Warum macht mich mein Glaube nicht froh?

Ratgeber-Glauben

Obwohl ich täglich bete und jeden Sonntag in meine Kirche gehe – einige Jahre war ich dort sogar mit tätig –, hat mir mein religiöses Leben nie die Freude gebracht, die ich mir vorgestellt habe und die ich auch bei manch anderen gesehen habe. Was mache ich falsch?

Pater Eugen Rucker SVD aus: Stadt Gottes April 2009

Versuchen wir die Quellen der „Freude an Gott“ zu entdecken, die „unsere Kraft“ sind (Nehemia 8,10): Hilfsbedürftigen notwendige Dienste zu erweisen und so Jesu Hauptgebot zu erfüllen, kann in uns eine tiefe Freude und Befriedigung entstehen lassen. Von Jesu einzigartiger Art zu leben, von seinen Worten und seinem Tun zu hören, kann uns aufatmen lassen angesichts unserer Armseligkeit und dem Meer des Bösen in der Welt. In einer ruhigen Stunde staunend zu erkennen, dass ich existiere und immer noch am Leben bin, obwohl schon viele Gleichaltrige verschwunden sind, kann in mir ein einmaliges Glücksgefühl auslösen. Froh kann mich auch ein Blick auf mich und mein Menschsein machen, meine Begabung fürs Geistige, meine Freiheit, meine Kreativität. Und, ist es nicht seltsam: Immer wenn ich im Dunkel meines Lebens mich aufmache und Gott suche, seine Wirklichkeit, seine Liebe, von der so viel die Rede ist – schon dieses Suchen und Tasten nach ihm allein schenkt mir eine tiefe Befriedigung; gläubige Sinnsuche kann froh machen. Und wie oft habe ich beim Durchstreifen der Natur, der sichtbaren Offenbarung Gottes, Glück aufsteigen fühlen. Oder wenn ich mich erinnere, wie mich Musik und Kunst überhaupt beglücken und mich selbst vergessen machen können, und überlege, dass Gott die Urschönheit und die Quelle alles Schönen ist, berühre ich das Reich reiner Freude. Schließlich ist es jedes Danken Gott oder guten Menschen gegenüber, was mich froh stimmt; denn das Danken selbst hat als Seele die Freude in sich, wie das Lieben überhaupt. Je mehr ich mein Danken auf alle Dinge und Umstände ausdehne, je mehr ich im Gutsein meiner Mitmenschen den guten Gott als Ursprung wahrnehme, umso mehr gibt es für mich keinen Tag ohne Freude an Gott mehr. Lesen Sie weiter in meinem Buch: „Die Freude Deines Heils. Betrachtungen über das Danken“, Eos-Verlag.

In stadtgottes Dezember 2009, Seite