Gebetsmeinung des Papstes im Februar

Februar 2021

Beten wir für die Frauen, die Opfer von Gewalt sind, um Schutz durch die Gesellschaft und dass ihre Leiden wahrgenommen und beachtet werden.

Paulus schreibt im Philipperbrief: „Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott.“ Gibt es eine Gebetsmeinung, auf die das mehr zutrifft als auf die aktuelle Gebetsmeinung? Wenn ich bedenke, wie lange Frauen wie selbstverständlich keine Rechte hatten, ohne eigene Meinung und ohne Rücksicht verfügbar sein mussten, und diesen Verhältnissen dagegen die letzten 100 Jahre gegenüberstelle, und wie erdrutschartig sich die Verhältnisse geändert haben, dann kann ich Gott nur von ganzem Herzen für dieses Wunder danken.

Das größte Wunder ist für mich, dass nach all diesen Jahrhunderten unsere Gesellschaft die Gewalt gegen Frauen ächtet. Und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass es ein Wunder ist. Es ist – wie Paulus gesagt hat – richtig: Wenn wir in diesem Monat besonders darum beten, dass Frauen keine Opfer von Gewalt werden, dann sollte der Dank für das, was sich schon alles verbessert hat, nicht fehlen.

Und wie ist die gegenwärtige Situation bezüglich der Gewalt gegen Frauen? Mitte 2020 haben zwei Moderatoren auf einen Teil ihrer Sendung verzichtet, und stattdessen einen 15-minütigen Beitrag mit dem Thema „Männerwelten“ gesendet. In diesem Beitrag ging es um die alltägliche sexualisierte Gewalt gegen Frauen.

An den folgenden Tagen wurde dieser Beitrag in den Medien heftig diskutiert. Eine der besten Fragen, die den Beitrag kommentierten, war: Warum muss noch immer fast jede zweite Frau in Deutschland Opfer von sexueller Gewalt sein?

Anders formuliert: Warum gibt es in ganz Deutschland nur ein einziges Interventionszentrum (finanziert vom Land Rheinland-Pfalz) für Täter und Opfer von häuslicher Gewalt, das solide mit Tätern und Opfern und Kindern arbeitet? Warum hat dieses Projekt, dass seit 20 Jahren erfolgreich hilft Gewalt zu beenden und echte Erfolge aufweisen kann, bisher keine landesweiten Nachahmer gefunden?

Warum überprüfen Firmen und Vorgesetzte nicht, wenn Frauen geradezu regelmäßig „erkranken“? Diese „krankheitsbedingten“ Ausfälle kosten jedes Unternehmen einen Haufen Geld, aber nachgefragt wird nicht.

Warum wird in den Medien der Mann, der seine Partnerin tötet – das passiert in unserem Land jeden dritten Tag – „entschuldigt“ mit Formulierungen wie „Er stand unter Alkoholeinfluss“, oder „Er hatte seine Arbeit verloren“. Auch Frauen trinken zu viel, und verlieren ihre Arbeit, aber wir haben keine vergleichbare Tötungsrate von betrunkenen oder psychisch labilen Frauen gegenüber ihren Partnern.

Die FRA-Erhebung (Agentur der Europäischen Union für Grundrechte) von 2014 zeigte, das rund 63 Millionen Frauen – in Europa – Opfer von körperlicher und/oder sexueller Gewalt wurden. Das gezielte Töten von weiblichen Embryos, Zwangsprostitution, Zwangsheirat, verbale Aggression, Stalking und die vielen anderen Formen von Gewalt gegen Frauen sind nicht mitgezählt.

Diese Zahl zeigt, dass jede weitere Diskussion überflüssig ist, und jeder von uns das Gebetsanliegen dieses Monats zu seiner Priorität machen sollte. Beten wir, voll Vertrauen, voller Dank und Zuversicht, das Gott uns weiterhin führen, das Denken unserer Gesellschaft und die Verhältnisse ändern will – und mit und durch unser Gebet auch ändern wird. Für Gott ist nichts unmöglich. Und: Alle Dinge sind möglich dem, der glaubt – und betet.

Simone Nefiodow, Dipl. Theologin