Gebetsmeinung des Papstes im Oktober

Oktober 2018

Die Sendung der Ordensleute: Dass sich die Ordensleute wirksam für Arme und Ausgegrenzte einbringen.

Simone Nefiodow, Dipl.-Theologin

Es ist schon ziemlich merkwürdig, wie wütend Menschen werden können, wenn sich Christen den Armen und Ausgegrenzten zuwenden. In unserem Land profitieren alle bis heute vom Mut unserer Ururgroßeltern, die sich unter Lebensgefahr für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen eingesetzt haben, die für die Einführung einer Krankenversicherung gekämpft haben etc. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, wie es noch heute möglich sein kann, dass ein Mensch einen anderen Menschen ermorden lässt, nur weil sich diese Person für die Armen einsetzt.

Die Orden und ihr Engagement für die Armen und Ausgestoßenen gehörten zu den Sternstunden unserer Kirchengeschichte. Die Orden haben auch sonst viel für unsere Kultur und unsere Gesellschaft getan, zum Beispiel für die Wissenschaft, für die Krankenversorgung, für die Bildung, für die Kunst und vieles mehr. Aber die Armenfürsorge und der Einsatz für die Benachteiligten heben sich als besonders positive Beispiele hervor.

Heute sind die Ursachen von Armut vielfältiger als früher, und von Land zu Land sehr verschieden. Es gibt noch immer die materiell Armen, die hungern, weil die Ernte ausfällt, oder weil sie vor Krieg flüchten müssen, die sich keine Schulbildung erlauben können, die nicht einmal eine kleine Hütte besitzen und auf Müllhalden oder Friedhöfen schlafen. Der Kampf gegen die materielle Armut ist nach wie vor aktuell.

Und es gibt eine neue Form von Armut. Mutter Teresa drückte es einmal so aus: „Einsamkeit und das Gefühl unerwünscht zu sein ist die schlimmste Armut.“ Von diesen Armen gibt es heute mehr denn je, und viele von ihnen leben bei uns. Wer kümmert sich um diese Armen? Es ist relativ leicht, etwas Geld zu spenden, um anderen eine Schulausbildung zu ermöglichen. Aber wie heilt man die geistige und seelische Armut? Wer stillt den Hunger nach Liebe?

Eigentlich kann das nur Gott. Nur Er ist in der Lage, dieses „Ja“ zum Menschen zu sagen. Gott will, dass jedes Leben gelingt, er will weder materielle noch geistige noch seelische Armut. Er will, dass die Menschen das Leben in Fülle haben. Er weckt in den Herzen die Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft. Er weckt den Ruf zur Ehe, und Er weckt den Ruf zum Ordensleben. Er sagt „Ja“ zum Menschen und heilt seine seelischen Wunden. Diese vollkommene und bedingungslose Liebe zu wirklich jedem einzelnen Menschen finden wir nur bei Gott.

Damit sind wir bei der aktuellen Gebetsmeinung: Ordensleute und ihr Einsatz für die Menschen. Ihre Lebenshingabe an Gott ist ein sichtbares Zeichen in der Welt und an die Welt: Gott kümmert sich, und Er will das Angesicht dieser Erde verändern. Durch ihre Selbsthingabe werden Ordensleute zu lebendigen Werkzeugen Gottes, die seine Liebe sichtbar und spürbar machen. Durch ihre menschlichen Schwächen sind sie Zeugnis für die Vergebungsbereitschaft und Geduld Gottes. Mit ihrem Einsatz tragen sie dazu bei, die unterschiedlichen Gesichter von Armut in der Welt Schritt für Schritt zu beenden. Aber sie brauchen unsere Hilfe und unser Gebet. Bei vielen Projekten werden Ordensleute von Menschen unterstützt, die sich nicht einem Orden angeschlossen haben, denn zahlreiche Christen spüren den Wunsch, zu helfen und etwas verändern zu wollen. Wie ein roter Faden zieht sich die Hinwendung zu den Armen und Benachteiligten durch die Geschichte der Christenheit. Vereinen wir uns auch im Gebet und beten wir für die Ordensleute, und dass ihr Einsatz für Arme und Ausgegrenzte Wirkung zeigt.