Gebetsmeinung des Papstes im Juli

Juli 2018

Wir beten zu Gott unserem Vater für alle Priester, die Müdigkeit und Einsamkeit in ihrer pastoralen Arbeit erleben: dass sie Hilfe und Trost erfahren in inniger Beziehung zu Gott und zu anderen Menschen.

Diesen Monat beauftragt unser Papst uns, für ein wirklich großes Problem zu beten: einsame und müde Priester. Gut, dass Papst Franziskus uns diese Aufgabe wieder ins Gedächtnis ruft und uns anspornt, Gottes Hilfe für diese Priester zu erflehen. Denn hier ist Gebet dringend nötig.

Aber wir sollten mehr tun, denn auch unser Verhalten Priestern gegenüber kann dazu beitragen, dass sie ihre Einsamkeit und Müdigkeit überwinden. Die Gebetsmeinung formuliert es treffend: Hilfe und Trost erfahren in inniger Beziehung … zu anderen Menschen. Also was können wir konkret für unsere Priester tun?

Erstens: Wir können sie entlasten. Jetzt, da unsere Gemeinden immer größer werden und die Aufgaben immer riesiger, da es immer weniger Priester gibt und der Einzelne immer mehr leisten muss, brauchen Priester unsere Mithilfe und unser Engagement. Lassen wir sie mit der Arbeit nicht alleine!

Zweitens: Priester brauchen Freundschaften und „normale“ menschliche Kontakte. Wann haben Sie das letzte Mal ein „normales“ Gespräch mit Ihrem Pastor geführt, wo es nicht um Kirchenpolitik oder die Gemeinde ging, bei dem nicht über Papst, Zölibat oder was auch immer an kritischen Themen diskutiert wurde, wo die Priester nicht aufgefordert werden, dieses oder jenes zu tun? Anders formuliert: geben wir unseren Priestern Raum, Mensch zu sein? Haben Sie Ihren Pastor beispielsweise mal zum Grillen eingeladen, einfach so, wo er ein ganz normaler Mensch sein und die Gemeinschaft anderer Menschen genießen kann? Oder vielleicht zu einem Ausflug, Fußballspiel, Skatabend?

Es ist nicht mehr wie vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Damals war der Besuch des Pastors etwas Besonderes, vielleicht sogar Anlass von Eifersüchteleien unter den Gemeindemitgliedern. In meiner Generation ist das ziemlich anders: Wird ein Priester zu den Treffen mit Freunden eingeladen, dann verursacht das fragende Blicke und verwirrte Gesichter. Nicht zwingend aus Ablehnung, oft sind die Menschen schlicht überfordert, sie wissen nicht, wie sie mit einem Priester umgehen sollen, oder worüber sie mit ihm reden können.

Für Priester zu beten ist einfach, ihnen als echte Freunde zur Seite zu stehen ist schon etwas komplizierter. Aber das ist das Schöne an den monatlichen Gebetsmeinungen unseres Papstes: er scheut keine Herausforderung. Wenn Laien und Priester mit offenem Herzen und Lernbereitschaft aufeinander zugehen, Gott im Gebet um Hilfe bitten und dabei ein hörendes Herz behalten, dann können wir unsere Priester aus der Einsamkeit herausholen. Probieren wir es einfach! Beten wir für unsere Priester, seien wir ihnen Hilfe und Trost und Freunde!


Simone Nefiodow, Dipl. Theologin