Warum Maria nicht anbeten?

Ratgeber-Glauben

Manchmal wird uns Katholiken vorgeworfen, wir würden die Gottesmutter und die Heiligen anbeten. Was ist dazu zu sagen?

01.03.2009 | Pater Hans Peters SVD aus: Stadt Gottes 2009

Wenn man diesen Vorwurf gutwillig interpretieren will, könnte man sagen, dass die Leute „beten zu“ mit „anbeten“ verwechseln, wobei dann die Silbe „an“ mehr die Richtung des Gebets zum Ausdruck bringt und nicht einen wesentlichen Unterschied in der Art des Betens. Wir beten in der Tat zur Gottesmutter und den Heiligen, aber wir beten sie in keinster Weise an. Der Kirche war es im Lauf der Geschichte ein großes Anliegen, diesen entscheidenden Unterschied festzuhalten und immer wieder deutlich zu machen. Gerade auch in der Auseinandersetzung mit den Reformatoren hat die Kirche darauf hingewiesen, dass Anbetung Gott allein zukommt, die Heiligen hingegen verehrt werden. Die allein Gott gebührende Anbetung hält am unendlichen Unterschied und der radikalen Verschiedenheit zwischen Schöpfer und Geschöpf fest. Allein Gott gebührt ein „voll und ganz“ der Hingabe. Die Kniebeuge ist in der westlichen lateinischen Kirche jener Gestus, der diese Anbetung am deutlichsten zum Ausdruck bringt, vor allen Dingen vor den eucharistischen Gaben im Tabernakel. Maria und alle Heiligen nehmen im Vergleich zu Gott und Christus immer eine „untergeordnete Aufgabe“ wahr, so das II. Vatikanische Konzil, und dementsprechend ist bei ihrer Verehrung immer auch bei aller Begeisterung die entsprechende Zurückhaltung zu beachten, dass den Heiligen nicht etwas gegeben wird, was allein Gott zukommt. In der Praxis kommt es da allerdings bisweilen zu eigenartigen Vermischungen, etwa wenn man sich manche überschwänglichen Marienlieder anhört, die dieses „voll und ganz“ unbedacht auf Maria übertragen, oder wenn die Kniebeuge vor den Heiligenbildern gemacht wird, wobei das Knien selbst als Gebetshaltung davon noch einmal zu unterscheiden ist. Wenn man diese Texte als Poesie versteht, mag das noch hingehen, wenn sie als formulierte exakte Glaubensaussagen gelten, geben sie ein sehr schiefes, um nicht zu sagen falsches, Glaubensbild ab. Gerade auch in diesem Punkt ist im ökumenischen Gespräch alles zu vermeiden, was in Wort, Schrift oder Tat die getrennten Brüder oder jemand anderes bezüglich der „wahren Lehre der Kirche in Irrtum führen könnte“ (II. Vat. Konzil). Die Ablehnung der Heiligenverehrung durch die Reformatoren ist weithin begründet in einer Art der unguten und übertriebenen Marien- und Heiligenverehrung der damaligen Zeit, die in Gefahr stand, Christus mehr oder weniger zu verdrängen. Zugleich aber ist festzuhalten: Die gesunde Heiligenverehrung ist ein Glaubensbekenntnis, dass Gottes Gnade wirklich auch bei den Menschen ankommt. Die Heiligen sind der „Beweis“, dass Gottes Handeln an der Welt und in der Welt nicht umsonst war, sondern im wahrsten Sinne des Wortes von Erfolg gekrönt ist, wobei die Gottesmutter Maria sicherlich die „schönste Krone“ ist, poetisch ausgedrückt. Die Fürbitte der Heiligen ist eigentlich die vollendete und verwandelte Fortsetzung dessen, was sie schon zeit ihres Lebens getan haben und gewesen sind: sich voll und ganz für Gott und den Nächsten einsetzen.

In stadtgottes Dezember 2009, Seite