Was muss ich wirklich glauben?

Ratgeber-Glauben

Adam und Eva, Maria und Josef – wie weit sind die biblischen Gestalten historisch tatsächlich Geschichte? Was ist Glaubensgegenstand und was brauchen wir nicht zu glauben?

Pater Hans Peters SVD aus: Stadt Gottes Januar 2007

In der Tat, in der Bibel ist nicht alles wirklich passiert, was an Geschichten überliefert wird. Zwischen Geschichte und Geschichten gibt es einen Unterschied.

Grundsätzlich können wir sagen, dass die ersten elf Kapitel der Bibel, die so genannte „Urgeschichte“, im Wesentlichen Geschichten sind, wo aber kein sicherer his-torischer Hintergrund auszumachen ist. Wir werden nie wissen, wo das Paradies war und ob es das überhaupt jemals auf Erden, wie es in der Bibel beschrieben wird, gegeben hat. Diese Geschichten wollen nicht Orte, Daten, Personen beschreiben, sondern sie sind „Deutungsgeschichten“: Sie wollen etwas Grundsätzliches über den Menschen sagen, und dieses Grundsätzliche wird in solche Geschichten gekleidet. Es geht um Erfahrungen, die jeder Mensch macht, vor allen Dingen um die leidvollen Erfahrungen von Schuld und Versagen. Darum können Menschen aller Zeiten sich in diesen Geschichten wiederfinden. Die Entwicklung der historisch-kritischen Methode, also die Bibel mit ihren unterschiedlichen Texten einer wissenschaftlichen Untersuchung zu unterziehen, hat dazu geführt, diesen Unterschied zwischen Geschichten und Geschichte deutlicher herauszustellen.

Erst mit der Abrahamsgeschichte im 12. Kapitel der Genesis (1. Buch Mose) betreten wir historischen Boden, aber auch nachher werden wir nicht jede Person und jedes Ereignis historisch genau festmachen können. Historisch gesichert sind die Reihe der Könige Israels, das Auftreten der Propheten, die Katastrophen Israels, die wesentlich zur Ausformung eines vergeis-tigten Gottesbildes beitrugen. Auch große Gestalten wie Mose, der Auszug aus Ägypten, die Gesetzesgabe am Sinai, werden uns in Geschichten überliefert, deren exakte Geschichtlichkeit wir nicht im Einzelnen nachprüfen können. Diese Geschichten sind in einem langen Überlieferungsprozess entstanden, der vor allen Dingen dazu diente, dass das Volk Israel sich immer mehr als Volk Gottes erkennen und verstehen konnte. Zwar haben sie irgendwie einen geschichtlichen Kern, aber wir können nicht jede erzählte Einzelheit als so auch geschehen annehmen. Die Kernaussage all dieser Geschichten: Gott hat an unserem Volk gehandelt, und indem wir diese Geschichten weitererzählen, erhoffen wir uns, dass er auch heute an uns handelt.

Für uns Christen sind historisch gesichert das Leben Jesu mit seinen Eltern Maria und Josef, wobei Josef eine eigene Rolle einnimmt; dann die Predigt Jesu vom Reich Gottes, Wundertaten, besonders die Heilungen, die zwölf Apostel, die Passionsgeschichte mit der Bezeugung der Auferstehung, die Entstehung der frühen Kirche, die Rolle des Apostels Paulus. In der Tat: Adam und Eva sind „erfundene“ Gestalten, „Deutegestalten“. Sie wollen allgemein etwas über uns Menschen sagen, während Maria und Josef, die Apostel konkrete historische Gestalten sind, die bis heute in unsere Geschichte hineinwirken durch die Menschen, die in ihrem Glauben und ihrem Leben diesen Gestalten einen bestimmenden und prägenden Platz geben.

In stadtgottes Dezember 2007, Seite