Sollten Christen gegen den Islam vorgehen?

Ratgeber-Glauben

Ich habe Angst vor dem Islam. Sollten wir Christen nicht entschiedener dagegen vorgehen und uns von ihm distanzieren?

Pater Hans Peters SVD aus: Stadt Gottes Mai 2007

Lorem Die Begegnung mit dem Islam ist in der Tat eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Eine Distanzierung hat im kulturellen und religiösen Bereich aber noch nie zu einer angemessenen Lösung der Probleme des Zusammenlebens geführt. Gerade weil wir oftmals den Kontakt mit Andersgläubigen oder -denken- den gemieden haben, konnten wir im Anderen nur eine Gefahr für uns selbst sehen. Oftmals sind aus diesen Bedrohungsgefühlen erst recht Konflikte erwachsen. Es entsteht dann ein Feindbild, in dem alle negativen Fantasien zusammengebraut werden, die oft nichts mehr mit dem konkreten Gegenüber zu tun haben.

Hier hilft nur eines: das Fremde sich näher anzuschauen und kennenzulernen. Nur so wird es seine Bedrohung verlieren. Zugleich ist die Begegnung mit dem fremden Anderen eine Herausforderung, das Eigene tiefer kennenzulernen: Was haben wir als Christen in die religiöse und kulturelle Auseinandersetzung einzubringen? Die Heftigkeit der Abwehr von westlicher Seite hat oftmals auch mit einer inneren Unsicherheit zu tun, weil man nicht weiß, was man in dieser religiösen Auseinandersetzung einzubringen und dagegenzusetzen hat.

Für uns Christen bleibt es der Gott mit menschlichem Gesicht, der in Menschlichkeit sein Wahrheitskriterium hat: Menschenwürde, Respekt vor den Schwächeren, Gleichberechtigung von Mann und Frau, Glaubens- und Gewissensfreiheit u. a. In dieser Neubesinnung auf unsere christliche Identität können wir dann die Begegnung mit den Muslimen angehen und kritische Fragen stellen. Das muss dann auch so weit gehen, dass wir eindeutig sagen, was mit unserem Menschenbild nicht zu vereinbaren ist. Der Islam und jede andere Religion ist nur dann eine Gefahr, wenn er im fundamentalistischen Gewand auftritt, etwa wenn er mit dem Koran das ganze alltägliche Leben regeln will und andere zu einem Leben nach dem Koran zwingen will. Solche Tendenzen zum Fundamentalismus erleben wir aber auch in anderen Religionen, auch im Christentum. Etwa wenn man meint, mit der Bibel alle Fragen lösen zu können, oder keine Lehre des kirchlichen Lehramtes kritisch hinterfragen darf und nur sturen Gehorsam verlangt. So wird jede Religion und jede Weltanschauung zu einer Gefahr. Darum kann nicht Distanzierung die Lösung sein, sondern nur das Zugehen auf den anderen, das Kennenlernen, aber zugleich auch die Auseinandersetzung mit der eigenen Religion und Kultur.

In stadtgottes Dezember 2007, Seite