Gebetsmeinung des Papstes im Oktober

Oktober 2020

Wir beten dafür, dass die Laien – insbesondere Frauen – aufgrund ihrer Taufgnade größeren Anteil an kirchlicher Verantwortung bekommen.

Ein kirchenrechtlicher Hinweis zur Klarstellung: Laut Canon 207 § 1 und § 2 sind Laien alle Personen, die keine Weihe zum Priester, Diakon oder Bischof erhalten haben. Anders formuliert: Ein Teil der Ordensleute, sämtliche Nonnen, ein Teil der Mönche und anderer gottgeweihter Personen gehört zur Gruppe der Laien.

Und ein Vorschlag: Wir reden nicht über Ämter, nicht über die Verteilung von Macht, nicht über Geschlechternarzissmus (das bedeutet: ich bin besser als du, denn du bist nur eine Frau – und umgekehrt), und auch nicht über die Vergangenheit. Wir verzichten darauf, über das sakramentale und das allgemeine Priestertum zu debattieren, oder über das, was mit der Taufgnade an Verantwortung verbunden ist. Diese Diskussionen hatten wir in der Vergangenheit schon zur Genüge.

Ich schlage vor, stattdessen betrachten wir, was für Vorteile die männliche bzw. weibliche Sichtweise, welche Begabungen Männer gegenüber Frauen und Frauen gegenüber Männern haben, und das nicht auf der philosophischen Ebene, sondern aufgrund rein neurowissenschaftlicher, pathologischer und soziologischer Untersuchungsergebnisse.

Was haben also die wissenschaftlichen Studien herausgefunden?
* Die meisten Männer werden, während sie arbeiten, durch die Anwesenheit von Frauen ruhiger und sind weniger aggressiv.
* In der Mehrheit steigern Frauen wie auch Männer ihre Leistungen, wenn sie sich bewusst sind, dass sie vom anderen Geschlecht beobachtet werden.
* Tendenziell sind Frauen empathisch intelligenter, d. h. sie sind feinfühliger und freundlicher, während Männer tendenziell emotional stabiler und emotional distanzierter sind.
* Männer und Frauen sind gleich intelligent, nutzen aber unterschiedliche Gehirnregionen sowie andere Denkmuster und kommen (dennoch) zu denselben Ergebnissen.
* Frauen denken eher assoziativ und emotional, Männer denken eher fokussiert, linear und sind stark systemorientiert, d. h. sie machen so gut wie aus allem ein System.
* Laut einer soziologischen, in 52 Ländern durchgeführten Studie denken Frauen personenorientiert, Männer hingegen sachorientiert.
* Frauen haben im Unterschied zu Männern mehr Sinn für Schönheit und sind verletzlicher, Männer zeichnen sich durch Stärke, Selbstvertrauen und Robustheit aus.
* Männer und Frauen unterscheiden sich grundlegend bei so ziemlich allem, bei Muskelaufbau, Hormonsystem, Sprachzentrum, Knochenbau, Nierenwerten, Krankheitsbildern, Blutwerten, am meisten aber bei der Gehirnstruktur.

Es gibt eine Regel: Erst zwei verschiedene Blickwinkel sehen dreidimensional. Das bedeutet: Wenn Männer auf eine Sache schauen, dann bleibt es zweidimensional, denn sie betrachten es mit denselben Denkmustern, mit denselben Hirnregionen. Wenn Frauen auf eine Sache schauen, dann bleibt es zweidimensional, denn sie betrachten es mit denselben Denkmustern, mit denselben Hirnregionen.

Erst wenn mit zwei ungleichen Blickwinkeln eine Sache betrachtet wird, dann wird es dreidimensional. Wenn also der Mann mit seinen eher funktionalen Denkmustern gemeinsam mit der Frau mit ihren eher personalen Denkmustern auf eine Sache schaut, nur dann wird es dreidimensional.

Das kann man auf jeden Fall auf unsere Kirche übertragen. Kleriker sind nun einmal ausschließlich Männer. Aber wenn sie nicht mit Frauen kooperieren, werden sie nie einen dreidimensionalen Blickwinkel erhalten, es wird immer etwas fehlen. Was für ein Vorteil soll darin liegen, wenn unsere kirchlichen Amtsträger sich beim Denken derart selbst einschränken?

Die Unterschiede zwischen Klerikern und Laien machen nichts besser oder schlechter. Wo ist die Begeisterung für das Andere, die Wertschätzung der Vielfalt? Warum können wir als Kirche nicht einfach die Verschiedenheit anerkennen und sie als Ergänzung wertschätzen? Um das zu schaffen, braucht niemand ein Amt, es ist eine Frage des Charakters.

Der Mann ist geschaffen als Ebenbild Gottes, die Frau ist geschaffen als Ebenbild Gottes – warum ist es bloß so schwierig, miteinander auf Augenhöhe umzugehen und sich gegenseitig zu ergänzen?

Eines ist sicher: Wenn es einen Bereich in unserer Kirche gibt, wo nur noch das Gebet helfen kann, dann bei diesem Gebetsanliegen, bei der Frage nach der Rolle der Laien – insbesondere der Frauen – und ihrem Anteil an kirchlicher Verantwortung. Zögern wir nicht, beten wir.

Simone Nefiodow, Dipl. Theologin