Muss ich mein Leiden „aufopfern“?

Ratgeber-Glauben

Wenn es mir manchmal körperlich nicht gut geht, wird mir öfters bedeutet: „Du musst dein Leiden aufopfern!“ Da habe ich immer ein seltsames Gefühl. Ich möchte doch nicht zu den Wehleidigen zählen. Ich hab’ halt Schmerzen, die ich aushalten muss, Schluss.

Pater Eugen Rucker SVD aus: Stadt Gottes Oktober 2008

In seinem Rundschreiben über die Hoffnung kommt unser Papst auch auf die Redensart „Leiden aufopfern“ zu sprechen. Er gibt zunächst zu, dass in diesem Ausdruck gewiss oft Übertriebenes und Ungesundes zum Vorschein kommen kann. Denn es ist nun einmal nicht zu leugnen, dass überfromme Leute dazu neigen, sich in eine Leidensrolle hineinzusteigern. Der Drang, eigenes Leid zu genießen, ist ja auch von den Psychologen längst als versteckter Masochismus, also als krankhaft-neurotisch entlarvt worden.

Aber dann versucht Benedikt XVI., das Gute und Gesunde aufzuzeigen, das in dieser Sinngebung erlittenen Leides enthalten ist. „Diese Menschen sind überzeugt, dass sie ihre kleinen Beschwerden in das große Mitleiden Christi hineinlegen können, sodass sie irgendwie zu dem Schatz des Mitleids gehören, dessen die Menschheit bedarf. So könnten auch ihre kleinen Leidbelastungen in ihrem Alltag Sinn gewinnen und zum Haushalt des Guten und der Liebe in der Menschheit beitragen.“ Und es wird an die Gestalt unseres Erlösers erinnert, wie er beim Propheten Jesaja uns vor Augen tritt: „Er hat unsere Krankheiten getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm. Durch seine Wunden wurden wir geheilt.“

Also: Christi Leiden waren es, durch die unsere Erlösung geschah; menschliches Leid, das er getragen hat – für uns, aus Liebe zu uns – wodurch uns das ewige Leben möglich wurde. Weil wir Christen aber von diesem Christus und seiner Liebe unser Heil herleiten, hat auch unser Leid Bedeutung und Wert: Indem wir äußerlich dem leidenden Herrn ähnlich werden und im Herzen an der Gottesliebe Jesu teilnehmen. Im gläubigen Gehorsam gegenüber unangenehmen Fügungen des himmlischen Vaters werden wir mit Christus eins und „tragen bei zur Mehrung des Guten und der Liebe im (geistigen) Haushalt der Menschheit“, besonders wenn das Übel unverschuldet ausgelitten wird.

In stadtgottes Dezember 2008, Seite