Gebetsmeinung des Papstes - März 2018

März 2018

Wir beten zu Gott, unserem Vater, dass die Kirche erkennt, wie dringend die Ausbildung zu geistlicher Unterscheidung ist, und diese sowohl auf persönlicher als auch auf der Ebene der Gemeinden fördert.

Simone Nefiodow, Dipl. Theologin, Sankt Augustin

Gott mischt sich ein. Und zwar in jedes Leben. Gott hat einen Plan und will jedem Menschen Gutes erweisen. Darum will er uns leiten, und darum teilt er jedem seinen Willen mit, indem er uns seinen Heiligen Geist sendet. Na ja, er versucht es. Tatsache ist, wir überhören leider seine Stimme viel zu oft, oder wir verwechseln seine Stimme mit unseren eigenen Gedanken und Wünschen. Oder wir hören auf ganz falsche Geister. Dann wird es richtig chaotisch.

Gott teilt sich allen Menschen mit. Aber wie identifizieren wir unter den vielen Eindrücken, die auf uns einprasseln, seine Stimme?

Ich habe nur ein wenig gegoogelt, und ich muss ehrlich sagen, die Vorträge und Anleitungen zur geistlichen Unterscheidung gehören mit zu dem Vielseitigsten und auch Spannendsten, was ich in unserer Kirche erlebe.

Ein paar Fragen lassen erahnen, wie spannend es ist, das eigene Leben im Hinblick auf diese Führung durch Gottes Geist zu hinterfragen: Wie treffe ich gute Entscheidungen? Spüre ich diese Sehnsucht in mir, Gottes Plan für mein Leben zu erkennen und umzusetzen? Wie stark beherrschen meine eigenen Wünsche mein Gebet? Ist mein Ziel Gott?

Ebenfalls spannend und klar formuliert sind die Ratschläge der Wüstenväter, anhand derer jeder Christ seine inneren Hindernisse oder die Stimmen der bösen Geister erkennen kann: Wecken die Gedanken Neid, Hass oder Rechthaberei? Stören sie meinen Glauben an Gottes Liebe? Werde ich ungeduldig? Resigniere nicht! Wenn Gott spricht, dann bestätigt er seinen Auftrag immer wieder, von außen und von innen. Der Geist der Verwirrung dagegen drückt sich unklar aus und ist sprunghaft, so dass er beim Menschen Unsicherheit, Angst und eine ungesunde innere Anspannung herbeiführt.

Oder ganz praktische Ratschläge: Gott überfordert nie, darum: Halte in allen Dingen Maß! Vergleiche dich nicht mit anderen! Gott lässt reifen, denn seine Gnade berücksichtigt unsere Schwachheit. Gottes Geist lässt den Menschen dabei nicht hochmütig werden, sondern erdet ihn, weil er ihn seine Schwächen nicht vergessen lässt. Der böse Geist dagegen versucht die Fortschritte zu nutzen, um in einem Menschen die Eitelkeit über die eigenen Fortschritte und guten Werke zu wecken.

In dem aktuellen Gebetsanliegen benutzt unser Papst das Wort „dringend“. Ja, die Zeit drängt, und um Fortschritte beim Aufbau vom Reich Gottes zu erleben, müssen wirklich alle Christen lernen sich auf Gottes Führung einzulassen. Nehmen wir die Mahnung unseres Papstes ernst und nutzen wir diesen Monat zur geistlichen Weiterbildung und beschäftigen wir uns sachlich und durch das Gebet begleitet mit der Frage der geistlichen Unterscheidung!

Ein zweites Argument kommt hinzu, das uns ermutigen sollte, uns ausführlich mit dem Thema zu beschäftigen: es macht uns zu wirklich mündigen Christen. Wenn Gott in jedes Leben eingreift, dann muss auch jeder lernen, Gottes Stimme in dem Stimmenwirrwar unserer Zeit zu identifizieren. Und weil Gott für jeden Menschen nur Gutes will, gibt es keinen besseren Grund, allen Christen beizubringen, die Geister zu unterscheiden.

Unser Papst schätzt und fördert mündige Christen. Das aktuelle Gebetsanliegen lässt erkennen, dass unser Papst sich für jeden Menschen eine Gottesbegegnung wünscht, dass jeder Christ in seinem persönlichen Leben Gottes Führung erleben lernen darf. Ein unverzichtbarer Weg dorthin ist, sämtliche Christen – nichts weniger ist mit der Formulierung „persönlich“ und „Ebene der Gemeinde“ gemeint – zur Unterscheidung der Geister zu befähigen. Es gibt genug Vorträge und Bücher, die uns auf diesem Weg die nötigen Fertigkeiten vermitteln. Und das Wichtigste bringt jeder von uns mit: das Gebet. Gehen wir also in Demut zu Gott und beten wird in diesem Anliegen.