen, ihren Mitmenschen mit Wertschätzung zu begegnen? Das Gegenbeispiel dazu sind Mobber, die häufig ein geringes Selbstwertgefühl haben und ihre negativen Gefühle auf ihr Opfer projizieren.

Wenn wir beten, dann kann Gott die Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft innerlich anrühren und sie dazu bewegen, bei ihren Entscheidungen den Familien mit der entsprechenden Wertschätzung zu begegnen.

Dieses Anliegen ist auch ein durch und durch kirchliches Thema, denn die Familie ist der erste und wichtigste Weg der Kirche, wie es Johannes Paul II. in seinem Brief an die Familien oder in seinem Apostolischen Schreiben Familiaris consortio so treffend formuliert hat. Familie ist ein Dauerthema in Kirche, Politik und Gesellschaft. Machen wir es zu einem Thema in unseren Gebeten.

Simone Nefiodow, Dipl. Theologin