Mein Leben ist eine Katastrophe

Ratgeber-Glauben

Leben in schwierigen Situationen

P. Franz-Josef Janicki SVD aus stadt gottes Februar 2010

Ich bin über 30. Mein Leben war bisher eine einzige Katastrophe. Meinen Vater kenne ich nicht. Meine Mutter wollte mich abtreiben. Warum hat sie es nicht getan? Sie hat mich immer abgelehnt. Ich meine, sie hat mich sogar verflucht. Ich bin immer herumgeschubst und auch sexuell missbraucht worden. Vor Kurzem ist meine Mutter gestorben. Jetzt habe ich schreckliche Träume und Visionen. Es ist einfach furchtbar. So kann das doch nicht weitergehen!

Nein, hoffentlich nicht! Das Schwere, das Sie in Ihrer Kindheit und bis heute durchgemacht haben, zeigt seine Wirkung und vergiftet Ihr Leben. Es hinterlässt viele offene Wunden, die nur schwer heilen und vernarben. Sie bemühen sich darum, das, was Sie vor allem in Ihrer Kindheit erfahren haben, zu verarbeiten, um damit irgendwie erträglich leben zu können, sonst würden Sie ja nicht um Rat fragen. Dass bei diesem Verarbeitungs- und Bewältigungsprozess schreckliche Träume und Sie verunsichernde „Visionen“ auftreten, ist eigentlich natürlich. Sie haben ihre spezielle Bedeutung im Verarbeitungs- und Heilungsprozess. Das gilt ganz allgemein. Dass Sie das Gefühl haben, von Ihrer Mutter verflucht worden zu sein, rührt vermutlich daher, dass Sie von ihr fast nur Unverständnis und Ablehnung erfahren haben und dass auch sonst in Ihrer Jugend vieles schiefgelaufen ist. Selbst wenn Ihre Mutter einen Fluch über Sie ausgesprochen hätte, so hätte er von seinem Inhalt her im Sinne einer magischen Kraft keine Bedeutung. Denn diejenigen, die an Gott glauben, stehen unter seinem besonderen Schutz, und keine so genannten bösen Mächte, selbst der „Satan“ nicht, haben noch Macht über sie. Dass Sie so viel Schweres durchmachen mussten und noch müssen, geht auf das Konto des moralischen Versagens der Menschen, die Sie so verletzt haben. Das ist allerdings schlimm genug. Ich kann Ihnen nur dringend anraten, sich in eine Therapie zu begeben. Sie brauchen über eine längere Zeit eine persönliche Begleitung auf Ihrem Heilungsweg.

In Ausgabe 11-2010, Seite