Buße tun – wie geht das?

Ratgeber-Glauben

Werke der Busse

P. Hans Peters SVD aus: stadtgottes Juni 2010

Was ist eigentlich unter christlicher Buße und christlichen Bußwerken zu verstehen?

Die Buße gehört in die Mitte des christlichen Lebens. Jesus beginnt seine öffentliche Verkündigung, an Johannes den Täufer anknüpfend, mit den Worten: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe, bekehrt euch und glaubt an das Evangelium“ (Mk 1,15). „Bekehrt euch“ kann mit „tut Buße“ übersetzt werden. Dabei ist der ursprüngliche griechische Ausdruck von Bedeutung: „Metanoeite“ heißt genau übersetzt: Ändert euren Sinn. Buße hat also mit Sinnesänderung zu tun. Während im weltlichen Bereich eine Buße oftmals eine auferlegte Tat ist, etwa ein zu zahlendes Bußgeld, geht es in der christlichen Buße um eine Veränderung, die das Innere des Menschen betrifft. Der Christ macht die Erfahrung, dass die Anfangsgnade der Taufe nicht so bewahrt und entfaltet wird, wie sie in ihm angelegt ist. In der Buße wird diese Erfahrung aufgearbeitet. So sehr es in der Buße um eine Dis - tanzierung von Bisherigem geht: Noch wichtiger ist die Hinwendung zum Angebot und Anspruch des Reiches Gottes und die Bereitschaft, diese neuen Lebensmöglichkeiten zu verwirklichen. Es geht darum, in gewisser Weise ein anderer zu werden, sodass bestimmte negative Verhaltensmuster nicht mehr das Leben bestimmen. Die klassischen Lasterkataloge sprechen vitale Lebensbereiche an, in denen der Mensch immer wieder gefährdet ist. Habsucht, Genusssucht, Machtgier, konkretisiert in der Sucht nach Geld, Sex, Macht, sind die wesentlichen Bereiche. Die Buße will dabei diese Kräfte nicht verdrängen, sondern ihre Tendenz, immer wieder über das Ziel hinauszuschießen, gestalten und formen, damit sie sich gedeihlich für den Menschen und seine Mitwelt entfalten können. Die österliche Bußzeit will eine Zeit der besonderen Einübung solchen menschendienlichen Verhaltens sein. Dabei kommt dem Fasten, also dem bewussten Verzicht auf gewisse Speisen und Getränke, in heutiger Zeit eine neue Bedeutung zu. Es geht gegen die Tendenz des Menschen, sich alles einzuverleiben und zu konsumieren, ohne sich Gedanken darüber zu machen, ob der Vorrat für alle reicht. Es geht darum, gegen suchthafte Verhaltensweisen vorzugehen, von denen unsere Gesellschaft heute mehr denn je geprägt ist. Genauso wichtig sind Bußwerke, die bewusst einen Wert verwirklichen wie das intensivere persönliche Gebet. Oder sich neu auf Beziehungen einlassen, vor allem, wenn sie schuldhaft zerbrochen wurden. Dann geht’s darum, Vergebung zu erbitten und zu gewähren. Wie auch immer: Es geht um Sinnesänderung, um Verwandlung des ganzen Menschen, begleitet und getragen von der Gnade Gottes.

In Ausgabe 11-2010, Seite