Ist Maria Jungfrau geblieben?

Ratgeber-Glauben

immrwährende Jungfrau Maria, was sagt die Bibel

P. Hans Peters SVD, stadtgottes November 2010

Frage: Die Kirche spricht von der „immerwährenden Jungfrau Maria“. Aber in der Bibel wird berichtet von den Brüdern und Schwestern Jesu. Ist das nicht ein Widerspruch?

Der Glaube an die immerwährende Jungfräulichkeit der Gottesmutter ist erstmals 553 im Konzil von Konstantinopel lehramtlich formuliert worden: Christus ist Mensch geworden „aus der heiligen glorreichen Gottesgebärerin und immerwährenden Jungfrau Maria“. Solche Konzilsformulierungen bringen lange vorher bestehende Glaubensüberzeugungen zum Ausdruck, und so ist dieses Dogma im Laufe der Jahrhunderte selbstverständliches Glaubensgut der Kirche geworden. Die Evangelisten Lukas und Matthäus reden ausdrücklich davon, dass Maria Jesus jungfräulich, ohne Zeugung durch einen Mann, empfangen habe.

Damit soll deutlich gemacht werden, dass in diesem Neuanfang Gottes mit der Menschheit die Initiative und Durchführung ganz bei Gott liegt: Dieses Kind kann nur empfangen werden, da es von Anfang an Gott selbst ist. Diese grundsätzliche Haltung des Menschen ist in der Geschichte Mariens konkret in Ort und Zeit zur unüberbietbaren Erfüllung gekommen. Darum glaubt die Kirche, dass auch ihre Jungfräulichkeit konkret geschichtlich ist, auch wenn diese Wirklichkeit „nur“ im Glauben zugänglich ist, so wie die Gestalt Jesu von Nazareth sich nur dem Glauben als Gottesoffenbarung enthüllt. Wenn von der immerwährenden Jungfräulichkeit der Gottesmutter die Rede ist, dann soll damit zum Ausdruck gebracht werden, dass dieses einmalige Geschehen der jungfräulichen Empfängnis nicht eine Episode „auf Zeit“ im Leben Mariens war.

Durch dieses Geschehen ist Maria ganz von Gott in Beschlag genommen, ausschließlich und bleibend. Gottes Handeln und ihr Ja-Wort bleiben prägend für ihr ganzes Leben. Modern gesprochen: Gottes Handeln ist zutiefst „nachhaltig“. Zugleich wird so deutlich: Jesus ist der einzige und ausschließliche Sohn Gottes, in ihm ist einzigartig, ausschließlich und bleibend Gott anwesend. Der Ausdruck Bruder (oder Schwester) wird in der Bibel in sehr weitem Sinn verwendet. Er kann auch einen entfernteren Verwandten, einen Freund oder Volksgenossen meinen. Im Neuen Testament wird „Bruder“ vor allen Dingen im Sinne von Glaubensbruder gebraucht. Gottes Weise, mit den Menschen umzugehen, wird hier deutlich: Seine Erwählungen geschehen nicht „auf Zeit“, sondern für immer. Bleibende Lebensentscheidungen im Sakrament der Ehe, der Priesterweihe und der Ordensgelübde haben hier ihre tiefste Begründung, auch wenn sie bisweilen nicht diesem Anspruch gerecht werden.

In Ausgabe 11-2010, Seite