Ich habe Angst vor dem Tod und dem Nichts

Ratgeber-Glauben

Mich bedrückt, dass es einmal aus sein wird mit mir, dass ich mit jedem Tag auf dieses dunkle Loch einen Schritt näher zugehe.

Pater Eugen Rucker SVD aus: Stadt Gottes März 2008

Christen, Juden und Muslime gehen übereinstimmend in folgenden sieben Denkschritten voran: Dass ich einmal aus dem Nichtsein ins Dasein getreten bin, ist nicht das zufällige Ergebnis blinder materieller Abläufe, sondern des Wirkens des einen guten Gottes, des Herrn auch der Natur. Diesem personhaften Ursprung meines Lebens muss an mir gelegen sein; denn er hat mich als Person geschaffen, die frei denken und lieben, vertrauen, danken und hoffen kann. Wäre ihm nicht an mir gelegen, würde er mich nicht ins Dasein gehoben haben. Also: Ich verdanke mich ihm. Und er kann und will mich auch nicht vergessen. Diesem Schöpfergott sind keine zeitlichen Grenzen gesetzt. Er war es schließlich, der Materie und Zeit überhaupt gemacht hat. Weil er die Macht und Geisteskraft hatte, mich einmal aus dem Nichtsein ins Dasein zu heben, ist nicht einzusehen, dass er diese Macht nicht ein zweites Mal aufbietet, um mir nach meinem Tod ein zweites Leben in einem Leib, so wie es ihm gefällt und wann es ihm gefällt, zu geben. Weil er mich beim ersten Mal nicht aus einem Drang der Notwendigkeit geschaffen hat, sondern ungezwungen und aus völlig freier Güte, kann ich die Hoffnung hegen, dass er mich am Ende meines irdischen Daseins nicht vergessen wird. Ich kann mich in Ruhe der Allmacht und Güte dessen überlassen, der mir das erste Mal Lebensursprung war. In dieser Hoffnung sind vor mir schon Milliarden Menschen gestorben, obwohl es schon seit Jahrtausenden Menschen gegeben hat, die gemeint hatten, bei ihrem Tod ins Nichts zu fallen. Und jedes gemeinsame Beten in den Gemeinschaften der Gläubigen trägt als unausgesprochenen Kern die Übergabe des eigenen, sterblichen Lebens in die Hände des Ewigen verborgen in sich.

In stadtgottes Dezember 2008, Seite