Warum lässt Gott Katastrophen zu?

Ratgeber-Glauben

Schöpfer Gott und Katasrtophen

P. Hans Peters SVD aus: Stadt Gottes April 2010

Wenn Gott Herr der Schöpfung ist, warum verhindert er dann nicht Naturkatastrophen, die so vielen Unschuldigen das Leben kosten?

Zunächst muss ein großes Missverständnis ausgeräumt werden: Katastrophen dürfen nicht als Bestrafung Gottes für unbotmäßiges Verhalten der Menschen angesehen werden, wie das in der Vergangenheit oft geschehen ist und bisweilen auch heute noch geschieht. Das würde bedeuten, einen willkürlichen Gott zu propagieren, dem die vielen unschuldigen Opfer nichts ausmachen und der seinem Zorn über die Sünden der Menschen freien Lauf lässt. So ein Willkür-Gott ist nicht mit der Gottesverkündigung Jesu vereinbar. Zugleich aber stellt sich auch die Frage: Wenn Gott jedes Mal in den Lauf der Naturgewalten eingreifen würde, dann hätten wir eine perfekte Welt, wo alles am Schnürchen laufen würde. Wie ein Marionettenspieler hätte Gott alle Fäden in der Hand. Wo bliebe da noch Raum für Selbstständigkeit und Freiheit? Ebenso muss gefragt werden, was denn der Ausdruck „Herr der Schöpfung“ eigentlich meint. Wir sind hier in der Glaubenssprache: Alles, was existiert, ist grundsätzlich von Gott gewollt. Aber das heißt nicht, dass er alles „regiert“, indem er ständig eingreift. Dafür hat er die Naturgesetze geschaffen, die den konkreten Ablauf der Dinge regeln. So bedeutet „Schöpfung“, dass Gott seine Schöpfung in die Eigengesetzlichkeit entlässt. Dazu gehört auch die Selbstständigkeit der Entwicklung des Lebens, wie wir sie mit der Theorie der Evolution beschreiben. Hier muss man fast sagen, dass Gott diesen Prozess respektiert um des Eigenseins und der Selbstständigkeit der Schöpfung willen. Dabei bleibt durchaus die Möglichkeit eines wunderbaren Eingreifens gewahrt, wenn es etwa um Heilungen geht, die wir mit heutigem Wissensstand der Medizin nicht erklären können. Im Bereich der Eigengesetzlichkeit der Natur kann aber schon mal etwas durcheinandergeraten. Da wird man eben nicht einfach sagen können, dass Gott alles so „herrlich regieret“, wie es in einem Lied heißt, sondern da wird immer auch die Klage um die scheinbare Abwesenheit Gottes ihren Platz haben. Wenn wir dann dennoch von Gott als dem „Herrn der Schöpfung“ sprechen, so soll darin gegen die unmittelbare Erfahrung der scheinbaren Abwesenheit Gottes der Glaube an ein letztes Gehalten- und Getragensein festgehalten und gestärkt werden. So ein Glaube kann dann Mut und Kraft geben, uns in den Katastrophen als Menschen zu bewähren, indem wir den Opfern unsere Hilfe schenken.

In Ausgabe 11-2010, Seite