Warum gibt es keine Beicht-Nachhilfe?

Ratgeber-Glauben

Bildungsangebote und Beichte

P. Hans Peters SVD aus stadtgottes März 2010

Warum wird Beichtunterricht praktisch nur für Kinder erteilt, aber für Erwachsene wird dieses Thema nicht weiter vertieft und erklärt?

Die Beichte ist sicherlich einer der kritischen Punkte unserer gegenwärtigen pastoralen Lage. Aus den Gemeinden ist sie auf weite Strecken verschwunden, aber an Wallfahrtsorten und bei kirchlichen Großereignissen (Katholikentage, Weltjugendtage) ist sie durchaus präsent. Diese Frage ist allerdings auch eine grundsätzliche Anfrage an die Pas - toral: Wie verhalten sich Zeit und Energie, die bei der Katechese von Kindern und Jugendlichen investiert werden, zu dem, was an Zeit und Energie für die Fort- und Weiterbildung von Erwachsenen eingesetzt wird? Wäre es nicht genauso wichtig, in die Nachbereitung Zeit und Energie zu investieren, um so zu einer größeren „Nachhaltigkeit“ zu kommen? Im Bereich der Beichte wird deutlich wie in sonst keinem anderen Bereich: Wenn keine Fortbildung in der Gewissensbildung stattfindet, wird das Beichtsakrament aus dem Bewusstsein vieler Gläubigen verschwinden. Während früher bisweilen die Gewissensbildung dazu angetan war, Menschen ängstlicher und manchmal sogar skrupulöser zu machen, besteht heute die Gefahr, dass das Gewissen eine ungestalte Gefühlsmasse bleibt – man hat irgendwo und irgendwie ein „schlechtes Gewissen“ – was sich aber nicht auf das konkrete Verhalten der Menschen gestalterisch auswirkt. Gewissensbildung, die Förderung einer Sensibilität für Gut und Böse, sind somit die entscheidenden Punkte einer guten Beichtkatechese. Jede Zeit hat da ihre eigenen moralisch- kritischen Punkte. Heute muss der Umgang mit den „neuen Medien“ sicherlich ein wichtiger Teil einer modernen Gewissensbildung sein. Praktisch alle Gewaltgeschichten, vor allem Amokläufe von Jugendlichen, haben einen Medienhintergrund von Gewaltvideos. Umweltfragen (fahre ich unnötig Auto und vermehre so den CO2-Ausstoß?), Fragen der weltweiten Gerechtigkeit (kaufe ich Billigartikel, auch wenn ich weiß, dass sie unter ungerechten Bedingungen produziert wurden?), Achtung und Ehrung des Lebens unter allen Umständen, vom allerersten Anfang bis zum letzten Ende – das alles sind Fragen, mit denen sich eine zeitgemäße Gewissensbildung auseinandersetzen muss. Allerdings ist auch zu bedenken: Kein Sakrament ist in der Geschichte der Kirche so vielen Wandlungen unterworfen gewesen wie das Bußsakrament. Der Kirche der ersten Jahrhunderte war die „Andachtsbeichte“, wie sie sich später entwickelte, völlig unbekannt. Heute können gemeinsame Bußandachten gerade in Richtung einer qualifizierten Gewissensbildung eine wichtige Rolle spielen. Wie dem auch sei: Ohne weitere Vertiefung und Erklärung bleibt nicht nur die Beichte, sondern Glaube überhaupt auf Dauer auf der Strecke. So gibt es auch eine moralische Verpflichtung, sich im Glauben weiterzubilden und ihn so zu vertiefen.

In Ausgabe 11-2010, Seite