Wie erkläre ich das Dogma?

Ratgeber-Glauben

Die Aufnahme Mariens in den Himmel „mit Leib und Seele“ – wie wörtlich ist dieses Dogma zu nehmen? Wie kann ich das anderen Menschen erklären?

Pater Hans Peters SVD aus: Stadt Gottes Januar 2009

Die Aufnahme Mariens in den Himmel „mit Leib und Seele“ – wie wörtlich ist dieses Dogma zu nehmen? Wie kann ich das anderen Menschen erklären?

Im Jahre 1950 wurde die Aufnahme Mariens „mit Leib und Seele“ in den Himmel dogmatisch definiert und als von allen Gläubigen festzuhaltende Glaubenswahrheit vorgestellt. Am ehesten können wir uns dem Wahrheitsgehalt dieses Dogmas nähern, wenn wir uns die Stellung dieses Geheimnisses im betrachtenden Gebet des Rosenkranzes vor Augen führen. In den ersten Geheimnissen geht es um geschichtliche Ereignisse, vor allen Dingen um die Geburt Jesu; am Ende, bei der Krönung Mariens, geht es um symbolische Frömmigkeitssprache, die Poesie sein will und keine Tatsachenbeschreibung: Im Himmel gibt es keine Gegenstände, auch keine Kronen. Ausgedrückt werden soll, dass Maria die Heiligste aller Heiligen ist, aber nicht, was genau im Himmel passiert.

Mit der Aussage „der dich o Jungfrau in den Himmel aufgenommen hat“, dogmatisch präzisiert, „mit Leib und Seele“, befinden wir uns genau zwischen lobpreisender symbolischer Sprache und historischer Tatsache. Im Dogma enthalten ist die Vorstellung, dass der Leichnam Mariens nicht dem normalen Verwesungsprozess anheimgefallen ist, sondern von Gott in den Himmel aufgenommen wurde. Wie, das wissen wir nicht. Ihr Leib wurde verwandelt, so wie wir von uns hoffen, daß wir mit einem verwandelten Leib in der Herrlichkeit sein werden.

Der Sinn des Dogmas ist es zu betonen, dass der Himmel nicht weniger reale Angelegenheit sein wird als unser jetziges Leben. Er ist eben nicht nur das Leben von „unsterblichen Seelen“, sondern wir werden dort als volle Menschen, mit „Leib und Seele“ und damit als ganze Menschen vor Gott leben, wenn auch verwandelt und „verklärt“. Paulus drückt es so aus: „Gesät wird ein irdischer Leib, auferweckt ein überirdischer Leib. Wenn es einen irdischen Leib gibt, gibt es auch einen überirdischen“ (I. Kor 15,42–44).

Die leibliche Aufnahme in den Himmel will eben dies festhalten: der Himmel als Leben in Fülle, Mehr-Leben als das Leben auf der Erde. Was bei Maria wegen ihrer einzigartigen Nähe zu Christus, gerade auch ihrer körperlichen Nähe durch Schwangerschaft und Geburt, in ihrer Aufnahme in den Himmel „mit Leib und Seele“ vorweggenommen wurde, das erwarten wir Christen auch für uns und alle Menschen: Leben in Fülle, mit Leib und Seele, bei Gott.

Eine Bemerkung am Rande: Auffallend ist, dass in der Geschichte der Kirche, wo den Reliquien der Heiligen immer besondere Verehrung zuteil wurde, nirgendwo jemals ernsthaft behauptet wurde, irgendwelche Körperreliquien von Maria zu haben, und das lange bevor es dieses Dogma gab.

In stadtgottes Dezember 2009, Seite