Das „Jesusgebet“– was ist das?

Ratgeber-Glauben

Jesusgebet - unaufhörlich beten

P. Eugen Rucker SVD stadtgottes Oktober 2010

Kürzlich habe ich den Begriff „Jesusgebet“ gehört. Was ist das? Wie wird es gebetet? Was bewirkt es? Und kann es jeder Christ beten?

Was man heute „Jesusgebet“ nennt, ist ein tief gläubiges Bemühen, der Aufforderung Jesu und des Apostels Paulus möglichst vollkommen zu entsprechen: tatsächlich immer „unaufhörlich zu beten“, also mit Gott im Kontakt zu sein und zu bleiben. Schon seit über eineinhalb Jahrtausenden streben Christen, vor allem in der Ostkirche, nach diesem Himmel auf Erden. Diese Form des Allzeit-Betens besteht in einem möglichst dauernden Anrufen des Namens Jesu: „Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner“ oder „Jesus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner“ oder einfach „Herr Jesus Christus“, „Jesus Christus“ oder nur „Jesus!“ Seit etwa 150 Jahren hat nun auch im geschäftigen Westen das Jesusgebet Wurzeln geschlagen, manchmal auf dem Umweg über asiatische Praktiken. Um die Gnade dieses immerwährenden Gebetskontakts zu erhalten, muss der Gläubige, so scheint mir, drei Bedingungen erfüllen: 1. Er muss eine tiefe, unauslöschliche Sehnsucht in sich tragen, aus der Liebe des Erlösers nicht herauszufallen, hervorgebracht vom Wissen um die eigene Unerlöst- und Verlorenheit. 2. Ein gelungenes Hineinsenken des Jesusrufens von den Lippen und dem Oberflächenbewusstsein weg in den Seelengrund mittels einer Art von betendem Atmen und einer immer neu gesuchten Konzentration des Herzens auf den gegenwärtigen Erlöser; und das bis zu dem Grad, dass die im Innern klingende Jesus-Melodie immer ins Bewusstsein aufsteigt, wenn sich im Alltag Pausen anbieten. 3. Ein ständiges Kreisen des Herzens um das Geheimnis der Eucharistie, die man empfangen hat und empfangen wird. Da für den zweiten Punkt die Gefahr einer Verkrampfung besteht, ist geistliche Begleitung unbedingt notwendig. Was kann einem Christen, der sein Herz in diesem Maß an Gott verloren hat, anders zuteil werden als ein Frieden, der den ganzen Menschen erfasst und eine Freude, die nichts Dunkles um ihn herum völlig vertreiben kann?

In Ausgabe 11-2010, Seite