Ist das Fegefeuer abgeschafft?

Ratgeber-Glauben

Was ist vom Fegefeuer zu halten, oder ist das ganz „abgeschafft“?

Pater Hans Peters SVD aus: Stadt Gottes September 2008

Das Fegefeuer ist nicht „abgeschafft“, im Gegenteil, in seiner letzten Enzyklika „Spe salvi“ (Auf Hoffnung hin gerettet) kommt Papst Benedikt XVI. sehr ausdrücklich auf das Fegefeuer zu sprechen (Nr. 46–48). „Abgeschafft“ hingegen wurde vor einiger Zeit durch die römische Glaubenskongregation der sogenannte „Limbus“. Er wurde als ein wie auch immer gearteter gefühlloser Zwischenzustand zwischen den drei theologischen Orten Himmel, Hölle und Fegefeuer betrachtet, in dem sich z. B. die frühzeitig verstorbenen ungetauften Kinder aufhalten sollten. Ganz anders beim „Fegefeuer“: Es ist und bleibt wesentliches Element katholischen Glaubenslebens. Dabei ist sofort festzuhalten, dass der Ausdruck „Fegefeuer“ auch Anlass zu Missverständnissen liefern kann und in der Geschichte bis heute auch liefert im Sinne des „Schmorens von nicht gereinigten Seelen im Feuer“. Alle entsprechenden Vorstellungen, die sich auf bestimmte Visionen beziehen, sind in den Bereich der frommen Fantasie zu verweisen. Oftmals spiegelt sich in ihnen das, was den betreffenden Personen in ihrem Religionsunterricht auf beeindruckende Weise beigebracht wurde. Auch das Werk „Die göttliche Kommödie“ des italienischen Dichters Dante aus dem 14. Jahrhundert, in dem er in einer Jenseitswanderung den Reifungsweg des Menschen mit sehr plastischen Ausmalungen von Hölle, Fegefeuer und Himmel beschreibt, spielt in dieser Fantasiebildung eine große Rolle. Das biblische Fundament für das Fegefeuer ist eher bescheiden. Am meis - ten wird die Stelle bei 1 Petr 3, 15b zitiert: „Er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durch Feuer hindurch.“ Darauf bezieht sich der Papst, wenn er von einem „Reingebranntwerden in der Begegnung mit dem richtenden und rettenden Herrn“ spricht, wobei wichtig ist festzuhalten, dass das Brennen hier ein bildlicher Ausdruck für die reinigende Begegnung mit Christus ist und nicht eine wörtliche Beschreibung. Die Lehre vom Fegefeuer rechnet mit der Möglichkeit und oftmals Wahrscheinlichkeit, dass Menschen in ihrem Leben nicht voll der Liebe Gottes entsprochen haben und so im Augenblick ihres Todes noch nicht reif sind für die Begegnung mit der Fülle der Liebe in Christus. Der Schmerz der Erkenntnis dieser Diskrepanz wäre das, was wir gemeinhin mit Fegefeuer umschreiben. In diesem Schmerz wird der Mensch geläutert und so ganz offen für die Liebe Gottes. Auch wenn unsere Vorstellungen von Zeit für das jenseitige Leben so nicht zutreffen, so ist es doch Überzeugung der Kirche, dass das fürbittende Gebet der Gläubigen den Verstorbenen in diesem Prozess der Läuterung hilfreich ist. Das Fürbittgebet für die Verstorbenen macht deutlich, so der Papst, „dass Liebe ins Jenseits hinüberreichen kann, dass ein beiderseitiges Geben und Nehmen möglich ist, in dem wir einander über die Grenze des Todes hinweg zugetan bleiben“ (48). So gesehen, gereinigt von allen fantasievollen quälerischen Ausmalungen, ist die Lehre vom Fegefeuer auch heute eine tröstliche Erfahrung: Wir müssen im Augenblick des Todes nicht schon perfekt sein, es gibt ein Nachreifen und wir bleiben einander helfend verbunden – über den Tod hinaus.

In stadtgottes Dezember 2008, Seite