Wie soll ich für dieses Leben dankbar sein?

Ratgeber-Glauben

Ehrlich gesagt fällt es mir schwer, für ein Leben wie meines Gott dankbar zu sein. Besonders wenn ich es mit dem Leben anderer vergleiche. Es gibt da zu viele Minuspunkte in meinem Schicksal.

Pater Eugen Rucker SVD aus: Stadt Gottes September 2008

Warum geben wir so schnell der Neigung nach, im Grau unseres Alltags nur auf die Schwarz-Töne zu starren und unserem Vater im Himmel aufmüpfig das empfangene Gute mit Minuspunkten aufzurechnen? Wenn wir so seufzend und schmollend unserer Todesstunde entgegenhumpeln, vergeben wir eine einmalige Chance. Wir lassen einen der leichtesten und schönsten Wege unbegangen, schon in diesem Leben so etwas wie Erlösung zu erleben. Am Anfang dieser helleren Lebensweise steht freilich eine Grundentscheidung: Ich glaube, dass mein Gott auch die allergeringsten Umstände meines Lebens in seinen machtvollen Armen trägt, und dass er, die Liebe in Person, mir nie etwas anderes als Gutes und Hilfreiches begegnen lassen will und kann. Diese Grundentscheidung schafft eine klare Bahn: Alles, was mir zustößt, Erfreuliches und Unerfreuliches, will mein Bestes und ist dankenswert, auch wenn ich das Gute der dunklen und enttäuschenden Erfahrungen erst später verstehe und aus einem Amen ein Danke machen kann. Diese Grundentscheidung aus dem Glauben gilt es nun zu kleiner Münze im Alltag zu machen. Das „Gott-sei- Dank“ weitet sich so von den offensichtlich schönen Dingen aus auf die bisher unentdeckten Wohltaten: die tausend Wunder meines Körpers, soweit er noch funktioniert, die vielen helfenden Beziehungen, die ich für selbstverständlich oder sogar selbst gemacht halte, der Frieden und die Ordnung im Land, die geistigen Fähigkeiten, die mich hoch über die Reiche der Natur stellen, die Frohbotschaft des Auferstandenen, die uns Leben im Tod verheißt. Umfassender Dank! Je mehr unsere Seele Dank atmet, umso lichter und froher wird das Herz, umso mehr sind wir schon dort, wohin wir bestimmt sind. Die schönste Form des Gottesdankes habe ich dem täglichen Morgengebet einer mir bekannten Querschnittsgelähmten entnehmen können: „Mein Gott, ich danke dir, dass du bist!“ (Siehe auch: Eugen Rucker: Die Freude Deines Heils“, Betrachtungen über das Danken, Eos-Verlag, St. Ottilien, 16 Euro)

In stadtgottes Dezember 2008, Seite