Hilfe, ich kann mich nicht entscheiden!

Ratgeber-Glauben

Ich staune immer darüber, wie leicht und beherzt sich viele Menschen entscheiden können. Ich beneide sie: Ich kann das nicht. Selbst bei kleineren Problemen habe ich große Schwierigkeiten, zu einer Entscheidung zu kommen. Ich überlege hin und her und her und hin und lasse dann doch oft alles in der Schwebe. Dadurch habe ich schon manche Gelegenheit verpasst, um besser und glücklicher leben zu können. Habe ich mich dann doch entschieden, möchte ich alles wieder rückgängig machen. Das kann doch nicht immer so weitergehen!

Pater Franz-Josef Janicki SVD aus: Stadt Gottes Juli 2009

Ja, der Meinung bin ich auch. Als Kind konnten Sie sich noch alle Optionen offenhalten. Wie wir aus der Entwicklungspsychologie wissen, können Kinderhirne noch keine komplexen Entscheidungen fällen. Aber zum Prozess des Erwachsenwerdens gehört es zu lernen, Entscheidungen zu fällen und für sie Verantwortung zu übernehmen. Natürlich berauben wir uns mit jeder Entscheidung der alternativen Möglichkeit und haben dann oft das Gefühl, etwas Wichtiges zu verpassen. Es ist aber eine Illusion, alle Möglichkeiten, die das Leben uns bietet, auch wirklich durch- und ausleben zu können. Wir müssen wählen und uns entscheiden. Andernfalls geraten wir in eine Lebensverweigerung, die Psychologen „Entscheidungs-Paralyse“ nennen. Konkrete Wege, dieser Gefahr zu entgehen, tun sich auf, wenn wir einfach immer wieder, zunächst in kleinen und unbedeutenden Wahlsituationen, Entscheidungen fällen und so das Vertrauen entwickeln, dass ihnen immer eine Güte anhaftet, wenn vielleicht auch nicht die optimal mögliche, die unser Leben bereichert. Das dadurch gewonnene Entscheidungsvertrauen bildet mehr und mehr eine gute Basis, sich mutig und beherzt größeren Situationen zu stellen und sie durch Entscheidungen zu lösen. Dabei werden wir immer neu gegen die Macht des Gewohnten und Eingefahrenen angehen müssen, das Streben nach dem Optimalen und Perfekten als illusionär erkennen dürfen und darauf hoffen, dass die Konsequenzen, die sich aus unseren Entscheidungen ergeben, gut verlaufen.

In stadtgottes Dezember 2009, Seite