Gebetsmeinung des Papstes im April

April 2021

Wir beten für alle, die in Diktaturen und in Krisenzeiten ihr Leben riskieren – im Einsatz für fundamentale Menschenrechte.

Beten wir für jene, die im Einsatz für fundamentale Rechte in Diktaturen, autoritären Regimen und in Krisenzeiten, sogar in Demokratien, ihr Leben riskieren.

195 Länder auf der Welt werden derzeit von den Vereinten Nationen als selbstständige Staaten anerkannt. Was schätzen Sie, wie viele dieser Staaten Diktaturen oder Länder mit eingeschränkten Freiheiten sind?

Als unfrei gelten 49 Staaten, darunter sind am bekanntesten Nordkorea, Turkmenistan, China, Sudan und auch Saudi-Arabien. Rund 40 Prozent der Weltbevölkerung leben in unfreien und teilweise diktatorischen Systemen. Das sind fast drei Milliarden Menschen.

Liegt die Ursache für die Unfreiheit am politischen System? Wenn wir auf die Länder schauen, die keine Demokratie haben, dann gelten von diesen 72 Ländern 23 Staaten als eingeschränkt frei und 49 Länder als unfrei. Garantiert die Demokratie Freiheit? Es gibt weltweit 123 Demokratien, aber davon gelten nur 87 als frei, der Rest schränkt die Freiheiten seiner Bevölkerung ein.

Leider gibt es keine Garantie dafür, dass die einmal errungenen Freiheiten und Rechte auch bleiben. Weltweit sehen wir, wie gestandene Demokratien beginnen zu wackeln und wie politische Kräfte an die Macht kommen, die im Grunde die über Jahrhunderte erarbeiteten Freiheiten einschränken oder abschaffen wollen.

Woran liegt das? Was bewegt Menschen dazu, das Rechtssystem auszuhöhlen, Recht und Sicherheit aufzugeben und gegen Rechtlosigkeit einzutauschen? Wie kommt es, dass manche lieber die Meinungsfreiheit abschaffen als zulassen, dass Mitmenschen eine andere Meinung vertreten? Wie kommt es, dass die Freiheit immer und immer wieder in Gefahr ist?

Die Älteren unter uns kennen das Gefühl, in einer Diktatur zu leben. Wahrscheinlich muss man es erlebt haben, um zu verstehen, wie viel Mut es braucht, um gegen ein übermächtiges und teilweise lebensbedrohendes System aufzubegehren und für die Freiheit zu kämpfen.

Solchen mutigen Menschen verdanken wir in Deutschland und Europa, dass wir heute in Freiheit leben, viele Rechte haben und viele andere Vorzüge wie Krankenversicherungen, Arbeitslosenunterstützung etc. genießen können. Denn, realistisch gesehen, wären diese Freiheiten heute nicht da, hätten sich die Menschen früherer Generationen nicht unter Einsatz ihres Lebens dafür eingesetzt.

Diesen Mut und die Bereitschaft, das eigene Leben, die eigene Gesundheit, die Freiheit und die seiner Familienangehörigen zu riskieren, müssen auch die Menschen, die heute in unfreien Systemen leben, aufbringen. Ich persönlich finde es außerordentlich mutig und tapfer, denn wir alle haben nur dieses eine Leben, und dieses zu riskieren und möglicherweise gefoltert zu werden oder sein Leben nur im Gefängnis zu verbringen, das erfordert wirklich Mut und Überzeugung.

Diesen Monat stellt uns unser Papst genau diese Gruppe von Menschen vor Augen. Wir können ihnen durch unser Gebet helfen. Und wir können unser Gebet durch Mithilfe bzw. Unterstützung von Menschenrechtsorganisationen oder eines der kirchlichen Hilfswerke, die die Ursachen für Unfreiheit bekämpfen, unterstützen. Die Geschichte zeigt, dass wir das gemeinsam schaffen können. Helfen wir mit unserem Gebet denjenigen, die im Einsatz für fundamentale Rechte in Diktaturen, autoritären Regimen und in Krisenzeiten, sogar in Demokratien, ihr Leben riskieren.


Simone Nefiodow, Dipl. Theologin