Katholisch erziehen – ein Muss?

Ratgeber-Glauben

Ist in einer konfessionsverschiedenen Ehe der katholische Partner verpflichtet, seine Kinder katholisch taufen zu lassen und zu erziehen oder darf er auch einer evangelischen Taufe und Erziehung zustimmen?

Pater Hans Peters SVD aus: Stadt Gottes Dezember 2008

Die Erfahrung zeigt, dass in den meisten konfessionsverschiedenen Ehen die Konfession der Mutter ausschlaggebend ist. Einfach aus dem Grund, weil die religiöse Erziehung auf weite Strecken ihre Sache ist. Sie verbringt normalerweise die meiste Zeit mit dem Kind und hat gerade auch in religiöser Hinsicht sicherlich den ersten wichtigsten Einfluss auf die Entwicklung der Kinder.

In einer konfessionsverschiedenen Ehe wird allerdings im Ehevorbereitungsprotokoll eine Frage an den katholischen Partner angefügt: „Als katholischer Christ haben Sie die Pflicht, Ihre Kinder in der katholischen Kirche taufen zu lassen und im katholischen Glauben zu erziehen. Versprechen Sie, sich nach Kräften darum zu bemühen, dieses sittliche Gebot zu erfüllen, soweit das in Ihrer Ehe möglich ist?“ Diese Frage macht deutlich, dass der katholische Partner grundsätzlich verpflichtet ist, seine Kinder katholisch taufen zu lassen und zu erziehen.

Diese Verpflichtung bleibt auch bestehen, wenn in einer solchen Ehe mit bischöflicher Dispens von der katholischen Eheschließung abgesehen wird und die Ehe nur auf dem Standesamt geschlossen wird oder in der evangelischen Kirche eingesegnet wird. Bei aller Deutlichkeit wird diese Verpflichtung jedoch zugleich auch relativiert durch den Zusatz „soweit das in Ihrer Ehe möglich ist“.

Dieser Zusatz trägt dem Anliegen Rechnung, dass das eheliche gedeihliche Zusammenleben höher zu bewerten ist als die Entscheidung für eine bestimmte Konfession der Kinder. Über diese Frage darf es nicht zu einer Störung der ehelichen Gemeinschaft kommen. Wohl darf es zu einer Auseinandersetzung führen, in der auch deutlich werden kann, wie weit die Partner ihre jeweilige religiöse Tradition, letztlich auch sich selbst, ernst nehmen. Die Entscheidung darf aber nicht zu einer Machtprobe werden, sodass Sieger und Besiegte daraus hervorgehen, sondern ist zutiefst im Gewissen zu fällen mit Respekt vor der Überzeugung des anderen.

Ein entscheidender Grund für die Wahl der Konfession der Kinder könnte auch sein, welchem Partner die religiös kirchliche Bindung wichtiger ist. Und es ist durchaus nicht so, dass dann der andere Partner mit der anderen Konfession völlig außen vor wäre. Dafür haben beide christlichen Konfessionen so viel Gemeinsamkeiten, dass der evangelische Partner durchaus in einer grundsätzlich katholisch orientierten Erziehung wesentlich mitwirken kann und umgekehrt. Wie auch immer die Entscheidung getroffen wird: Die entscheidende Gemeinsamkeit ist, dass es um die gleiche Taufe auf den dreifaltigen Gott geht, eine Gemeinsamkeit, die tiefer geht und höher zu bewerten ist als alle Unterschiede.

In stadtgottes Dezember 2008, Seite