Ist die Schöpfung gut gelungen?

Ratgeber-Glauben

Gott sah, dass alles sehr gut war (vgl. Gen 1,31) – aber wenn ich mir die Welt mit den schrecklichen geschichtlichen Katastrophen und den unberechenbaren Naturkatastrophen anschaue, bekomme ich meine Zweifel am Wahrheitsgehalt dieses Satzes.

Pater Hans Peters SVD aus: Stadt Gottes April 2008

Dieser Satz wurde von Menschen geschrieben, für die wirklich nicht alles gut war. Der erste Schöpfungsbericht der Genesis (1,1–2,4 a) gehört der sogenannten Priesterschrift an, die in der Zeit des Exils um 500 v. Chr. entstand. Die Menschen dieser Zeit hatten ihr Land verloren, waren als Gefangene in ein fremdes Land verschleppt worden, hatten die Mitte ihres Glaubens, den Tempel, verloren – es war wirklich nicht alles gut bei ihnen. Und doch schreiben sie in dieser Situation von einem Gott, der alles gut gemacht hat. Daran wird deutlich, dass dieser Satz nicht eine einfache Tatsachenbeschreibung sein will, sondern er will als Glaubensaussage verstanden sein und so Menschen in auswegsloser Situation Mut zum Leben vermitteln: Wie auch immer die konkreten Lebensumstände sind und wie auch immer es auf dieser Erde und mit dieser Erde zugeht, es ist gut, hier zu sein und dieses Leben zu leben. Nicht um Tatsachenbeschreibung, sondern um Ermutigung zum Leben in widrigen Umständen – darum geht es bei diesem Satz. Zugleich aber werden wir sagen müssen: Wenn Gott immer eingreifen würde, wenn sich eine Katastrophe anbahnt, wo bliebe dann die Selbständigkeit der Schöpfung, die besagt, dass Gott die Welt in ihr Eigenleben entlässt? Wenn Gott ständig in den Lauf der Dinge eingreifen würde und bei jeder drohenden Katastrophe seine schützende Hand im Spiel wäre, würden wir in einer total harmonisierten Welt leben, in der aber letztlich auch die menschliche Freiheit keinen Platz mehr hätte. Unwetter oder Naturkatastrophen sind Ergebnis von meteorologischen oder geologischen Prozessen. Schöpfung als Entlassung in das Eigensein bedeutet, dass die naturgesetzlichen Abläufe nicht andauernd durch göttliche Eingriffe beeinflusst werden. Wo das scheinbar doch bisweilen geschieht, sprechen wir von einem ausdrücklichen Wunder. Der Naturwissenschaftler kann da nur sagen, dass er es sich nicht erklären kann, der Glaubende bekennt hier ein besonderes Eingreifen Gottes. Dennoch dürfen wir um gutes Wetter und um die Verhinderung von Katastrophen beten. Zugleich wird so auch deutlich, dass alles, was unser Leben ausmacht, in unserer Beziehung zu Gott seinen Platz hat. Auch wenn das Wetter Ergebnis meteorologischer Vorgänge ist und Naturkatastrophen im Nachhinein geologisch erklärt werden können, wir glauben, dass all dies Unbegreifliche von jemandem aufgefangen wird, der jenseits aller Meteorologie und Geologie ist.

In stadtgottes Dezember 2008, Seite