Kontakt mit Verstorbenen?

Ratgeber-Glauben

Dürfen Christen in spiritistischen Sitzungen Kontakt mit den Verstorbenen aufnehmen?

Pater Hans Peters SVD aus: Stadt Gottes Juni 2009

Klar und deutlich: Es ist schwer sündhaft, in spiritistischen Sitzungen zu versuchen, mit Verstorbenen Kontakt aufzunehmen. Diese Versuche gehören in den Bereich des Okkultismus. Der Begriff kommt vom lateinischen „occultus“, übersetzt „geheim“. Der Okkultismus geht davon aus, mit uralten abergläubischen Ritualen und Beschwörungsformeln Kontakt mit kosmischen Kräften – was auch immer man da runter versteht – aufnehmen zu können. Zugleich meint man, so über das Göttliche gebieten und Macht ausüben zu können zum eigenen oder anderer Nutzen oder Schaden. Meistens bleibt es dann nicht bei diesen Praktiken, sondern es kommen andere spiritistische abergläubische Praktiken hinzu, wie Horoskop, Handlinienlesen, Gläserrücken bis hin zu schwarzen Messen. Eine Quelle für solche Kontaktversuche kann auch die Möglichkeit der Verdrängung im Sinne einer Trauervermeidung sein. Wenn jemand in spiritistischer Sicht weiterhin mit einem Verstorbenen direkten Kontakt aufnehmen kann, braucht er sich auch nicht endgültig von ihm zu verabschieden. Diese Vermeidung des Abschiedes, der Trennung und der damit verbundenen schmerzhaften Trauer kann aber zu schweren depressiven Störungen führen. Da in Realität kein wirklicher Kontakt zustande kommt, bleibt es bei einer eigenartigen Zerrissenheit. Dadurch wird auch ein Neuanfang nach dem Tode eines lieben Menschen verhindert. Dieses Phänomen der vermiedenen Trauer, die von Depression zu unterscheiden ist, findet sich allerdings auch außerhalb des spiritistischen Umfeldes. Oftmals werden solche Kontaktaufnahmen damit begründet, dass man so Ängste vor einem ungewissen Jenseits abbauen könne. Die Erfahrung zeigt, dass aber gerade im Gegenteil neue Ängste aufgebaut werden. Ganz gefährlich wird es, wenn aus solchen Kontakten Botschaften „gehört“ werden, etwa die Ankündigung von Todesdaten, drohendem Unglück und anderen furchterregenden Ereignissen. Auf diese Weise kann man sehr unterschwellig Macht über Menschen ausüben und sie manipulieren. Es ist letztlich der Versuch, mit menschlichen Mitteln in einen Bereich einzudringen, der allein Gott vorbehalten ist und wo die einzige legitime „Kontaktaufnahme“ das gläubige vertrauende Gebet ist. Im gläubigen Gebet wird das Geheimnis respektiert und nicht in besitzergreifender Neugier eine Grenze überschritten, die zu respektieren der Geschöpflichkeit, also der Begrenztheit des Menschen entspricht. Im Gebet dürfen wir uns den Verstorbenen nahe wissen und sie uns nahe wissen, eine Nähe, die zutiefst gegründet ist in der Nähe Gottes, des Gottes der Lebenden und der Verstorbenen.

In stadtgottes Dezember 2009, Seite