Mein Geiz macht mich kaputt!

Ratgeber-Glauben

Geiz verdirbt Lebensfreude

P. Franz-Josef Janicki SVD, stadtgottes November 2010

Als Kind hatte ich ein sehr entbehrungsreiches Leben. Wir waren arm. Auch später habe ich sehr sparsam gelebt und mir nie etwas gegönnt. Jetzt habe ich eine größere Summe im Lotto gewonnen. Aber die Freude ist mir bald vergangen. Ich verwende fast meine ganze Zeit darauf, den Gewinn zu bewahren und zu vergrößern. Jetzt entdecke ich, dass ich schon immer ein geiziger Mensch war, der sich und anderen kaum etwas gönnen kann. Dafür verachte ich mich. Aber ich komme von meinem Geiz nicht los. Er verdirbt mir meine Lebensfreude.

Sich zu verachten für seinen Geiz, ist nicht gerade förderlich, um von ihm loszukommen. Sie sollten zunächst einmal akzeptieren, dass Sie nach Ihrer Einschätzung geizig sind. So ist das eben! Verändern können Sie nur etwas, das Sie an sich selbst anerkennen – egal, ob Sie das nun gutheißen oder nicht. Dazu brauchen Sie aber eine große Portion Geduld mit sich selbst und den Mut, sich nach eventuellen Rückschlägen dennoch zu ertragen. Über lange Zeit eingeschliffene Verhaltensmuster, die sich schon zu Charaktereigenschaften ausgebildet haben, sind nicht so einfach mit ein wenig gutem Willen ab- oder umzubauen.

Ich empfehle Ihnen, den „Kampf“ gegen den Geiz nicht frontal und gleichsam mit offenem Visier zu führen. Zu einer klugen Taktik in diesem Prozess gehört, Ihre durch den Geiz überlagerten übrigen Interessen, Vorlieben, Gaben und Begabungen wieder zu entdecken, sie zu fördern und zu stärken. Das eröffnet Ihnen andere Perspektiven auf Ihr Leben und potenziert Ihr Selbst- und Selbstwertbewusstsein. Darüber hinaus rate ich Ihnen, immer wieder auch Ihr Leben in kleinen Portionen mit anderen zu teilen. Dabei braucht es nicht immer um Geld zu gehen. Sie werden dann erleben, wie gut das Ihnen und anderen tut und die wechselseitige Lebensqualität erhöht. Dann wird auch wieder Ihre Lebensfreude wachsen.

In Ausgabe 11-2010, Seite